Gib mich die Kirsche! – Die 1. deutsche Fußballrolle (D 2006)

gib-mich-die-kirscheEs war das Jahr des Fußballs! Durch den Sommer der Liebe wurde auch der letzte Verächter dieses wunderbaren Spiels eines besseren belehrt und erkannte die Schönheit des Balletts auf grünem Rasen. Dass die zugehörige Dokumentation „Deutschland, ein Sommermärchen“ sich auch Wochen nach dem Start noch auf den vorderen Plätzen der Kinocharts hält, ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Welle der Euphorie noch nicht vorübergezogen ist.

In die gleiche Kerbe schlägt auch „Gib mich die Kirsche“. Dieser Zusammenschnitt aus Archivmaterial dokumentiert die ebenfalls fußballverrückte Zeit von der Gründung der Bundesliga 1963 bis zur ersten WM im eigenen Land 1974. Der Fokus liegt hier eindeutig auf dem Skurrilitätenkabinett dieser Jahre: Paule Breitner mit Afro und Pelzmantel ist nach wie vor einen Blick wert und vor allem durch im nachhinein herrlich anzuhörende Zitate hat „Gib mich die Kirsche“ durchaus seinen Charme. Wer könnte sich auch das Lachen verkneifen, wenn der Junge Franz Beckenbauer noch vor seiner Zeit als „Kaiser” mit festem Blick in die Kamera spricht, dass er nach seiner Spielerzeit mit Fußball nichts mehr zu tun haben will?

Auch Werbespotts, die Sepp Maier beim Würstchenessen zeigen oder pazifistische Äußerungen eines Pott-Spielers („Er sacht zu mir ‚Pack mich nicht an’, ich sach ihm ‚Ich pack dich doch gar nicht an!’ und dann hab ich ihm eine gezimmert.“) unterstreichen diesen Eindruck. Dazu wird das ganze noch aufgelockert durch teils wunderbare Spielszenen aus der Liga und den Weltmeisterschaften 66, 70 und 74. Trotzdem fehlt „Gib mich die Kirsche“ etwas – der rote Faden. Allein der Chronologie der Ereignisse folgend werden bestimmte Themen angesprochen, doch ohne verbindenden Kommentar. Der fehlt stellenweise wirklich, denn nur Zwischentitel und O-Ton machen es manchmal etwas schwierig, der Darstellung zu folgen. Die Doku ist ein charmantes Zeugnis einer vergangenen Fußballzeit, allerdings doch eher für Zuschauer geeignet, die nicht erst seit dem 9. Juni ob die Schönheit einer Flanke wissen.

Wertung: (6 / 10)

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