Gnarwolves – Outsiders (2017, Big Scary Monsters)

Binnen weniger Jahre haben sich die GNARWOLVES vom Geheimtipp zur festen Punk-Instanz gemausert. Die Anhängerschaft wuchs beständig, die Größe der Bühnen veränderte sich nur unwesentlich. In Eile verfiel das Trio aus dem englischen Brighton darüber jedoch nicht. Zwischen dem selbstbetitelten Albumerstling und dem „Outsiders“ überschriebenen Zweitwerk ließen sie drei Jahre verstreichen. Die Wartezeit auf neues Material wurde durch die 2015 präsentierte „Adolescence“-EP verkürzt. Allerdings ist auch die kein Indikator für das, was die Briten in der Folge musikalisch umtrieb.

Natürlich hat sich die Basis ihres Sounds nicht nennenswert verändert. Noch immer stehen die GNARWOLVES für rauen Punk mit Melodie und ausgeprägtem Hang, die schwermütigen Akzente des Seins in packende Texte zu kleiden. Eines der besten Beispiele auf „Outsiders“ ist „Wires“, das sich im Stile von „Bottle to Bottle“ zurückhaltend entfaltet und doch nicht auf Wucht und Passagen gesteigerter Hymnenhaftigkeit verzichtet. Dort heißt es etwa: „You don’t need to be a martyr to draw blood / Don’t need a heart to fall to fall in love / I ain’t chosen to be vacant, but it just fits me like a glove / So when you see me shouting blindly at the sun / I’m not really a lost cause, there’s just no cause to carry on”.

So ganz verlässt sich das sympathische Dreigestirn jedoch nicht auf den bewährten Sound – selbst wenn der hitverdächtige Opener „Straitjacket“ diesen Schluss unweigerlich zulässt. Denn Beiträge wie das poppig angehauchte „Car Crash Cinema“, das rockige „Argument“ oder das seicht an WEEZER erinnernde „Talking to Your Ghost“ zeigen die GNARWOLVES von einer anderen Seite. Die auf dem Vorgänger noch deutlich hervorgehobene Verwurzelung im Hardcore wurde merklich reduziert, bleibt streckenweise, etwa beim lässigen „English Kids“ nur mehr eine vage Ahnung. Auch die Vocals lassen das schroffe Moment, dies herrlich barsche Plärren, weitgehend vermissen.

Eingefleischte Fans des Vorgängers – und insbesondere der alten EPs – dürften ein paar Durchläufe mehr brauchen, um „Outsiders“ in ihr Herz zu schließen. Denn eine Spur ruhiger und nachdenklicher ist die Platte zweifelsfrei geraten. Mehr als der Rest der 10 Tracks steht dafür der abschließende Siebenminüter (!) „Shut Up“. Doch selbst wenn sie schon prägnantere Hits geschrieben haben, bieten die GNARWOLVES doch zahlreiche intensive Momente und wissen auch mit „Paint Me a Martyr“, „The Comedown Song“ oder „Channeling Brian Molko“ zu begeistern. Ecken und Kanten gibt es immer noch genug. Nur braucht es bisweilen ein wenig länger, um sie unter den seichteren Melodien zu erkennen.

Wertung: (7,5 / 10)

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