Heaven’s Gate – Das Tor zum Himmel (USA 1980)

heavens-gate„Die durch die Hölle gehen“ machte Michael Cimino zu einem der gefragtesten Regisseure Hollywoods. Bereits das Folgewerk „Heaven’s Gate“ läutete seinen Abstieg ein. Das 50 Millionen Dollar teure Western-Epos spielte nur einen Bruchteil seiner Kosten wieder ein und wurde berüchtigt als einer der größten Kassenflops der Filmgeschichte. Für das produzierende Studio United Artists bedeutete das finanzielle Debakel das Aus. Im Schatten des Misserfolgs wird bedauerlicherweise gern vergessen, dass Ciminos gescheitertes Opus ein Drama extraordinärer Güte darstellt.

Allein die halbstündige Auftaktsequenz, welche die intellektuelle Elite universitärer Abgänger im rauschenden Fest des Hochschulabschlusses zeigt, ist in Ausstattung und Inszenierung ein wahrer Augenschmaus. Der Prunk, die Detailversessenheit der Massenszenen, sind dem Hollywood-Kino der Gegenwart in ihrer schier ehrfürchtigen Verbeugung vor dem Glanz vergangener Tage geradezu wesensfremd. Der Anfang ist die pure Verschwendung. Aber mit welch künstlerischem Geschick, welcher Wonne dem Pomp gefrönt wird, wenn Paare beim Walzer im Kreise schweben. Die Unbeschwertheit findet bald ein Ende. Einer der Absolventen ist James Averill (Kris Kristofferson, „Pat Garret jagt Billy the Kid“). Zwanzig Jahre später hat das Leben tiefe Furchen in sein Gesicht getrieben.

Ende des 19. Jahrhunderts ist das weite Land Montanas von Migranten bevölkert. Die mächtigen Viehzüchter bangen um ihren Profit. Die Lösung ist die zielgerichtete Tötung der vorwiegend aus Osteuropa stammenden Einwanderer. Eine Todesliste wird angefertigt, 125 Menschen zum Abschuss freigegeben. Scharfschütze Nathan Champion (Christopher Walken, „Das Begräbnis“) ist das Exekutivorgan. Als Marschall des Distrikts steht James ihm gegenüber und den Siedlern bei. Dabei gilt der Kampf der beiden Männer nicht nur den gegensätzlichen Professionen, sondern auch der Liebe der jungen Ella (Isabelle Huppert, „Geheime Staatsaffären“).

Mit „Heaven’s Gate“ hat Michael Cimino weniger den bombastischen Megaflop, als vielmehr ein Drama epischer Breite geschaffen. Die Wucht der Inszenierung, die brillante Kameraführung Vilmos Zsigmonds („Beim Sterben ist jeder der Erste“), nicht zuletzt die erlesene Besetzung – darunter Jeff Bridges („Die Letzten beißen die Hunde“), William Hurt („Alien“) und Brad Dourif („Einer flog übers Kuckucksnest“) – sind Mosaiksteine eines Meisterwerkes. An kritischen Tönen wird nicht gespart, die entscheidende Schlacht zwischen Einwanderern und Aggressoren als bittere Studie über Gewalt und Gegengewalt begangen. Am Ende gibt es keine Gewinner, kein Happy End. Starker Tobak, nicht nur aufgrund der Laufzeit von mehr als 200 Minuten.

Wertung: (8,5 / 10)

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