Garfield – Der Film (USA 2004)

garfield-der-filmEin Kater macht Theater.

Das Joch des Trendmonsters der Neuzeit ist es, früher oder später jede angestaubte Fernsehserie oder semipopuläre Comicreihe für die Kinoleinwand aufzubereiten. Dass diese Ausgeburt künstlerischer Unbedarftheit im Laufe der Zeit auch Jim Davis’ kultigen Grantel-Kater Garfield in die Klauen bekommen würde, scheint auf den ersten Blick nur von marginaler Tragik gesäumt. Immerhin hielt sich der Name Tom Hanks beständig für die Besetzung des felidae’schen Dosenöffners Jon Arbruckle. Doch vollziehen sich Rollen- und Konzeptionsänderungen filmischer Projekte beizeiten mit erschreckender Rasanz. So schlüpft im fertigen Produkt Anti-Mime Breckin Meyer („Road Trip”) in die Rolle von Garfields Besitzer, während Abo-Herzchen Jennifer Love Hewitt („The Tuxedo”) einmal mehr als adretter Lückenfüller fungieren muss.

Der fette wie faule Kater Garfield ist der ungekrönte Herrscher im Hausstand des gutmütigen Junggesellen Jon (Meyer). Ob Kühlschrank, Couch oder Fernbedienung – ohne die Zustimmung des orangefarbenen Vielfraßes läuft in der strukturierten Wohngemeinschaft von Mensch und Stubentiger gar nichts. Das ändert sich jedoch schlagartig, als Jon von der hübschen Veterinärin Liz (Hewitt), seiner heimlichen Liebe, den anhänglichen Schoßhund Odie vermittelt bekommt. Um seine feudale Position im Hause Arbruckle zu behaupten, setzt Garfield alles daran, den ungebetenen Gast schnellstmöglich loszuwerden. Als der angefeindete Mitbewohner tatsächlich verschwindet und von einem skrupellosen Fernsehmoderator (Stephen Tobolowsky, „National Security”) entführt wird, sieht Garfield die Zeit des Handelns gekommen. Den pelzigen Hintern aus dem Sessel wuchtend, begibt sich der exzentrische Vierbeiner auf die turbulente Suche nach dem unerwünschten Futterkonkurrenten.

Uncharmant und holprig inszeniert werden die beliebten Charaktere des Davis’schen Mikrokosmos durch eine gänzlich Misslungene Alibihandlung getrieben. Der bissige Sarkasmus der Vorlage wird an naivem Humor und der beliebigen Struktur des Films förmlich aufgerieben. Der gänzlich am Computer animierte Garfield überzeugt von technischer Seite zwar ebenso wie die dressierten Darsteller animalischer Zeugung, doch bildet die lose Aneinanderreihung bemüht spektakulärer Handlungssegmente keinerlei adäquaten Ersatz für den forcierenden Sprachwitz der Vorlage. Dabei entlockt dem Zuschauer nicht nur das banale Skript der „Toy Story”-Schreiber Joel Cohen und Alec Sokolow einzig müdes Schnurren, sondern auch die dröge Besetzung der tierischen Sprechrollen. Konnte im Original zumindest Bill Murray („Lost in Translation”) für die Synchronisation des titelgebenden Katers gewonnen werden, muss sich das deutsche Publikum im Gegenzug mit „Kuck mal wer da spricht”-Veteran Thomas Gottschalk für die Vertonung Garfields begnügen. Damit nicht genug, darf obendrein das trällernde Schmalzbrötchen Ben seinen verbalen Mulch zur drögen Viecherei beisteuern.

Regisseur Peter Hewitt („Ein Fall für die Borger”) hat mit seiner Realverfilmung der „Garfield”-Bildergeschichten mehr Katzenjammer denn solide Unterhaltung geschaffen. Miserabel besetzt und fatalerweise einzig konzipiert für Gemüter diesseits des Vorschulalters präsentiert die völlig unkomische Familienkomödie verschenktes Potenzial auf ganzer Linie. Reduziert auf einige wenige charakterliche Defizite bleiben dem fetten, faulen, philosophischen Kater Garfield in seinem ersten – und hoffentlich einzigen – Leinwandabenteuer lediglich die markanten physischen Wesenszüge vergönnt. Arm an Höhepunkten und krankend an akuter Ideenlosigkeit dümpelt „Garfield” über knapp 80 zähe Minuten dahin und verabschiedet sich mit saurer Moral über Zusammengehörigkeit und Familiensinn ins standesgemäße Happy End. Garfield ist und bleibt Kult, obgleich Peter Hewitts lahme Adaption von diesem Status so weit entfernt ist wie der Montag von der Gunst seines generierten Hauptdarstellers.

Wertung: (3 / 10)

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