Golgo 13 (J 1977)

golgo-13-chibaEiner der altgedientesten Auftragskiller der (fiktionalen) Welt ist Golgo 13. Seit 1969 treibt er in den Mangas Takao Saitōs sein Unwesen und brachte es über die Jahre auch auf diverse Anime-Adaptionen. Zu Realfilm-Ehren kam der professionelle Mörder, gespielt von Ken Takakura bereits 1973. Vier Jahre später wurde er erneut fürs Kino inszeniert und diesmal von Japans Actionstar Sonny Chiba („The Street Fighter“) verkörpert. Der absolviert einen betont coolen Auftritt, bleibt als stoischer Anti-Held aber nur eine oberflächliche Maske ohne echtes Profil. Das mag der Vorlage gerecht werden – nur sind bleibende Eindrücke durch die leidlich aufregende Geschichte enttäuschend rar gesät.

Wenig ist bekannt über Golgo 13. Außer, dass er sieben Sprachen beherrscht und niemals sein Ziel verfehlt. Ins Schwarze (oder wahlweise ein menschliches Auge) trifft er selbst auf einen halben Kilometer Entfernung, wenn er auf einem im Wellengang wiegenden Boot steht. Von einem US-Syndikat bekommt er den Auftrag, den abtrünnigen Hong Kong-Crime Boss Chou (Nick Lam Wai Kei) zu ermorden, der die Verbrecherorganisation um eine beträchtliche Menge Drogen gebracht hat. Nach außen geriert er sich als seriöser Unternehmer und Wohltäter. Diese Fassade durchschaut hat auch Polizist Sminny (Lun Chia), der die Unterwelt aufmischt, um belastende Beweise gegen den aalglatten Geschäftsmann zu finden.

Drei Killern hat sich Chou bereits erfolgreich erwehrt. Doch dann kommt Golgo 13, berüchtigt für die verbissene und gnadenlose Erfüllung seiner Aufträge, nach Hong Kong. Vor Ort allerdings kommt ihm eine Unbekannte zuvor und tötet Chou in der Öffentlichkeit. Der Killer, dem das Verbrechen zugeschrieben wird, riecht Verrat und macht sich, dicht verfolgt von Sminny, gleich daran die Hintermänner aufzuspüren. Dabei stößt er auf den dubiosen Polansky (Jerry Ito, „Sternenkrieg im Weltall“), Konsul des fiktiven Staates Poranien. Der nutzt die diplomatische Immunität, um ein interkontinentales Drogennetzwerk zu errichten. Mit dem Präzisionsgewehr macht sich der Super-Sniper daran, dem Schurken das Handwerk zu legen und seinen Auftrag zu erfüllen.

Der von Yukio Noda („In der Höhle des schwarzen Panthers“) mit reichlich 70’s-Charme belegte Thriller verlegt sich auf muntere Schauplatzwechsel und manch harte Actioneinlage. Auch der wortkarge Berufs-Brutalo Chiba hat seine Momente, wirkt abgesehen von der grimmigen Steinmimik aber arg unterbeschäftigt. Insbesondere das fade Katz- und Mausspiel zwischen Golgo 13 und Sminny lässt Timing sowie Spannung vermissen. Es fehlt schlicht an Klasse, um die soliden Gewaltsprengsel – so verteilt die Titelfigur nach steifem Matratzengerangel mit Chous Witwe emsig Kopfschüsse – mit ihren sichtbar des Gegners Körper verfehlenden Fäusten mitreißend zu gestalten. Die stumpfe Geschichte, die letztlich doch nur um einen weiteren perfekten Schuss kreist, ist den flüchtigen Schauwerten kein adäquater Rahmen. Eine insgesamt mäßige Manga-Verfilmung.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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