Hangover (USA/D 2009)

hangoverEiner der Überraschungserfolge des ausgehenden Jahres war sicherlich die Komödie „Hangover“. Denn den Produktionskosten von rund 40 Mio. USD steht ein deutlich dreistelliger Millionenbetrag als Einspielergebnis gegenüber. Doch es ist ausnahmsweise mal nicht der Umsatz allein der zählt, sondern vielmehr die Tatsache, dass man es hier wirklich mit einem lustigen Film zu tun hat. Ein Umstand, den mittlerweile vor allem die wenigsten der sogenannten großen Komödien für sich beanspruchen können. Dabei macht „Hangover“ nicht wirklich viel anders als solche Zotenbringer wie „Old School“ oder „Road Trip“. Nur eben vieles weitaus besser und somit auch unterhaltsamer.

Dabei könnte die Geschichte um einen Junggesellenabschied und vier Freunde in Las Vegas nicht unorigineller sein. Angesichts der bevorstehenden Vermählung ihres Freundes Doug (Justin Bartha) zieht es dessen beste Freunde – den besonnenen Zahnarzt Stu (Ed Helms) und den launischen Lehrer Phil (Bradley Cooper) – mitsamt Dougs künftigem Schwager Alan (Zach Galifianakis) nach Las Vegas. Nach einem ersten Jägermeister beginnt die Party und am nächsten Morgen die große Ernüchterung. Denn weder Phil, Stu noch Alan haben einen blassen Schimmer davon, was letzte Nacht passiert ist. Das schlimmste jedoch, Doug ist verschwunden. Verkatert macht sich das Trio auf die Suche und muss dabei die Reste der letzten Nacht aufsammeln und verarbeiten.

Jawohl, „Hangover“ ist komisch. Mitunter sogar saukomisch. Das liegt an seinen Darstellern, an der straffen Inszenierung, etlichen guten Einfällen und vor allem daran, dass der Film gängigen Erzählmustern genau dann aus dem Weg geht, wenn es kitschig, moralisch oder zu abgedroschen wird. Hier muss niemand einen Seitensprung erklären, hier muss keiner zu Kreuze kriechen, weil er sich falsch verhalten hat. Und noch weniger verändert hier jemand von Grund auf seinen Charakter vom Saulus zum Paulus. Man könnte dies, wenn überhaupt, auf die Figur des Stu beziehen. Aber diese Entwicklung ist durchaus ein glaubwürdiger und logischer Teil der Geschichte.

Das alles lässt „Hangover“ schon prinzipiell in einem anderen Licht erscheinen. Doch darüber hinaus hat der Film unglaublich viele Einfälle, die immer wieder für Situationskomik sorgen. Dort ist es nur mal ein Baby, welches man dem bärtigen Zach Galifianakis („Heartbreakers“) um den Bauch schnallt, dann wieder ist es ein tuckiger asiatischer Gangster oder Mike Tyson, der auf der Suche nach seinem geklauten Tiger ist. Derartiges gibt es im Minutentakt zu sehen, denn das Tempo ist enorm und Leerlauf lässt Regisseur Todd Phillips („Old School“) gar nicht erst aufkommen. Ohne aber die Brechstange hervorholen zu müssen, sein Film funktioniert auch so. Denn die Figuren hier sind auf ihre Art und Weise allesamt liebenswert, auf Fäkalhumor oder allzu derbe Zoten ist man hier nicht angewiesen.

Natürlich erfindet Todd Phillips das Rad der Komödie nicht neu. Aber alleine von der Erzählstruktur her bieten sich ihm schon ganz andere Spielräume. Denn niemand weiß, was eigentlich passiert ist, weder die Figuren im Film, noch die Zuschauer. Die sympathischen, unverbrauchten Akteure – allen voran Zach Galifianakis – tragen ohne weiteres ihren Teil zu diesem großen Spaß bei. Endlich einmal wieder ein Film, der die Bezeichnung Komödie wirklich verdient!

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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