Ghettogangz – Die Hölle vor Paris (F 2004)

ghettogangzLuc Besson hat gefallen am Prügelfilm gefunden. Erst schrieb und produzierte der stagnierende Kultregisseur („Leon – Der Profi“) die munter passablen Jet Li-Vehikel „Kiss of the Dragon“ und „Unleashed“, dann holte er die furiose Thailand-Kelle „Ong-Bak“ nach Europa. Im Genre der fliegenden Fäuste hat der französische Filmemacher Blut geleckt, überlässt die Verwirklichung seiner anspruchslosen Visionen allerdings aufstrebenden Jungregisseuren. Eben solchen wie Pierre Morel, der mit seinem Debüt „Ghettogangz“ ein weiteres Martial-Arts-Spektakel aus der Feder Bessons realisiert. Dabei zeigt sich, dass „Ong-Bak“ bleibenden Eindruck hinterlassen hat, versucht die halsbrecherische Akrobatik doch im Ansatz an die kinetische Unglaublichkeit eines Tony Jaa anzuknüpfen.

Aber so üppig die Action, so schwachbrüstig die Geschichte. Am Fuße derer wurden die sozialen Brennpunkte der Pariser Vorstädte durch einen steinernen Wall vom intakten Rest des Seine-Metropole isoliert. Das Chaos dieser nahen Utopie überlässt die Befehlsgewalt in den Händen bewaffneter Gangs. Als der gefährliche Bandenboss Taha (Co-Autor Bibi Naceri, „Das tödliche Wespennest“) in den Besitz einer Nuklearwaffe gerät, wird der kampferprobte Polizist Damian (Cyril Rafaelli, „Kiss of the Dragon“) mit deren Entschärfung betraut. Der Häftling Leito (David Belle, „Femme Fatale“) soll ihm Beistand leisten, hält Taha doch dessen Schwester in seiner Gewalt. Während die Bombe tickt, wagt das ungleiche Gespann den Eintritt in die urbane Hölle.

Was inhaltlich Parallelen zu John Carpenters klassischem Actionfilm „Die Klapperschlange“ nährt, erweist sich schnell als zusammenhangloses Haudrauf-Potpourrie mit einer Prise Humor. In großen Schritten eilt der Plot voran, vernachlässigt zugunsten einer zeitgemäß stilisierten Optik aber Stringenz und Logik. Zu pumpendem HipHop-Sound mehren sich Verfolgungsjagden zu Fuß oder mit dem Auto, geht es über Dächer und Straßenschluchten. Sehenswert ist die Dynamik der Bewegungsmuster insbesondere bei Parkour-Begründer David Belle. Trotzdem wirken die Martial-Arts-Einlagen halbherzig, verblassen die wenigen wirklichen Handgreiflichkeiten doch hinter der aufgesetzten Coolness der Handlungsträger.

Die Haltlosigkeit des Szenarios stottert über absurde Wendungen einem enttäuschend unspektakulären Finale entgegen. Der Weg dorthin zeigt sich bemüht, erstickt sozialkritische Ansätze aber im Rausch der Geschwindigkeit. Regisseur Pierre Morel, der sich bei „The Transporter“ und „Unleashed“ als Kameramann verdingte, zeigt nur Bilder, eine Geschichte erzählt er nicht. Im Actionfach ist das nur selten ein Muss, jedoch überzeugt der kurzweilige Streifen auch in dieser Hinsicht nur bedingt. Die Ansätze versprechen viel und halten wenig. Selbst der kurz vor Ende eingestreute Kampf des Duos Rafaelli/Belle gegen einen kraftstrotzenden Hünen – essenzieller Bestandteil zahlloser asiatischer Vorbilder – wirkt in seinem Ablauf unbeholfen. In Anbetracht der verschwindend geringen Laufzeit stellt „Ghettogangz“ durchaus zufrieden, ein Highlight des Genres ist er deswegen aber längst nicht.

Wertung: (5 / 10)

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