Hallesche Kometen (D 2005)

hallesche-kometenDer junge deutsche Film versucht erst gar nicht in Konkurrenz mit den Blockbustern Hollywoods zu treten. Statt auf kostspielige Effekte setzen die heimischen Nachwuchsregisseure auf kleine Geschichten aus dem Leben. Das Hier und Jetzt steht auch in „Hallesche Kometen“ im Mittelpunkt, Susanne Irina Zacharias’ Abschlussfilm an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Das geringe Budget wird durch den ambitionierten Einsatz der Darsteller egalisiert. Abermals geht es um Einzelschicksale in Auszügen, wieder ist der deutsche Osten Handlungsträger verlorener Träume und ungewisser Zukunft.

Mit seinem arbeitslosen Vater Karl (Peter Kurth, „Ein Freund von mir“) lebt Ben (Hanno Koffler, „Anatomie 2“) in einer Plattenbausiedlung in Halle. Ben ist Anfang 20 und voller Träume. Er will über Reisen berichten und Schriftsteller werden, hat sogar den Wettbewerb eines namhaften Magazins gewonnen. Trotzdem arbeitet er als Auslieferer von Prospekten. Was ihn bremst, ist Karls quälende Lethargie, der seit dem Tod der Mutter kein Bein mehr auf den Boden bekommt. Sein Sohn aber will ihn nicht im Stich lassen, so dass ein Vorwärtskommen für beide unmöglich scheint. Um der finanziellen Knappheit vorzubeugen, gerät Ben in kriminelle Kreise.

Das Streben nach Unabhängigkeit wird zum existenziellen Kampf in diesem unaufdringlichen, von leisen Tönen dominierten Sozial-Drama. Die Protagonisten sind Leute von Nebenan, stellvertretend für die Stagnation eines nicht unerheblichen Bevölkerungsteils in Erscheinung tretende Verlierertypen. Doch gerade mit diesem Schicksal will sich Ben nicht abfinden. Die sich entwickelnde Beziehung zu Jana (Marie Rönnebeck, „Nachtasyl“) gibt ihm Auftrieb. Regisseurin Zacharias fängt sie ohne Weichzeichner ein. Die Dialoge wirken improvisiert, was dem Film einen natürlich ehrlichen Grundton beschert.

Das Spiel der Akteure bringt den erforderlichen Tiefgang. Peter Kurth wird durch die bewegende Darstellung Karls eine Figur von fast greifbarer Realitätsnähe. Selbst wenn er in seinem speckigen Unterhemd der Generalvorstellung des antriebslosen Arbeitslosen entspricht. Natürlich bewegt sich am Ende etwas im Verhältnis von Vater und Sohn. „Hallesche Kometen“ nährt die Hoffnung, ohne in verklärten Kitsch zu münden. Das Leben geht ungeachtet eines jeden Rückschlags weiter. Die Kunst ist es, dabei nicht die Achtung vor sich selbst zu verlieren.

Wertung: (7,5 / 10)

 

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