Hancock (USA 2008)

hancockJohn Hancock ist der etwas andere Superheld. In schnoddrigen Klamotten und mit Schnapsfahne bekämpft er das Verbrechen in den Straßen von Los Angeles – ohne jede Rücksicht auf das Stadtbild. So saust der unglaublich starke, unverwundbare Trinker durch die Luft, durchbricht Hinweisschilder und pflegt bei einer jeden Landung tiefe Spuren im Asphalt zu hinterlassen. Die Polizei ist über die verkaterte Schützenhilfe wenig erfreut und selbst bei den Bürgern hat er ob seiner beleidigenden Art keinen guten Stand. Im Gegenteil. „Arschloch“ ist die gängigste ihm entgegenbrachte Anrede.

Will Smith („Das Streben nach Glück“) spielt den maroden Übermenschen mit Witz und Wonne. Wenn er einen gestrandeten Wal achtlos ins Meer zurückschleudert oder ein vorlautes Kind durch die Luft wirbelt, verkommt der Dienst an der Gesellschaft zum Ego-Trip einer gescheiterten Persönlichkeit. Dankbar zeigt sich nur PR-Manager Ray (Jason Bateman, „Juno“), den Hancock vor einem heranbrausenden Güterzug bewahrt. Als Gegenleistung will der Gerettete das Image des gescholtenen und von der Staatsanwaltschaft zur Rechenschaft gezogenen Helden aufpolieren.

Mit etwas aufdringlicher Handkamera gewinnt „Operation: Kingdom“-Regisseur Peter Berg der Geschichte zugleich Witz und Wärme ab. Ungeachtet seiner körperlichen Vorzüge tritt Hancock eine Gefängnisstrafe an, was die Kriminalitätsrate in die Höhe schnellen lässt. Als seine Dienste unabdingbar werden, folgt mit Rays Unterstützung die schrittweise Rehabilitation. Bedauerlicherweise füllt dieser Wandel nur die erste Hälfte der amüsanten Action-Komödie. Was folgt ist eine überdramatisierte und zudem weitgehend unplausible Liebesgeschichte, während der sich nicht nur der Titelheld als gottähnliches Wesen entpuppt.

Schlagartig ist „Hancock“ anzumerken, dass das ihm zugrunde liegende Skript über Jahre in verschiedenen Variationen durch Hollywood geisterte. Zusammenhanglos wird Charlize Theron („Monster“), die als Rays Gattin Mary nur unterfordertes Beiwerk bleibt, als tragisch umwehtes Helden-Äquivalent aufgetischt und der Humor zugunsten einer überzogenen Mystifizierung an den Rand gedrängt. Diese zwei ach so verschiedenen Hälften ergeben in der Summe keinen befriedigenden Film und erst recht nicht das gepriesene Blockbuster-Kintopp. Smith und der gelungene Auftakt reißen es raus. Alles weitere ist schlicht überflüssig.

Wertung: (6 / 10)

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