Fleisch ist mein Gemüse (D 2008)

"Fleisch ist mein Gemüse" DE 2007/2008 Plakatmotiv„Showtime is good time and good time is better time.“ – Gurki

Warum Autor und Entertainer Heinz Strunk in der Verfilmung seines autobiographischen Erfolgsromans „Fleisch ist mein Gemüse“ als Rahmenerzähler auftritt, bleibt rätselhaft. Sicher, er stört nicht weiter, doch geht seinem Einsatz als das Geschehen kommentierende Jagdtrophäe bis zum Finale die Zweckmäßigkeit ab. Dann aber, als Kinodebütant Christian Görlitz („Mutterglück“) die Fahrrinne der Buchvorlage endgültig verlässt, ist es an Strunk, die fast märchenhaften Wogen zu glätten. Der von ihm ersonnene Ausklang hätte das Publikum ob seiner Bitterkeit wahrscheinlich verprellt. Mit dem Kompromiss lässt sich gut leben.

Gut leben, davon ist Strunks Alter Ego gleichen Namens weit entfernt. Im Hamburger Umland, dort, wo Normalsterbliche nicht einmal tot über dem Zaun hängen wollen würden, lebt er mit seiner nervenkranken Mutter (Susanne Lothar, „Unter dem Eis“) unter einem Dach. Und weil es die Neunzehnachtziger sind, trägt der Heinz, überzeugend gespielt von Maxim Mehmet („Der Rote Baron“), auch stets die scheußlichsten Strickpullover. Einen Job hat er keinen. Ambitionen auch nicht. Er ist musikalisch begabt und beherrscht Saxophon und Querflöte. Über diese Qualität folgt der Einstieg ins Showgeschäft.

Das Angebot von Gurki (klasse: Andreas Schmidt, „Sommer vorm Balkon“), dem Bandleader der Tanzkapelle Tiffany’s, nimmt Heinz dankend an. Es verspricht Abwechslung, regelmäßige Arbeit und das Verdrängen der alltäglichen Probleme. Jene wie die schwere Akne, die ihn heimsucht wie eine biblische Plage, die im Alkohol ertränkte Einsamkeit oder Mutters Befindlichkeit. Die wird wegen ihres Geisteszustands erst in ein Krankenhaus und später ein Pflegeheim eingewiesen. Dass dies eigentlich ein Gasthaus ist, fügt sich nahtlos ins soziale Abseits der Strunks.

„Fleisch ist mein Gemüse“ ist eine tragische Komödie. Der Heinzer, wie er von den Muckerkollegen genannt wird, steuert zwischen geil abliefern (Musik) und entsaften (Körper), fruchtlosen Versuchen als Musikproduzent und sexuellen Avancen zum fremdschämen unaufhaltsam auf den Abgrund ewiger Stagnation zu. Das bedeutet Saufgelage und Spielautomatenfüttern. Mehr nicht. Görlitz heiter-melancholische Adaption ist nicht perfekt. Aber sie macht Strunks Scheitern auch visuell erfahrbar. Eine deprimierende und zugleich liebenswerte Loser-Ballade. Geeignet auch für Beilagen-Esser.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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