Final Impact (USA 1992)

Wenn in Sachen filmischer Ideenfindung nichts mehr geht, bleibt immer noch der Rückfall auf bewährte Underdog-Sportfilmklischees. Das sahen auch die Verantwortlichen bei PM Entertainment so, als sie anno 1992 Kampfsportturnier-Action mit seifigem Drama vermengten. Das Herz eingefleischter Genre-Befürworter kann Autor Stephen Smoke („Street Impact“), der mit Joseph Merhi („Midnight Warrior“) auch Regie führte, mit dieser krausen Mischung jedenfalls nicht erweichen. Denn dafür fehlt es dem von Merhis Produktionspartner Richard Pepin („Steel Frontier“) fotografierten Kickbox-Schmierentheater schlicht an Rasanz und erzählerischer Überzeugungskraft.

Immerhin gefällt das nostalgische 80’s-Feeling, das sich nach dem zwischen Körperkult und Erotikvideo tendierenden Vorspann gleich in der schummrigen Bar von Nick Taylor (Lorenzo Lamas, „C.I.A. – Codename Alexa“) einstellt. In der verkehren Frauen mit seltsamer Gesichtsbemalung, während Menschen mit schrägen Frisuren Statistentänze aufführen. Dazu gibt’s Martial-Arts-Gerangel auf öliger Matte. Unter den Kämpfern findet sich auch Gary Daniels („Fist of the North Star“), den Nick gegen den forschen Danny (Michael Worth, „Fists of Iron“) antreten lässt. Der erweist sich gleich auf den ersten Blick als Ausnahmetalent, so dass sich Nick bereit erklärt, den Jungspund für die Kickbox-Weltmeisterschaft in Las Vegas zu trainieren.

Aber natürlich hat die Geschichte einen tieferen, lachhaft überdramatisierten Hintergrund: Dereinst nämlich war Nick selbst Titelträger, wurde im Ring aber massiv vom fiesen Jake (Stuntman Jeff Langton, „Road House“) vermöbelt. Da dem amtierenden Champion die Demütigung des Gegners nicht genug schien, spannte er ihm gleich noch die Frau aus. Das könnte durchaus Mitgefühl wecken, wären da nicht Lamas‘ Aufzüge mit Cowboyhut und Lederweste auf nacktem Oberkörper. Zu den schrägen Klamotten gesellen sich noch küchenphilosophische Anwandlungen, die umso alberner wirken, da der weise Meister Nick durch den beherzten Dauergriff zur Schnapsflasche kaum wie jemand wirkt, der rationale Entscheidungen treffen könnte. Für die Erdung des von sich schwer eingenommenen Danny reicht es aber allemal.

Mit von der Partie ist auch Lamas‘ Ex-Gattin Kathleen Kinmont („Bride of Re-Animator“), die als Nicks amouröse Gefährtin Maggie aber vornehmlich überflüssig erscheint. Sie wittert schnöde Rache hinter Nicks Motiven, der Zuschauer ergötzt sich an Saxophon-unterlegten Trainings-Montagen aus dem „Rocky“-Baukasten. Die Kickbox-Einlagen gehen in Ordnung, werden vom qualitätsarmen Rest aber weitgehend überlagert. Auf dem Weg zum Showdown zwischen Danny und dem überzeichneten Scheißkerl Jake darf sich Nick noch zu einem illegalen Schrottplatz-Duell mit dem Erz-Widersacher einlassen, dessen künstlich tragisches Auskommen noch als größte Überraschung bezeichnet werden kann. Von ein paar unfreiwilligen Lachern abgesehen kann man sich diesen nach Schema F abgespulten Soap-Actioner ruhigen Gewissens sparen.

Wertung: 3.5 out of 10 stars (3,5 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Die weiße Göttin der Kannibalen (I 1978)

    „New Guinea is perhaps the last region on earth which still contains immense unexplored areas, shrouded in mystery where life has remained at its primordial level. Today, at the dawn of the space age, it seems unimaginable that only twenty hours’ flight from London there still exists such a wild and uncontaminated world. This story…

  • Smart People (USA 2008)

    Warum nicht mal ein tragikomischer Independent-Film über eine exzentrische Familie? Moment, drängt sich der Einwand nach vorn, das gab’s doch schon zu Hauf! Vielleicht, nein, eher wahrscheinlich. Jedoch nicht mit Dennis Quaid als selbstverliebt eigenbrötlerischem Universitätsprofessor, obendrein verwitwet, mit zwei Kindern und einem nicht eben vorzeigbaren Adoptivbruder gesegnet. Natürlich buhlt die Idee, mit „Smart People“…

  • Black Sheep (NZ 2007)

    Es brummt wieder im Tierhorrorfilm. Seit Jahren schon erobern sich Killerfische, Monsterkrokodile und Mörderratten ihren festen Platz im phantastischen Metier zurück. Wenn auch nur in TV- oder Videoproduktionen. Anders als beim Slashergenre blieb die Renaissance der rebellierenden Fauna bislang aus. Daran wird auch der Achtungserfolg „Black Sheep“ nichts ändern, mit dem Neuseelands Kinokultur einmal mehr…

  • 5-Headed Shark Attack (USA 2017)

    Fünf Köpfe, drei Autoren, kein Funken Verstand. Das ist die magere Bilanz von „5-Headed Shark Attack“. Denn der dritte Film um das mörderische Treiben der mit immer mehr Köpfen beladenen Killerfische gibt sich beschämend einfallslos und hat darstellerseitig nicht einmal ausrangierte B-Prominenz zu bieten. Für einen modernen Monster-Matsch ist das – selbst gemessen am Billig-Standard…

  • 1000 Dollar Kopfgeld (I 1971)

    Ein Italo-Western im Krimiformat? Lorenzo Gicca Palli („Freibeuter der Meere“) macht es möglich. Aber es will nicht recht funktionieren, weil die Überkonstruktion der Mörderhatz die Glaubwürdigkeit aussperrt. Also muss „1000 Dollar Kopfgeld“, gern auch mit dem Titel „Sarg der blutigen Stiefel“ versehen, den Weg der puren Unterhaltung beschreiten. Die Schwächen des Drehbuchs und der Inszenierung…

  • Freitag der 13. Teil 3 (USA 1982)

    Gestatten, Fortsetzungswahn. Schon am Ende von „Freitag der 13. Teil 2“ schien die erweiterte Unwill von Sackgesicht Jason Voorhees – der mit dem Beutelornament auf der deformierten Omme – unausweichlich. Für das neuerlich von Steve Miner („Lake Placid“) abgedrehte Sequel wurde der Schlitzer vom Feriencamp am Crystal Lake mit der charakterbildenden Eishockeymaske bestückt, was der…