Godzilla (USA 1998)

godzilla-emmerich„This thing is much too big to be some lost dinosaur.“ – Dem Monster auf der Spur: Dr. Nick Tatopoulos

Als die französische Regierung 1995 wieder Atombombentests im südpazifischen Inselatoll Mororoa (auch Muroroa) durchführte, war die Empörung groß und politische Spannungen ließen nicht lange auf sich warten. Blockbuster-Regisseur Roland Emmerich („Stargate“) reichte seinen Beitrag zur Diskussion in Form von „Godzilla“ drei Jahre später ein und ließ Japans Kult-Monster erstmals in einer rein amerikanischen Produktion über die Leinwände poltern. Anders als der Nippon-Vorreiter ist die Riesenechse dabei kein Saurier, sondern eine durch radioaktive Strahlung entstandene Mutation. Und die mahnt die Folgen der frevelhaften Umweltsünden mit einer Zerstörungstour durch New York an.

Der Rückgriff auf die erzählerischen Stilismen der B-Movies der Neunzehnfünfziger mit ihren „Atomic Monstern“ ist grundlegend sympathisch. Doch Emmerich, der mit dem bewährten Partner Dean Devlin („Independence Day“) auch das Drehbuch verfasste, findet kaum eine eigene Linie. Die altbekannten Grundpfeiler der Story veranschlagen mit fast 140 Minuten deutlich mehr Zeit als erforderlich und stellen den imposanten Effekten banale Dialoge, überzogene Figuren und leidlich überzeugende Darsteller gegenüber. Als geradewegs fatal entpuppt sich dabei die Besetzung von Maria Pitillo, die für ihre fast legendär nervtötende Darbietung völlig verdient die Goldene Himbeere verliehen bekam.

Als Möchtegernreporterin Audrey beschränkt sich ihr Repertoire auf kullernde Rehaugen und aufgesetzte Betroffenheit. Doch so sehr man sich auch wünscht, Godzilla hätte ein Einsehen und würde sie mit einem Happs verputzen, so sehr braucht Emmerich sie als Verflossene von Matthew Brodericks („Cable Guy“) bübchenhaftem Wissenschaftler Nick Tatopoulos. Der untersucht in Tschernobyl den Einfluss von Radioaktivität auf Regenwürmer und wird vom US-Militär nach Panama gebracht, wo nach der rätselhaften Zerstörung eines japanischen Transportschiffes ein riesenhafter Fußabdruck gefunden wurde. Bei dem bleibt es selbstredend nicht und bald muss sich New York auf einen ungebetenen Gast überdimensionierter Größe einstellen.

Seine stärkste Phase findet der Film mit der Ankunft Godzillas in Manhattan. Im aufziehenden Chaos, grassierender Panik und der Gesichtskirmes von Hank Azaria („America’s Sweethearts“), wenn sein Nachrichtenkameramann Victor Palotti um Haaresbreite vom Fuß der Riesenechse verfehlt wird, läuft Emmerich zu Höchstform auf. Nur lassen die vielen Plattheiten den Film unnötig albern wirken. So wie Jean Renos Klischee-Franzose und Geheimdienstler Philippe Roche, der größeren Schaden von der „Grande Nation“ abwenden will. Oder das ohne jeden Verstandsfunken um sich bombende Militär, die oft peinlichen Humorversuche und die in plumper „Jurassic Park“-Anleihe eingeführte Brut des Monstrums. Eine schlüssige Einheit entsteht daraus nicht. Mehr schon verzetteltes Konfektionskino ohne eigene Handschrift.

Wertung: (5 / 10)

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