Halblbut (USA 1992)

halbblutIndianermythen, spirituelle Tänze und Gesänge. „Halbblut“ beginnt klassisch, verklärt, geheimnisvoll. Kurz darauf hält die harte Realität Einzug, als ein flüchtender Native in der Wildnis von Kugeln zerfetzt wird. Morde wie dieser sind keine Seltenheit im Reservat. Bislang aber scherte sich die Bundespolizei einen Dreck darum. Interne Stammeskonflikte heißt es, angefacht von militanten Traditionalisten, die das alte Leben mit Büffeljagd und Häuptlingsführung wieder einführen wollen. Daraus ist eine Art Bürgerkrieg geworden. Und den kann auch die Staatsgewalt nicht länger ignorieren.

Die Grundidee soll auf Entwicklungen zurückgehen, die sich in verschiedenen US-Reservaten während der siebziger Jahre zutrugen. Der darum gesponnene Plot des von Robert De Niro („Taxi Driver“) produzierten Thrillers hingegen ist frei erfunden. Val Kilmer („True Romance“) spielt den jungen FBI-Agenten Raymond Levoi, der ob seiner indianischen Wurzeln mit dem Fall betraut wird. Seine Präsenz steht für gute Presse, weshalb er dem erfahrenen Kollegen Frank Coutelle (Sam Shepard, „Homo Faber“) zur Seite gestellt wird. Der ist an einem raschen Fahndungserfolg interessiert, die Hintergründe des Mordes sind für ihn nur nebensächlich.

Natürlich macht der idealistische Levoi im Verlauf der Geschichte eine Entwicklung durch, die ihm gegenüber den Wurzeln seiner Herkunft die Augen öffnet. In einer Vision darf er später gar mit den Ahnen am Wounded Knee um sein Leben rennen. Michael Apteds („Gorillas im Nebel“) Film buhlt nicht um Mitleid für die Situation der amerikanischen Ureinwohner, die Coutelle mit der dritten Welt, nur eben mitten in Amerika vergleicht, er setzt mehr ein Zeichen, dass Unterdrückung und die fehlende Bereitschaft zur Aufarbeitung der blutigen Vergangenheit über die Jahre kaum nachgelassen haben.

Dafür steht die Figur des Jack Milton (Fred Ward, „Miami Blues“), Stammesbeamter und Rassist aus Überzeugung. Er und seine Armee bewaffneter Rednecks halten die Hackordnung zwischen den Völkern aufrecht – und wahren anbei wirtschaftliche Interessen, die das Indianerland einmal mehr für die Weißen bedeutsam macht. Eine Prise galligen Humor bringt Graham Greene („Der mit dem Wolf tanzt“) als Reservatspolizist Walter Crow Horse ein. Er ist Mittler zwischen Levois Welten, die der Weißen und die der Indianer. Von Roger Deakins („Barton Fink“) obendrein glänzend fotografiert, bleibt somit ein intelligenter, clever konstruierter und packend erzählter Breitwand-Krimi.

Wertung: (7,5 / 10)

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