Findet Nemo (USA 2003)

findet-nemoDer herkömmliche Zeichentrickfilm hatte es in den letzten Jahren zunehmend schwer und auch die erfolgsverwöhnte Filmschmiede Disney (wie auch Top-Konkurrent Dreamworks) musste den einen oder anderen kommerziellen Flop einbüßen. Lediglich das Animationsstudio Pixar steht wie ein Fels in der Brandung und trotzt Zuschauerschwund mit stets erfolg- und ideenreichen Werken wie „Toy Story“, „Das große Krabbeln“ und zuletzt der „Monster AG“. „Findet Nemo“ stellt den fünften Langfilm des Studios dar, der wie alle anderen auch für Disney produziert wurde und sich zum absoluten Blockbuster des Jahres 2003 mauserte. Ein Einspielergebnis von fast 400 Millionen Dollar allein in den USA macht „Findet Nemo“ zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten und auch hier darf man sich nun vom berechtigten Erfolg des Films überzeugen lassen.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Clownsfisch Marlin (Originalsprecher: Albert Brooks), der es als alleinerziehender Vater des kleinen Nemo nicht immer leicht hat und seinen kleinen, voller Tatendrang aufkeimenden Sohnemann kaum bremsen kann. Eigentlich sollte Marlin 400-facher Vater werden, doch seine Frau Carol als auch 399 Eier wurden von einem Fisch gefressen und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Marlin deutlich mehr um seinen Spross sorgt als andere Eltern. Für Nemo steht nach jahrelanger minutiöser Aufsicht der erste Schultag auf dem Programm, bei dem der überaus sorgsame Vater endlich einmal für einige Stunden vergessen werden kann. Bei einem Ausflug jedoch passiert ein Unglück, denn Nemo wird von Tauchern gefangen und landet im Aquarium eines Zahnarztes in Sydney.

Dort freundet er sich zwar schnell mit seinen anderen Gefährten auf begrenztem Raum an, doch wie die schon länger dort „Inhaftierten“ hegt auch Nemo einzig den Wunsch, zurück ins Meer zu finden. Sein Vater macht sich derweil voller Sorgen auf die Suche nach Nemo, ohne jedoch nur ansatzweise zu wissen, wo er eigentlich nach seinem einzigen Sprössling suchen muss. Unterwegs greift er die zufällig die blaue Dory (Ellen DeGeneres) auf, die ihm nur gerne helfen würde, jedoch unter einer argen Kurzzeitgedächtnis-Störung leidet und bereits wenige Minuten später alles vorhergegangene vergisst. Gemeinsam machen sie sich auf eine lange Reise, die sie unter anderem zu den „Anonymen Fischfressern“, in den Magen eines Wals und die dunklen Tiefen der Meere führt.

Legte Pixar die Messlatte für Animationsfilme mit seinen bisherigen Spielfilmen sportlich hoch, so konnte der filmische Konter von Dreamworks (siehe „Shrek“) zumindest meist adäquat dagegen halten. Mit „Findet Nemo“ legt das Studio jedoch nun ein Kunstwerk hin, das so schnell nicht übertroffen werden dürfte. Es ist schon unglaublich, wie weit die Tricktechnik mittlerweile gereift ist und mit welcher Liebe zum Detail die Macher um Regisseur Andrew Stanton und Pixar-Mastermind John Lasseter jedem einzelnen Fisch Leben einhauchten, eine Vielzahl unterschiedlicher und eigenständiger Charaktere schufen und zudem Groß wie Klein für 100 Minuten perfekt unterhalten. Das Tempo wird nach der anfänglichen Katastrophe beständig angezogen und auch bis zum Abspann nicht mehr losgelassen.

Man erwartet irgendwann einen Einbruch, doch es geht im Eiltempo von Höhepunkt zu Höhepunkt, bei dem vor allem der unglaublich erfrischende wie urkomische Wortwitz der unzähligen Protagonisten im Vordergrund steht. Ganz vorne anzusiedeln sind die zahlreichen Rededuelle zwischen Marlin und Dory. Der besonnene Clownfisch wird zwar mehrmals genötigt, einen Witz zu erzählen, offenbart die Pointe jedoch bereits zu Beginn seiner Erzählung. Ihm gegenüber steht die hibbelige Dorie, die lesen kann und auch „Grundkenntnisse“ in der Sprache der Wale besitzt, die im weiteren Verlauf der Geschichte nicht ganz unerheblich sind. Die deutschen Synchronstimmen konnten mit Christian Tramitz und vor allem Anke Engelke wohl nicht besser besetzt werden.

So penibel die Konturen und Gesichtszüge der Fische am Computer entstanden, so groß scheint den Sprechern (im Original u.a. Geoffrey Rush, Willam Dafoe und allison Janney) der Spaß an der Arbeit zu „Findet Nemo“ gefallen zu haben. Hinzu kommen unzählige Fischarten, die alle ihre Eigenarten und Dialekte haben und das ein oder andere Mal die Wege von Marlin und Dorie kreuzen. Besondere Erwähnung verdienen die drei Haie Bruce, Hammer und Hart, die sich zu den Vegetariern unter den Haien entwickeln möchten und nach dem Motto „Fische sind Freunde, kein Futter“ leben. So könnte man noch unzählige weitere Figuren des Films hervorheben, sei es nun der kleine Tintenfisch, der sich beim Anblick der Haie in die „Hose“ macht oder die stetig „Meins“ rufenden Möwen, die gegen Ende des Films eine grandiose „Die Vögel“-Parodie auf die Leinwand bringen.

Natürlich darf auch die eine oder andere Anspielung auf „Der weiße Hai“ nicht fehlen und selbst das Einbringen einiger anderer Pixar-Helden aus vergangenen Tagen ließen sich die Macher nicht nehmen. Der von Disney gern gezeigte moralingetränkte Zeigefinger bleibt dankbarerweise im Hintergrund. Natürlich soll den kleinen Zuschauern auch hier eine gewisse Botschaft mitgegeben werden, doch geschieht dies hier niemals störend. „Findet Nemo“ hat den großen Erfolg ohne Frage verdient.  Ein absolutes Highlight des Trickfilms, das technisch auf allerhöchstem Niveau umgesetzt wurde und alles bisher auf diesem Sektor gesehene in den Schatten stellt.

Wertung: (9 / 10)

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