Hängt ihn höher (USA 1968)

haengt-ihn-hoeherErste Sporen verdiente sich Clint Eastwood (buchstäblich) beim Western. Der TV-Reihe „Rawhide“ folgte mit Leones „Für eine Handvoll Dollar“ der Durchbruch. Zumindest in Europa. In Hollywood zögerte man noch etwas, spielte dem charismatischen Mimen aber auch dort rasch größere Rollen zu. Seinen ersten Hauptpart in der Heimat gab der spätere Weltstar natürlich auch in einem Western, Ted Posts („Dirty Harry II“) in Sachen Härte und Schnörkellosigkeit dicht an die italienischen Variationen angelehnten Rachestreifen „Hängt ihn höher“.

Als Viehtreiber Cooper wird er darin gleich zum Auftakt von einem Lynchmob – u.a. Bruce Dern („The Driver“) und L.Q. Jones („Leise weht der Wind des Todes“) – aufgeknüpft. Bezichtigt wird er des Viehdiebstahls, schlimmer noch des mehrfachen Mordes. Zu seinem Glück jedoch entdeckt ihn Marshall Bliss (Ben Johnson, „The Wild Bunch“) und bewahrt ihn damit vor dem sicheren Tode. Als ihn der gnadenlose Richter Fenton (Pat Hingle, „Dirty Harry kommt zurück“) nach Freispruch und Genesung zum Gesetzeshüter ernennt, bläst Cooper zur staatlich legitimierten Menschenjagd.

Das Thema Selbstjustiz trieb das US-Kino auch vor der in den Siebzigern losbrechenden Exploitation-Welle um. Hier wird es durchaus kritisch reflektiert, hält Cooper aber nicht vor der konsequenten Verfolgung seiner Peiniger ab. Die stärkste Sequenz, zugleich die zynischste, gehört jedoch nicht ihm: Fenton lässt die Hinrichtung von sechs Männern im Stile eines Volksfestes begehen und die Todgeweihten vor einer jubelnden Menschenmenge aufknüpfen. Eindrucksvoll heraus tritt damit die Doppelmoral eines Rechtssystems, das sich allein auf Abschreckung nach dem biblischen „Auge um Auge“-Prinzip beruft.

Fenton jedoch spricht in einem unüberschaubaren Territorium Recht, das irgendwann, so hofft er inständig, zum Staat erklärt wird. Bis es aber soweit ist und ein Gouverneur die Regeln bestimmt, werden die Urteile in seinem Gerichtsaal ohne jede Gnade gefällt. Die moralischen Zwiespalte Coopers bescheren der Geschichte eine gewisse Tiefe, die durch die Unbeständigkeit seiner Position und die mitunter ausschweifende Vendetta aber an Kraft verliert. Raum für eine zaghafte Liebesgeschichte – zu einem traumatisierten Vergewaltigungsopfer – wird ihm auch noch gewährt. Das dramaturgische Potential des spannenden, stark besetzten Films wird aber nicht vollends abgerufen.

Wertung: (7 / 10)

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