Goal of the Dead – 11 Zombies müsst ihr sein (F 2014)

goal-of-the-deadDie Franzosen, das belegt die aktuell ausgetragene Europameisterschaft im eigenen Lande, können Fußball spielen. Geschick beweisen unsere Nachbarn auch bei der Inszenierung von Zombiefilmen. Einer der besten des neuen Jahrtausends ist „Die Horde“, mit dem (Co-)Regisseur Benjamin Rocher 2010 für blutige Furore sorgte. Der vier Jahre später vorgelegte Nachfolger rankt sich ebenfalls um die nimmersatten Widergänger, wobei es in „Goal of the Dead“ eher ein Wut-Virus á la „28 Days Later“ ist, das die Opfer zu willenlosen Gefahrenherden für Leib, Leben und öffentliche Ordnung macht. Aufhänger ist ein Fußball-Pokalspiel zwischen dem fiktiven Erstliga-Verein Olympique de Paris und Provinz-Mannschaft Caplongue. Und wie eingefleischte Freunde der Rundlederjagd wissen: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.

Auf dem Regiestuhl nahm neben Rocher „Atomik Circus“-Schöpfer Thierry Poiraud Platz. Dass die Ausrichtung des Plots damit deutlich ironischer ausfällt als beim bierernsten und krückenbrutalen „Die Horde“, sollte unmissverständlich klar sein. Die Stilformen der beiden Filmemacher greifen streckenweise gelungen ineinander. Das größte Problem ist jedoch – um im Fußballjargon zu bleiben – die mangelnde Chancenverwertung. Zu denken geben sollte bereits die Laufzeit von zwei Stunden. Schließlich ist der Ball rund und das Spiel dauert… Ihr wisst schon. Die Herleitung, respektive die Ankunft der Pariser Mannschaft im Hinterland, vollzieht sich denn auch dezent schleppend. Die Figuren sind nicht sonderlich sympathisch, der Witz mit den drei gleichnamigen Südkoreanern ist rasch erschöpft.

Ein wenig Ernsthaftigkeit lässt sich an Stürmer Sam Lorit (Alban Lenoir, „Antigang“) festmachen, der in Caplongue aufgewachsen ist und in der alten Heimat wenig gastlich empfangen wird. Neben ihm erhalten Jungstar Diago (Ahmed Sylla), der desillusionierte Trainer Coubert (Patrick Ligardes, „Frontier(s)“) und Fernsehjournalistin Solène (Charlie Bruneau) Gewicht. Auf Seiten der Provinzler stoßen Teenagerin Cléo (Tiphaine Davbiot, „Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm“), Sams ihm unbekannte Tochter, sowie ein Quartett tumber Ultras zum Kreis der unfreiwilligen Überlebenskämpfer hinzu. Auslöser für die sich ankündigende Katastrophe ist eine vertauschte Postlieferung, durch die ein Landarzt seinem Fußballersohn in Vorbereitung auf das Match keine Steroide, sondern besagtes Virus verabreicht. Nach der zügigen Verwandlung rennt er schreiend durch die Wälder, speit weißen Geifer und trifft pünktlich im vollbesetzten Stadion ein, um die Fanscharen kurzerhand in seinesgleichen zu verwandeln.

Es wäre unfair, „Goal of the Dead“ als misslungen zu erachten. Denn Rocher und Poiraud liefern eine kompetent gemachte und ansehnlich besetzte Horror-Humoreske, die zwischen überdrehter Kurzweil und hinderlicher Zähigkeit allerdings nie die Balance findet. Die Einteilung des Plots in erste und zweite Hälfte – Rocher inszenierte die erste, Poiraud die zweite – mag im Sinne des Kontexts logisch erscheinen, macht aber unmissverständlich klar, dass der Zuschauer eine geschlagene Stunde warten muss, ehe das Gerangel auf dem Rasen kerniger Morbidität weicht. Dabei darf zwar hier und dort mal Blut spritzen oder ein Kopf verloren gehen, in der Hauptsache fallen die handgemachten Effekte aber moderat rabiat aus. Unterhaltsam ist das zweifelsfrei, wie viele Fußballspiele (auch bei der aktuellen EM) aber schlicht von zu viel Mittelfeldgeplänkel geprägt.

Wertung: (5,5 / 10)

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