Genug – Enough (USA 2002)

genug-enoughUnter der Regie von Joseph Ruben erwehrte sich Julia Roberts1991 als gepeinigte Ehefrau den Drangsalierungen ihres Mannes Patrick Bergin. Nun, mehr als eine Dekade später, wagt sich „Die Welt ist nicht genug”-Regisseur Michael Apted ebenfalls an einen Thriller, dessen Thematik Misshandlung und Psychoterror im Rahmen des ehelichen Zusammenlebens aufgreift. Ein an sich heikler Stoff für einen Unterhaltungsfilm, bei dem ein differenziertes Anschauungsbild sicherlich angebracht gewesen wäre. Doch beruhigenderweise entspringt auch dieses Machwerk den Geldbörsen großer Hollywoodproduzenten, so dass Glaubwürdigkeit, Logik sowie eine realistische Betrachtungsweise des Themas bei der Umsetzung des selbigen wieder einmal absolut keine Rolle zu spielen hatten.

Sicher muss im Fahrwasser kommerziellen Druckes manch integre Note aus Unterhaltungszwecken non-pragmatischen Elementen weichen, doch selten wirkte eine Geschichte überzogener, aufgesetzter und lächerlicher als hier. Allein in der ersten Viertelstunde des Films vergehen Jahre: Die Kellnerin Slim (Jennifer Lopez) lernt den charmanten Bauingeneur Mitch (Bill Campbell) kennen, ihren Märchenprinzen. Die beiden heiraten, kaufen ein Haus und werden mit einer Tochter gesegnet. Doch plötzlich muss Slim erkennen, dass der scheinbare Göttergatte sie betrügt, woraufhin sie ihn zur Rede stellt und ordentlich Prügel bezieht. Selten wurde das einleitende Moment eines Filmes schneller abgefertigt als hier. Anstatt sich die Geschichte entwickeln zu lassen, werden in simpler Schwarz-Weiß-Malerei bereits zu Beginn die Fronten eindeutig geklärt. Wer braucht schon charakterliche Tiefe?

In der Folgezeit ist Slim darum bemüht, den Rahmen ihrer Handlungsmöglichkeiten gegen den schier allmächtigen Ehemann auszuloten. Nur scheint der nicht nur über jeden Schritt der Angetrauten informiert zu sein, sondern hat aufgrund seines gesellschaftlichen Einflusses auch das Gesetz auf seiner Seite. Doch mit Hilfe ihrer Freundin Ginny (Juliette Lewis) und ihres Ex-Lovers Joe (Dan Futterman) taucht die unterdrückte Frau samt Kind unter, die ausgesandten Häscher des Gatten stets im Nacken. Als Slim jedoch aufgeht, dass diese Art des Versteckspiels keine adäquate Lösung des Problems für sie bereithält, erlernt sie die Kunst des Kampfes und der Selbstverteidigung, um diese Angelegenheit von Angesicht zu Angesicht mit Mitch ein für allemal zu bereinigen. Was soll man dazu noch sagen? Auf dem formalen wie inhaltlichen Niveau eines Fernsehfilmes spult Michael Apted seine Mär vom untergebutterten Weibe, welches auszieht, um Recht und Ordnung selbst in die Hand zu nehmen, vollkommen lieblos und ohne einen Anflug von Spannung herunter.

Die formelhaften und konturlosen Figuren begehen dabei in steter Folge absolut irrationale Handlungen und werden in eine Geschichte verstrickt, die mehr Löcher aufweist als ein schweizer Käse. Angesichts dieser Menge an kapitalen logischen wie inhaltlichen Böcken kapituliert der Verstand des Betrachters schon frühzeitig und fordert seinerseits „Genug”! Doch bevor die erlösenden Endtitel am Zuschauer vorüberziehen, muss dieser noch das gänzlich entglittene Schlussdrittel über sich ergehen lassen, in dem der ohnehin strunzdumme Film in eine hohle Selbstjustizposse abdriftet, in der das verängstigte Opfer der Ehehölle zur resoluten Powerfrau avanciert und den Spieß umdreht. Diesem Wandel haftet nicht nur ein Hauch von „Karate Tiger”-Flair an, sondern markiert auch den absoluten Tiefpunkt des sinn- und handlungsarmen Streifens, nicht zuletzt in moralischer Hinsicht.

Die namhaften Darsteller bleiben dabei ebenso blass und zweidimensional wie der Film selbst, Latino-Queen Jennifer Lopez („Out of Sight”) gelingt es ebensowenig Akzente zu setzen wie Filmpartner Bill Campbell („Rocketeer”). Auch die Nebenakteure Juliette Lewis („Kap der Angst”), Dan Futterman („Shooting Fish”) und Fred Ward („The Player”) versinken im Sumpf aus Stumpfsinn sang- und klanglos. „Genug” ist ein Film zum abgewöhnen, ideenlos, unglaubwürdig und dumm. Kein Plädoyer für die Erstarkung der Frau, sondern vielmehr abgedroschenes Hollywoodkino von der Stange, dessen kontroverses Finale einzig auf Effekthascherei abzielt.

Wertung: (3 / 10)

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