Freitag der 13. (USA 1980)

freitagder13Der Schein des Vollmonds ergießt sich über den Crystal Lake. Im Ferienlager an seinem Ufer werden Fahrtenlieder gesungen. Zwei Betreuer stehlen sich davon, um in einer versteckten Dachkammer Zärtlichkeiten zu tauschen. Die subjektive Kamera lässt schreckliches erahnen, als die Teenager auch schon durch Fremdeinwirkung das Zeitliche segnen. Zwanzig Jahre nach der schrecklichen Tat soll das Camp wieder hergerichtet werden. Zu diesem Zweck hat Eigner Steve (Peter Brouwer, „American Desi“) sieben junge Helfer – darunter Hollywoodstar Kevin Bacon („Mystic River“) in seiner ersten Rolle – engagiert. Die Köchin (Robbi Morgan, „Das Mädchen des Monats“) kommt erst gar nicht an. Und auch die übrigen Jugendlichen müssen bald erkennen, dass der verrückte Ralph (Walt Gorney, „King Kong“) mit seinen Todesprophezeiungen gar nicht so falsch liegt.

Beflügelt vom Erfolg der Independentproduktion „Halloween“ (1978) reduzierte „Freitag der 13.“ das Konzept auf die Essenz des Serienkillers. Frei vom Ballast des Subtextes stand die Exploitation im Vordergrund. Als Gipfel der Anspannung sollte blutige Gewalt ein jugendliches Publikum in die Kinosessel pressen. Der Splatter hielt endgültig Einzug in den Mainstream. Dass die jungen Opfer schon hier am Reißbrett entworfene Stereotypen sind, fiel erst durch die Flut gleich konzeptionierter Trittbrettfahrer ins Gewicht. Nach heutigem Maßstab ist der Film ein typischer Genrevertreter. Seinen Klassikerstatus erhält er durch das Novum seiner Zeit. Ein streng auf die junge Zielgruppe zugeschnittenes Skript, das zum Mitfiebern einlädt. Geh nicht in die Dusche, dort lauert der Killer! Das Prinzip ist denkbar simpel. Die negativen Kritiken verwunderten wenig. Trotzdem wurde der Archetyp des Teen-Slashers ein gigantischer Erfolg.

Die Stimmung unterstrich der legendäre, von gehauchten Silben durchzogene Score von Harry Manfredini. Die blutigen Tricks besorgte Tom Savini, der durch die wiederholte Zusammenarbeit mit George A. Romero („Zombie – Dawn of the Dead“) ikonesken Status erlangte. Als Associate Producer verdingte sich Steve Miner, der dem Genre als Regisseur der ersten beiden Fortsetzungen die Treue hielt und später auch die „Halloween“-Sequels „H20“ und „Resurrection“ inszenieren sollte. Sein Vorgänger war Sean S. Cunningham, der die Gemüter bereits mit „Last House on the Left“ (1972) erhitzt hatte. Entsprechend dieser ´Learning by Doing´-Expertise der Beteiligten ist „Freitag der 13.“ aus handwerklicher Sicht eher als grobschlächtig zu bezeichnen. Die Bilder sind schlicht, die gesamte Optik nur Mittel zum Zweck. Doch war es gerade die Möglichkeit, mit wenig finanziellem und kreativem Aufwand kommerziellen Erfolg zu verbuchen, der das Genre bis in die späten Achtziger am Leben hielt. Erst mit „Scream“ (1996) kehrte der Schlitzerfilm zu alter Zugkraft zurück und zog eine neue Generation Jugendlicher Kinogänger in seinen Bann.

Ohne Schnörkel und inhaltliche Umschweife erzählt Cunningham eine Geschichte ohne Profil. Schamlos bedient er sich bei Carpenter und Hitchcock und variiert die gezeigten Muster dahingehend, dass er sie zum Zentrum seines Films macht. Nicht die Figuren bestimmen das Geschehen, sondern ihr Tod. Umso schwerer fällt es dem Regisseur, Adrienne King als ´Final Girl´ Alice zu etablieren. Die graue Maus muss am Ende mit dem Mörder fertig werden: Betsy Palmer („Die 13. Legende“), die als mütterliche Pamela Voorhees grausame Rache für das von jungen Campbetreuern unbeachtete ertrinken ihres behinderten Sohnes Jason nimmt. Sie führt das spätere Klischee des meist männlichen, oft übernatürlichen Serienkillers ad absurdum. Für Palmer, die als vornehmlich brave Aktrice und Moderatorin im Fernsehen Popularität erlangt hatte, ein nur widerwillig angenommenes, doch letzten Endes die Karriere erneut ankurbelndes Rollenangebot. Der größte Clou gelang den Machern mit der überraschenden – und den Fortsetzungsreigen begünstigende – Schlusssequenz, in der Alice vom toten Jason auf dem See attackiert wird. Über die Qualität des Gesamtwerks lässt sich streiten, dessen Einfluss auf den Horrorfilm hingegen steht völlig außer Frage.

Wertung: (7 / 10)

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