Hart am Limit (USA 2004)

hart-am-limit„Ich bin mit meinem Bike auf ‘nen fahrenden Zug gesprungen. Ist schon ‘n Hammer was so geht wenn man keine Wahl hat.”

Man glaubt förmlich den kühlen Lauf der gegen die Stirn von Drehbuchautor Matt Johnson gepressten Pistole zu fühlen, den kalten Schweiß entlang seiner Wirbelsäule erstarren zu spüren. Denn was dieser dem gewillten Betrachter mit der haarsträubend grotesken Biker-Posse „Hart am Limit” zumutet, kann im Grunde nur unter der Androhung physischer Pein auf Papier gebannt worden sein.

Da verwundert es wenig, dass neben Martin Henderson („The Ring”) ein talentfreies Männlein mit Künstlernamen Ice Cube („Barbershop”) die Rolle eines schockgefrostet Coolen Asphaltmalträtierers ausfüllt und im inhaltlichen Vakuum des Filmes verpufft wie ein Tröpfchen Sprit im überhitzten Motorraum der aufgebrezelten Maschinen. Dabei hat der Film mit kernigen Kerlen, leicht beschürzten Tiffen und drallen Zweirädern alles, was PS-Junkies und Vollzeitproleten rundum glücklich stimmen müsste. Allerdings auch nur die…

Biker Cary Ford (Henderson) ist ein Kind der Straße, ein motorisierter Outlaw auf der Überholspur des Lebens, der sich von den Vorwürfen des Drogenhandels und des Mordes entlasten will. Doch sitzen Ford neben den Cops vor allem die Reapers und deren Anführer Wallace (Cube) im Genick. Denn Ford soll Wallaces Bruder kaltblütig ermordet haben. Zu allem Überfluss will auch die Gang der Hellions, die wahren Schuldigen des schändlichen Verbrechens, seinen Kopf, wähnt diese doch begehrte Hehlerware im Besitz des toughen Bikers. So gilt es neben dem standesgemäßen Ausspielen aller Parteien auch das Herz von Slade (Monet Mazur, „Voll verheiratet”), Fords ehemaliger Geliebter, zurückzuerobern. Der Auftakt einer rasanten Hatz, die ihrem Showdown über staubige Highways und einladende Zugdächer ohne Geschwindigkeitsbegrenzung entgegenrast.

Eine Anhäufung von ausgereizten Klischees, eindimensionalen Figuren und hanebüchenen Actionsequenzen bilden den adrenalinpumpenden Kern von „Hart am Limit”. Immerhin, Zeit zum Verschnaufen bleibt bei einer Spielzeit von knapp 80 Minuten kaum, doch benötigt man etwa die gleiche Dauer, um seine entschlafenen Hirnwindungen aus der Lethargie des Stand-By-Modus zu befreien. Denn Logik wird im Abgas dieses rasanten Testosteron-Trashs konsequent auf Halde geschoben, während eine schlüssige Dramaturgie mit Getriebeschaden schon in den Auftaktsequenzen auf der Strecke bleibt. Viel neues scheint dem Produzenten von „The Fast and the Furious” und „xXx – Triple X” demnach nicht eingefallen zu sein.

Doch zeichnet sich „Hart am Limit” zumindest durch Peter Levys („Broken Arrow”) effektive Kameraführung und einige gelungene, wenngleich computeroptimierte Stuntszenarien aus. Der Rest ist die gewohnt inhaltsschwache Pocorn-Sause für infantile Motorfreaks und staunende Pennäler, deren glanzloser Höhe-, bzw. Tiefpunkt bereits angeschnittene Verfolgungsjagd auf und in einem fahrenden Personenzug staffiert. Martin Henderson überzeugt dabei als nicht gänzlich guter ‘Good Guy’ ebenso wenig, wie Möchtegernmime Ice Cube als nicht gänzlich böser ‘Bad Boy’. So erweist sich das Spielfilmdebüt des ehemaligen Clipregisseurs Joseph Kahn als armselig überstilisierter Actionoverkill, grell, bunt, und ebenso schnell vergessen wie konsumiert.

Wertung: (3 / 10)

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