Good Bye, Lenin! (D 2003)

good-bye-leninBerlin im letzten Sommer vor der geschichtsträchtigen Wende: Alex Kerner (Daniel Brühl) lebt mit seiner Mutter Christiane (Katrin Saß) und seiner Schwester Ariane (Maria Simon) in einer typischen ostdeutschen Wohnsiedlung mitten in Ost-Berlin. Am 40. Jahrestag der DDR erleidet Mutter Katrin überraschend und auf offener Straße einen Herzinfarkt. Zwar überlebt sie diesen, liegt die kommenden Monate jedoch im Koma. Durch diese unfreiwillige Abwesenheit „verschläft“ sie den Fall der Mauer, ein kippendes Europa und den Einmarsch des Kapitalismus in die Städte des ehemaligen Sozialismus. Plötzlich sprießen US-amerikanische Burger-Ketten aus dem Boden und auch sonst verändert sich alles, was die Bewohner der ehemaligen DDR über viele Jahre gewohnt waren.

Nach acht Monaten wacht Christiane  aus ihrem Koma auf. Körperlich noch sehr geschwächt, raten die Ärzte, ihr möglichst wenig Stress und Aufregung zuzumuten. Um dies zu gewährleisten, versucht Alex das von Mutter aus voller Überzeugung verehrte, nur eben mittlerweile abgesetzte System in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Angefangen bei der inzwischen ausrangierten Wohnungseinrichtung bis hin zur Nachbarschaft, alles wird wieder auf den gewohnten Ursprung zurückgestellt. Auf Dauer lassen sich viele Indizien für das Ende der DDR jedoch nicht ausblenden, da helfen auch selbst inszenierte Nachrichtensendungen nicht dauerhaft.

Wolfgang Becker („Das Leben ist eine Baustelle“) lässt in „Good Bye, Lenin!“ als Co-Drehbuchautor und Regisseur die DDR wieder aufleben, wenn auch nur auf den etwa 60 qm2 der Kern‘schen Wohnung. Damit lockte der Film die Deutschen so zahlreich wie lange nicht ins Kino. Nicht ganz unverdient, denn Becker schafft es überzeugend, Tragik und Komik mit einem gehörigen Schuss Nostalgie zu würzen und verzichtet gottlob auf platte Zoten und Holzhammer-Humor. So kommen diverse schon fast vergessene oder für uns Wessis noch nie gesehene DDR-Errungenschaften zum Vorschein, die ein augenzwinkerndes Bild der damaligen Situation abgeben.

Allerdings macht sich Becker nicht über Figuren oder Personen lustig. Zwar schlägt er kritische Untertöne an, doch auch der fortschreitende und die neuen Bundesländer überschwemmende Kapitalismus bekommt stellenweise sein Fett weg. Abgerundet wird dieser Rahmen durch eine vollends überzeugende Darstellerriege, bei der vor allem Daniel Brühl („Nichts bereuen“) seine hochgelobte Stellung in der deutschen Filmlandschaft rechtfertigt und bestätigt. Brühl schafft es, Dialoge durch eine fantastische Mimik streckenweise überflüssig zu machen, Atmosphäre aufzubauen und sein „Kampf“ gegen den Kapitalismus erscheint nicht selten wie der von Don Quichote gegen die Windmühlen.

Es sind die Kleinigkeiten, die diesen Film von vielen anderen abhebt, sei es die Detailverliebtheit bei der strapazierenden Suche nach Spreewaldgurken und ähnlichen ostdeutschen Nahrungsmitteln oder das getürkte Fernsehprogramm, bei dem Florian Lukas („Absolute Giganten“) den Nachrichtensprecher gibt.  Neben dem überragenden Brühl agiert mindestens gleichwertig Chulpa Khamatova („Luna Papa“) als dessen Freundin und Mutters Krankenschwester. Ebenfalls positiv tritt Katrin Saß („Polizeiruf 110“) in Erscheinung. Auch ihre tragische wie überzeugende Darstellung der kranken und verlassenen Mutter, der man ihre Geschichte und inneren Kämpfe zu jeder Sekunde abnimmt, reiht sich nahtlos in die gut aufgelegte Darstellerriege ein.

Einziger Kritikpunkt ist die Laufzeit, die mit über zwei Stunden ein wenig üppig ausgefallen ist und zwischenzeitlich den einen oder anderen Hänger mit sich bringt. Dafür jedoch bietet der Schluss eine erfreuliche Dosis Tragik und spart das klassische Happy-End somit aus. Ein Film, den man sich auf jeden Fall im Kino anschauen kann und der sein Eintrittsgeld locker rechtfertigt.

Wertung: (7,5 / 10)

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