Hamburger Hill (USA 1987)

hamburgerhillDie Schlacht um Hügel 937 ging als eine der verlustreichsten Bodenoffensiven des Vietnamkrieges in die Geschichtsbücher ein. Die strategisch unbedeutende Dong Ap Bia-Erhebung nahe der laotischen Grenze wurde unter hohen Verlusten im Mai 1969 erstürmt. Statt die Befestigungen der nordvietnamesischen Streitkräfte mit Bombenabwürfen zu zermürben, wurden zwei Kompanien über 10 Tage immer wieder auf die Anhöhe ins Feuer des Feindes geschickt. Der Hügel wurde von den Soldaten daraufhin „Hamburger Hill“ getauft.

Zu Hackfleisch verarbeitet, also entweder getötet oder verwundet, wurden bei den schweren Gefechten neben rund 440 US-Soldaten auch mehr als 600 Vietnamesen. John Irvin hat diesem nahezu unbekannten Kapitel einen Anti-Kriegsfilm gewidmet, der die Sinnlosigkeit der Kampfhandlungen in schonungsloser Offenheit darlegt. Das erschütternde Drama mag nicht die Anerkennung namhafterer Werke wie „Platoon“ oder „Full Metal Jacket“ erfahren haben, als zeitloses Dokument barbarischer Menschenverachtung könnte die Wirkung allerdings kaum schockierender ausfallen.

Neben den ausschnitthaften Erstürmungsversuchen, die an die Stellungsschlachten des ersten Weltkriegs erinnern, zeigt Irvin vor allem das zerrüttete Wesen der Soldaten. Als Teil der 101. Luftlandedivision bezieht die Bravo-Kompanie im A Shau-Tal Stellung. In der Verknüpfung von Einzelschicksalen werden Rassenunterschiede und die Verdammung der Soldaten durch die Demonstranten in der Heimat thematisiert. Dabei kämpfen die Truppen im Dschungel nicht fürs Vaterland, sondern einzig das eigene Überleben. Doch neben dem Feind setzen ihnen „Friendly Fire“, der versehentliche Beschuss durch die eigenen Truppen, sowie extreme Wetterschwankungen zu.

Als Hauptprotagonisten kristallisieren sich die Offiziere Frantz (Dylan McDermott, „In the Line of Fire“) und Worcester (Steven Weber, „Leaving Las Vegas“) sowie der afroamerikanische Arzt Johnson (Courtney B. Vance, „Dangerous Minds“) heraus. Um sie herum positioniert sich eine Gruppe zunehmend verzweifelter Soldaten (u.a. Don Cheadle, „Hotel Ruanda“), die Irvin und Kamermann Peter MacDonald (gab ein Jahr später mit dem reaktionären Action-Spektakel „Rambo III“ selbst seinen Einstand als Regisseur) ohne heroische Verklärung zur Schlachtbank führen.

In ihrer Wirkung gemindert wird die Drastik der Bilder einzig durch die dezent pathetische Musik Philip Glass’ („The Hours“). Von diesem Makel abgesehen zeigt „Hamburger Hill“ die Unerbittlichkeit des Krieges in schwer verdaulicher Manier. Dass der Hügel kurz nach der Einnahme von der US-Armee wieder aufgegeben wurde, unterstreicht die Sinnlosigkeit des Krieges nur umso deutlicher. Denn unmenschlicher hätten die Befehlshaber mit dem Leben der Soldaten kaum verfahren können.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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