Funny Games U.S. (USA/GB/A/D/F/I 2007)

funny-games-usGewalt ist fester Bestandteil der Medien. Das schon immer, aber die Grenzen zwischen Gut und Böse, Abscheu und offenkundiger Begeisterung scheinen mehr und mehr zu verschwimmen. Im Jahre 1997 griff der österreichische Filmemacher Michael Haneke die Faszination und Sogwirkung von Gewalt auf und integrierte den Betrachter auf geniale wie verstörende Weise in seinen Film. Zehn Jahre später drehte Haneke den gleichen Film noch einmal, diesmal in Hollywood. Auch wenn alles gleich geblieben ist, so ist die Wirkung doch eine andere. Denn gerade dem Original-Duo Giering/Frisch wird die Neuauflage nicht immer gerecht.

Geplant ist ein Kurzurlaub am See, die idyllische Ruhe will das Ehepaar Ann (Naomi Watts) und George (Tim Roth) mit ihrem Sohn George (Devon Gearhart) im eigenen Ferienhaus genießen. Man hat sich noch nicht ganz häuslich eingerichtet, da stehen die beiden jungen Männer Peter (Brady Corbet) und Paul (Michael Pitt) vor der Tür, bittend um ein paar Eier für die Nachbarn. Die Eier zerbrechen, der Hund bellt, die Freundlichkeit der Besucher weicht schnell einem bedrohlicheren, bestimmenderen Unterton. Bevor George die beiden jedoch aus dem Haus bitten kann, zertrümmern diese mit einem Golfschläger sein Knie. Was folgt ist Psychoterror pur. Im Grunde muss die hilflose Familie aber nur eine Wette zu gewinnen. Denn die Frage lautet, wer den nächsten Morgen erleben wird.

Es mag typisch erscheinen, dass ein erfolgreicher oder wegweisender Film aus Europa seine „Adelung“ durch Hollywood erfahren muss. Das ging mit Ole Bornedals „Nachtwache“ in die Hose, nicht viel erfolgreicher verlief auch Hanekes Neuauflage. Zehn Jahre „Funny Games“, die Änderungen, die der Regisseur für seine US-Umsetzung vornahm, sind lediglich rudimentär. Kameraeinstellungen und Dialoge sind bekannt und wurden unverändert übernommen, Überraschungen bietet der Film für Kenner demnach nicht. Selbst die Musik ist identisch, inklusive der krawalligen Untermalung zu Beginn und in der Mitte des Films, als einer der Peiniger den Sohn der Familie jagt. Der Vergleich beider Filme muss also im Detail stattfinden und dort hat das Original einfach seinen größeren Reiz, was aber weniger in der Inszenierung, sondern vielmehr an den Darstellern festzumachen ist.

Naomi Watts („King Kong“) und Tim Roth („Rob Roy“) können den verstorbenen Ulrich Mühe („Das Leben der Anderen“) und Susanne Lothar („Unter dem Eis“) als gepeinigtes Ehepaar adäquat ergänzen, beide können die Ausweglosigkeit ihrer Situation ähnlich intensiv vermitteln, wie es im Original geschah. Weniger intensiv dagegen ist im Vergleich die Darstellung der beiden Täter. Zwar geben sich Brady Corbet („Dreizehn“) und Michael Pitt („Mord nach Plan“) redlich Mühe und spielen ihre Parts auch überzeugend, aber dem Vergleich zu Arno Frisch und Frank Giering können sie nicht standhalten. Diese agierten noch teilnahmsloser, wirkten noch unterkühlter, spielten in ihren Gestiken noch mehr mit ihren hilflosen Opfern.

Rettung kann es nicht geben. Und wird es nicht. Daran ändert Haneke natürlich nichts. Der Zuschauer wird von den Tätern wieder unmittelbar angesprochen, diese nehmen über die Kamera Blickkontakt auf. Hilflos wird dieser zum Voyeur einer Sache, der er nicht entfliehen kann. Das merkt man vor allem abermals in der Szene, in der die Fernbedienung zur Geltung kommt und die Normalität komplett ad absurdum geführt wird. Die Seiten sind von Anfang an klar verteilt und deren Vermischung steht auch gar nicht zur Debatte. Die Frage nach dem Warum wird nicht beantwortet. Die Ursachen und die Intention des Filmemachers dürften sich in den letzten Jahren nicht verändert haben, wenn überhaupt noch verschärft. Eine plausible Erklärung für diese im Endeffekt schlichtweg überflüssige Neuauflage ist das allerdings nicht. Denn mit dem Original wurde eigentlich alles erzählt und nun nichts korrigiert, was damals vielleicht nicht optimal war. An der verstörenden Wirkung des Films ändert dies aber natürlich weitgehend nichts.

Wertung: (7 / 10)

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