Heat (USA 1995)

heat„Lass nichts an dich ran, was du nicht problemlos in dreißig Sekunden zurücklassen kannst, wenn du merkst, der Boden wird zu heiß.” – McCauley

Irgendwann musste Hollywood sie einfach zusammenführen, die beiden Legenden des Method-Acting, Robert De Niro und Al Pacino. In Francis Ford Coppolas „Der Pate II” tauchten sie zwar gemeinsam auf der Besetzungsliste auf, doch ein direktes Aufeinandertreffen dieser beiden Ausnahmeschauspieler sollte etwa noch 20 Jahre auf sich warten lassen. Denn im vielleicht besten „Pate”-Film spielten beide in unterschiedlichen Zeitebenen und waren nie gemeinsam in einer Einstellung zu sehen. Erst im beklemmenden wie mitreißenden Thriller „Heat” schaffte es Regisseur Michael Mann, diese beiden Ausnahmeschauspieler im wahrsten Sinne des Wortes „an einen Tisch zu bringen” und zelebriert in nie zu langen 150 Minuten Unterhaltung, Spannung und Anspruch auf allerhöchstem Niveau.

Der Gangster Neil McCauley (De Niro) gehört mit seiner kleinen, festen Truppe, zu der Chris (Val Kilmer), Michael (Tom Sizemore) und Trejo (Danny Trejo) gehören, zu den absoluten Profis. Die Bande gibt sich lediglich mit Coups in Millionenhöhe ab. Mittelsmann zwischen Auftraggebern und McCauley ist dessen enger Freund Nate (Jon Voight). Dieser beschafft ihnen auch den aktuellen Job, bei dem es um einen Überfall auf einen Geldtransporter geht. Ziel des Raubs sind jedoch nur Wertpapiere, die dem Inhaber eines Großkonzerns gehören und dem seine eigenen Dokumente im Anschluß verkauft werden sollen. Da die feste Mannschaft für die Durchführung des Jobs noch auf einen Mann angewiesen ist, wird kurzerhand der bislang unbekannte Waingro (Kevin Gage) angeheuert, der jedoch den Coup gänzlich versaut. So mündet die ursprünglich ohne Blutvergießen angedachte Aktion in einem Massaker an den Wachleuten, was den Polizisten Vincent Hanna (Pacino) auf den Plan ruft.

Da der sich nun auf die Spur der Täter macht, hat McCauley ein Problem mehr. Denn nicht nur hat der Eigner der gestohlenen Wertpapiere seine Killer losgelassen, auch spürt er immer mehr den Atem seines umtriebigen Verfolgers Hanna im Nacken. Zudem läuft der nach dem Desaster geflüchtete Waingro noch frei herum. Zerstreuung bedeutet allein Grafikerin Eady (Amy Brenneman), die er überraschend in einem Cafe kennenlernt. Erholung vom Verbrechertum kann sich McCauley jedoch nicht gönnen. In gemeinsamer Abstimmung beschließt die Gruppe, noch einen großen Deal über die Bühne zu bringen, um sich dann endgültig zu trennen. Der geplante Bankraub wird von Waingro aber der Polizei mitgeteilt und diese wartet in Form von Vincent Hanna bereits auf der Straße.

Mit in derlei Filmen oft propagandiertem Heldentum hat „Heat” nichts zu tun, vielmehr lässt Regisseur Michael Mann seine namhafte Darstellerriege als Alleingänger durch die Tiefen der Großstadt streifen, unabhängig von familiären Bindungen oder beruflichen Gemeinsamkeiten. Die Figuren von Pacino und DeNiro sind sich in ihrer Art unglaublich ähnlich und weisen lediglich einen großen Unterschied auf. Nämlich den, dass sie auf den unterschiedlichen Seiten des Gesetzes stehen. Ansonsten könnten sie ohne weiteres gute Freunde sein, was die berühmte Szene beim Kaffeetrinken beweist. Beides sind starke, konsequente Menschen, perfekt in ihrer Arbeit, jedoch unfähig, sich in einem sozialen Gefüge wie Familie zurecht zu finden. Noch mehr als bei De Niro wird dies durch Pacino belegt, dessen Filmfigur bereits mehrfach verheiratet war, dessen aktuelle Frau einen Liebhaber hat und er sich zudem um die suizidgefährdete Tochter (Natalie Portman) seiner Frau kümmern muss.

Getragen wird der Film zu einem großen Teil natürlich von seinen beiden Hauptdarstellern, die wohl unbestritten zum Besten gehören, was je auf der Leinwand zu sehen war. Als Zuschauer muss man aber auch in „Heat“ eine Zeit warten, bis beide endlich zusammen auf dem Bildschirm agieren. Allerdings entlädt sich dies (noch) nicht in einem Kräftemessen der besonderen Art, sondern beide sitzen sich lediglich beim Kaffeetrinken gegenüber, sprechen über ihr Leben und sogar über ihre Träume. Nicht nur in diesen Momenten brodelt es förmlich, doch ist es einfach etwas ganz besonderes, solch herausragende Schauspieler gemeinsam zu sehen und mit Hilfe der grandiosen technischen Umsetzung und Bildsprache könnte diese Sequenz wohl problemlos in jedem Schauspielkurs gezeigt werden.

Doch der Film ist nicht nur auf Pacino und DeNiro fixiert. Denn Michael Mann hat wohl mit jeder noch so kleinen Rolle den perfekten Darsteller gefunden. Der als schwierig geltende Val Kilmer („The Doors“) brilliert neben De Niro und angesichts solcher Rollen und seinem Talent ist es schade, dass er heutzutage so gut wie gar nicht mehr in größeren Filmen auftaucht. Auch Tom Sizemore („Der Soldat James Ryan“) dürfte sich gerne an diesen Film erinnern. Denn und auch bei ihm ist es mehr als Schade, dass zukünftig Rollen derlei Kategorie wohl nur noch ganz selten kommen werden. Doch müsste man im Grunde jeden einzelnen Darsteller nennen um jedem gerecht zu werden, denn auch Namen wie Nathalie Portman („Leon – Der Profi“), Ashley Judd („Doppelmord“), Wes Studi („Der letzte Mohikaner“) oder auch Jon Voight („Beim Sterben ist jeder der Erste“) stehen für die hohe Qualität von „Heat“.

Neben den starken Charakterzeichnungen drückt Michael Mann aber zwischendurch auch immer ein wenig aufs Gas und präsentiert einige packende Schusswechsel, wobei besonders das Gefecht inmitten der Rush Hour von Los Angeles zu erwähnen ist und das vielleicht zu den besten Action-Sequenzen der 90er Jahre gehört. Minutenlang bekriegt sich die Bande von De Niro mit der Polizei, eingefangen als wenn man eigens vor Ort wäre und selbst der Kugelhagel scheint sich in unmittelbarer Nähe zu befinden. Große Explosionen oder Verfolgungsjagden wird man in „Heat“ jedoch nicht finden, denn so professionell sich die Figuren im Film bewegen, genau so vermeidet es der Regisseur in unnötige Klischees zu verfallen. So ist „Heat“ unbestritten ein moderner Klassiker, der nicht nur zu den besten Filmen der 90er gehört, sondern der dank seiner großartig aufspielenden und namhaften Besetzung, der legendären Szene von De Niro und Pacino sowie einer perfekten Regie auch noch in vielen Jahren als Maßstab gewertet werden muss.

Wertung: 10 out of 10 stars (10 / 10)

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