Headhunters (S/DK/N/D 2011)

headhunters-nesboDass aus Skandinavien gute Thriller kommen, weiß man nicht erst seit der berühmten „Millennium“-Trilogie. Ole Bornedals „Nachtwache“ aus den früheren 90ern gab den guten Ton vor, zuletzt wusste auch „Der Kandidat“ von Kasper Barfoed trotz kleinerer Schwächen zu unterhalten. Mit „Headhunters“ hat Morten Tyldum nun jüngst den Bestseller von Jo Nesbo verfilmt. In seiner Art und auch von der Geschichte her ist dieser dem zuvor genannten „Der Kandidat“ nicht unähnlich. Vor allem, weil in beiden Filmen Männer mit dem Rücken zur Wand stehen und sich einem scheinbar übermächtigen Gegner gegenübersehen.

Roger Brown (Aksel Hennie) ist einer der Top-Headhunter in Oslo. Sein Wort spielt bei den hiesigen Wirtschaftsbossen und der Besetzung lukrativer Positionen eine gewichtige Rolle. In der bildhübschen Diana (Synnove Macody Lund) hat er die Frau fürs Leben gefunden und auch mit ihrem luxuriösen Haus spielt das Ehepaar in der Upper-Class mit. Aber hinter der selbstsicheren Fassade steckt auch ein zweifelnder, unsicherer Mann. Seine Körpergröße macht ihm zu schaffen und die Unsicherheit, ob seine Frau ihn wirklich liebt, beschäftigen ihn täglich.

Insofern erfüllt Roger seiner Diana jeden erdenklichen Wunsch. Das Geld dafür beschafft er sich durch gestohlene Kunstwerke, die er in den Häusern seiner Klienten mit Hilfe seines Partners Ove (Eivind Sander) stielt. Als er den smarten Clas Greve (Nikolaj Coster-Waldau) kennenlernt, vermutet er den großen Coup, da dieser von einem seltenen Bild spricht, welches sich zufällig in seinem Besitz befindet. Da Roger auf einen Schlag alle (Geld-)Probleme beseitigen kann, steigt er unvermindert in die Wohnung von Greve ein. Ohne zu ahnen, welche Konsequenzen daraus entstehen. Denn das Bild ist nur der Anfang in einem geplanten Spiel.

Wie so häufig ist auch das Buch von „Headhunters“ die bessere Wahl. Die Figuren und ihre Motive werden detaillierter beschrieben, als es hier mit ein paar Kommentaren aus dem Off gelingt. Auch die anfänglichen Gespräche zwischen Roger Brown und Clas Greve wurden für den Film zum Teil stark gekürzt, was insbesondere die Figur von Greve im weiteren Verlauf des Films kaum zugutekommt, da sein Charakter – im Gegensatz zum Buch – hier kaum stattfindet. Überhaupt aber funktionieren die Dialoge hier deutlich weniger, bspw. auch beim Kandidatengespräch zu Beginn. Die Raubzüge von Roger Brown wirken unprofessionell und für einen vermeintlichen Meisterdieb etwas zu leichtsinnig. Auch die Figur der Diana bleibt im Gegensatz zum Buch blasser. Das Augenmerk liegt hier deutlich auf dem schier ausweglosen Kampf des Roger Brown.

Nach behäbigem Beginn kommt der Film deutlich mehr in Fahrt. Dabei werden eine Vielzahl von Haken geschlagen, die den Hauptcharakter immer wieder vor sich her treibt. Zwar mag nicht jede Wendung stimmig und logisch erscheinen, aber in Punkto Tempo und Spannung stimmt es grundsätzlich. Mitunter wirken die Gewaltszenen etwas übertrieben, doch auch das Buch nahm in manchen Sequenzen kein Blatt vor den Mund. Bei der Besetzung gibt es Licht wie Schatten. Mit Nikolaj Coster-Waldau („Games of Thrones“) hat „Headhunters“ einen charismatischen Schurken zu bieten, der leider nur viel zu wenig stattfindet. Seine Präsenz im Buch geht hier ziemlich verloren. Aksel Hennie („Cry in the Woods“) ist schon rein optisch der Anti-Held und tauschen möchte man mit ihm sicher nicht, wenn sein Leben im Minutentakt eine andere Wendung nimmt. Manches davon mag arg übertrieben sein, aber es unterhält, den Hauptcharakter in immer absurderen Situationen vorzufinden.

Grundsätzlich ist „Headhunters“ ein solider Thriller, wenn auch mit einigen Schwächen. Das Buch geht wie so häufig weiter und trägt mehr dazu bei, die Figuren glaubhafter wirken zu lassen. Das gelingt dem Film leider nur selten. Doch wie gesagt, nett anzuschauen ist die mit kühlen Bildern gefilmte Hatz durch Stadt, Wald und Plumpsklo allemal.

Wertung: (6 / 10)

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