Gothika (USA 2003)

gothikaDurch bemerkenswerte Werke wie „Hass” oder „Mörder” sowie zahlreiche Auftritte in Filmen diverser Kollegen („Die fabelhafte Welt der Amelie”, „Der Stellvertreter”) vermochte der französische Regisseur Mathieu Kassovitz auch weit über die Grenzen Europas hinaus aufmerksame Blicke auf sich zu ziehen. So schien es nur eine Frage der Zeit, bis findige Hollywood-Pproduzenten an die Pforte des Multitalents klopfen und selbiges der Direktion eines ihm angemessenen Projektes zuweisen würden. Doch zeigt die Realität am Fallbeispiel von „Gothika” – Mathieu Kassovitz erster Regiearbeit in Amerika – einmal mehr, dass der süße Duft des Geldes nur allzu häufig künstlerische Ansprüche zermalmen kann.

Denn der Franzose ließ es sich nach dem Start seines schalen US-Debüts in Interviews nicht nehmen, den eigenen Film ins bodenlose zu verreißen und auf die sich ihm nun feilbietenden Chancen zu verweisen, die ihn für gutes Geld auch weiterhin anspruchsloses Kommerzkino in Hollywood zelebrieren lassen könnten. Den Grundstein für eine solch „glorreiche” Zukunft hat Kassovitz mit „Gothika” zweifelsfrei gelegt, überragt das formale Niveau seines schwachbrüstigen Horror-Thrillers doch kaum den Standard eines wöchentlichen Fernsehspiels.

Die angesehene Kriminalpsychologin Miranda Grey (Halle Berry, „Monster’s Ball”), glücklich verheiratet mit ihrem Vorgesetzten Douglas (Charles S. Dutton, „Cookie’s Fortune”), arbeitet in einer abseitigen Heilanstalt. Eines Abends gerät ihr auf dem Weg nach Hause eine nackte Frauengestalt vor den Kühler, Als sie dem offenbar verstörten Mädchen zu Hilfe eilt, geht deren Antlitz plötzlich in lodernde Flammen auf. Drei Tage später erwacht Miranda erinnerungslos in einer Zelle der eigenen Arbeitsstätte. Von ihrem Kollegen Pete (Robert Downey Jr, „Auf der Jagd”) erfährt sie vom gewaltsamen Ableben ihres Gatten, das offensichtlich Miranda selbst herbeigeführt haben soll. Als die Erinnerungen an das Geschehene fragmentarisch zurückkehren, bemerkt die gefallene Psychologin den Bann einer fremden Macht, eines rachedurstigen Geistes. So bleibt Miranda nur die Flucht, um endgültige Gewissheit über den nach Vergeltung gierenden Geist, düstere Kapitel im Leben ihres Mannes und das Schicksal der inhaftierten Mörderin Chloe (Penélope Cruz, „Blow”) zu erhalten.

Ohne Überraschungen oder jeglichen Anflug von Spannung stolpert die magere Handlung durch vorhersehbare Wendungen und irrationale Verhaltensweisen der Figuren. Dazu werden überwiegend banale Dialoge aneinandergereiht, während sich die ohnehin wenig Interesse versprühende Geschichte in ein hochgradig ödes und viel zu früh greifbares Finale verabschiedet. In geradezu fahrlässiger Lethargie lässt „Gothika” sämtliche Qualitäten Mathieu Kassovitz’ schmerzlich vermissen und offeriert an deren Statt eine langatmige Schauermär ohne atmosphärische Konsistenz und mittelprächtigen Darstellerleistungen. Doch in Anbetracht des löchrigen Skripts Galavorstellungen zu erwarten, wäre wohl auch dezent unangebracht, versuchen die Macher doch vielmehr mit fadenscheinigen Schockmomenten an den rasch aufkeimenden Unmut des Betrachters zu appellieren.

Mit Bernard Hill („Der Herr der Ringe”) und Amy Sloan („Timeline”) selbst bis in kleinere Nebenrollen ansprechend besetzt, schöpft Kassovitz aus diesem gefestigten Fundament darstellerischen Vermögens schlicht keinerlei Nutzen für eine glaubwürdige Basis. In „Shining”-Manier werden Bemühungen aufgezeigt, aus den verschachtelten Gängen des gruftigen Anstaltsgebäudes Unbehagen zu fördern, doch ist Kassovitz weder Kubrick noch zeugt die plumpeste Abkupferung von individueller Kreativität. Somit ist „Gothika” ist nichts weiter als lieblos heruntergekurbelte und restlos enttäuschende Dutzendware, auf den Spuren von „What Lies Beneath” oder „Fear Dot Com” wandelnde Zeitverschwendung ohne jeden Anspruch. Aber wer weiß, vielleicht spült die erhoffte Auftragsfülle ja auch von Zeit von Zeit mal ein dankbareres Angebot in den Briefkasten von Mathieu Kassovitz. Verdient hätte er es ohne Frage.

Wertung: (3 / 10)

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