Graves End (USA 2004)

graves-endEin Diskussionsthema von bedauerlicherweise ständiger Aktualität: Wie verfährt man mit Mördern, Vergewaltigern und Kinderschändern nach deren Freilassung? Mit „Graves End“ schaltet sich Regisseur und Co-Autor James Marlowe in die Debatte ein. Sein Vorschlag dürfte nicht wenigen aus der Seele sprechen. Denn die Titel gebende Kleinstadt bietet den gesellschaftlich verstoßenen Kriminellen einen Hort der Geborgenheit. Zumindest scheinbar. Nach kurzer Zeit sind die Neuankömmlinge verschwunden – ohne jede Spur.

Die Geschichte klingt reizvoll. Zumindest auf dem Papier. Doch was hätte zur raffiniert schwarzhumorigen Sozialkritik werden können entpuppt sich als lausig zusammen gezimmerter B-Thriller. Die billige Machart ist nicht das große Manko. Von Filmen mit Eric Roberts („Hitman’s Run“) in tragenden Rollen darf ohnehin nicht viel erwartet werden. Das große Problem ist die Unentschlossenheit eines Drehbuchs, das den eingangs gewählten Weg zugunsten konstruiert überfrachteter Wendungen verlässt.

Gleich zu Beginn bringt ein aufgebrachter Lynchmob – nur echt mit Gartengerät und Fackeln – unter Führung des Stadtpatriarchen Tarkington Alexander Graves (Roberts) einen flüchtenden Mann zur Strecke. Glatze, Tätowierungen und Tonfall verraten den Hintergrund. Der Schuft ist ein ehemaliger Strafgefangener. Nachdem ihm die Eingeweide aus dem zuckenden Leib gerissen wurden, vergeht ein Jahr. Dann finden Wanderer die Leiche. Das wiederum bringt FBI-Agent Rickman (Steven Williams, „Jason Goes to Hell“) auf den Plan, der Graves für seine nicht beweisbaren Vergehen zur Strecke bringen will.

Weil aber jede Partei falsch spielt und der anderen die eigene Unwissenheit vorgaukelt, verstrickt sich „Graves End“ in wenig durchdachten Kehrtwendungen. In der Vergangenheit wurde Graves Sohn entführt und bestialisch ermordet, was Valerie Mikita („Dead to Rights“) in der Rolle der Mutter zu belächelnswert miserablem Schauspiel animiert. Ermittlungsleiter in diesem Fall war Rickman. Der ist als Alibicharakter aber nur einer von vielen. Der Gipfel derer ist Sheriff Hooper (Daniel Roebuck, „The Devil’s Rejects“), ebenfalls ein früherer Krimineller, der in einem quälenden Monolog die Geister seiner Erinnerungen beschwören darf, um gegen Ende seiner Berufung entsprechend den Tag für die Vigilanten zu retten.

Nein, zu holen ist in diesem leidlich gelungenen Streifen wenig. Immerhin bleibt das wortreiche, von vereinzelt unnötig brutalen Gewalteinlagen durchbrochene Handlungsgestrüpp kaum vorhersehbar. Wie könnte es auch, wenn sich dramaturgische Finten im weiteren Verlauf bis zur Absurdität überschlagen? Das ist mitunter noch unfreiwillig komisch. Gerade aufgrund mieser Chargisten und dem wiederholten Treiben des Fehlerteufels. Zum lachen ist das aber nicht. Vielmehr sollte es traurig stimmen, dass für solchen Schund weiterhin Produktionsgelder und kreative Energien verschwendet werden.

Wertung: (3 / 10)

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