Feed (AUS 2005)

feed-2005„Nahrungsaufnahme ist Evolution.“ – Michael

Mitten hinein in die Diskussion um Magermodels und überholte Schönheitsideale schlägt die Verleihveröffentlichung des australischen Schockers „Feed“. Brett Leonard, Regisseur der Stephen King-Adaption „Der Rasenmäher-Mann“, präsentiert den Film zum Fett und zeigt extreme körperliche Zunahme als Fetisch. Das Potential des gewagten Genrestreichs ergibt sich allein aus der Thematik. Doch gerät der Rahmen soziokultureller Subversion schnell in Schräglage. Zu rasch arbeitet sich Leonard an obsessiven Extremen ab, schlägt bei der anfänglichen Penisverköstigung in Hamburg eine Brücke zum medienträchtigen Kannibalen von Rotenburg und führt die Geschichte in ein geschwätziges Psycho-Duell zwischen Internet-Ermittler Phillip (Jack Thompson, „The Assassination of Richard Nixon“) und Frauenmäster Michael (Gabby Millgate, „Muriels Hochzeit“).

Der eine ist Australiens bester Spürhund in Sachen Online-Perversion, der andere ein gerissener Psychopath mit Standort in der amerikanischen Provinz. Ohne Rückendeckung seines Vorgesetzten nimmt Phillip die Fährte von Michael und seiner zelebrierten Fetterotik auf. Denn einige der via Web-Kamera beobachtbaren Frauen sind spurlos verschwunden. Vor Ort sind die Fronten schnell geklärt. Weil der Geisteszustand von Täter und Jäger aber nur unweit auseinander zu liegen scheint, wird der verbissene Kleinkrieg mit zusehends härteren Bandagen ausgetragen.

„Feed“ ist ein ungewöhnlicher Thriller, ungeachtet seiner Unkonventionalität aber längst kein guter Film. Nach Interesse erweckendem Einstieg – mit hektischen Kameraschwenks, Farbfiltern und verfremdeter Optik auch auf formaler Ebene – kehrt Zähigkeit ein. Phillip stößt in den Weiten des Cyberspace auf das Fettfleischforum Michaels, dessen Motive ebenso konstruiert wirken wie die moralischen Abnutzungserscheinungen des Ermittlers. Auf Langatmigkeit folgt Langeweile. Die Opponenten tasten sich ab und mustern einander. Der Weg zum Abspann ist ein beschwerlicher, Plotlöcher gestalten die Bewältigung nicht einfacher. Ekel forcierende Zwischenspiele sind keine Hilfe, sie reduzieren den Plot auf Tabubrüche.

Das größte Manko ist Phillip-Darsteller Jack Thompson, der die zunehmende Wandlung seiner Figur in akute Ausdruckslosigkeit kleidet. Die dramaturgische Zuspitzung könnte da kaum weniger interessieren. Regisseur Brett Leonard arbeitet mit Gegensätzen. Das gelungene Ende ist der radikale Gegenentwurf zum Kern der Geschichte. „Feed“ wäre gern mehr als ein unausgegorener Thriller um gesellschaftliche Schattenregionen und abstrakte Stoffwechselraten. Im Gedächtnis haften bleibt wenig, nicht einmal die stimmig gemachten Futterexzesse. Das Thema hätte eine tiefsinnigere Abhandlung verdient. Denn so ist der Streifen mehr belang- als geschmacklos.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Ambulance (USA 2022)

    „We’re not the bad guys, we’re just the guys trying to get home!“ – Danny Filme von Michael Bay („Transformers“) sind oft Vergnügen und Ärgernis zugleich. Dabei wird zerstörungsintensiver Action-Kintopp in ein Nichts an Handlung gebettet. Obendrauf gibt es Emotionen. Und Pathos. Was fehlt ist das richtige Maß. Bays bevorzugtes Werkzeug ist eben der Holzhammer….

  • Alone in the Dark (USA/CDN/D 2005)

    „Just because you can’t see something, doesn’t mean it can’t kill you.” – Edward Carnby Unbeirrt von Kritikerschelte und kommerziellem Misserfolg sucht der Wermelskirchener Regisseur Uwe Boll sein Glück in Hollywood. Auf der Internetpräsenz seines Unternehmens für Filmproduktion und -verleih (www.boll-kg.de) lässt Boll gar verlauten, „Weltmarktführer in der Verfilmung von Videospielen“ zu sein. Ganz schön…

  • Horst Schlämmer – Isch kandidiere! (D 2009)

    Der Bundestagswahlkampf zeichnet sich im Superwahljahr 2009 nicht gerade durch herausragenden Einsatz der Parteien aus. Die Kanzlerin scheut jede öffentliche Debatte und lässt Herausforderer Steinmeier mit seiner absurden Vollbeschäftigungsprophezeiung im Abseits stehen. Fast scheint es, als habe die partielle Politikverdrossenheit der Bürger auch die Regierenden erfasst. Nur gut, dass es Horst Schlämmer gibt. Der stellvertretende…

  • Das Tribunal (USA 2002)

    Die Ardennen Ende 1944: Die Alliierten dringen immer tiefer in die Gebiete des Dritten Reiches vor und der Krieg wird nur noch wenige Monate andauern. Lieutenant Thomas Hart (Colin Farrell), Sohn eines hochrangigen US-Politikers, befindet sich auf dem Weg durch die verschneiten Ardennen, als er in einen deutschen Hinterhalt gerät und gefangen genommen wird. Nach…

  • Frogs (USA 1972)

    Der Tier-Horror kam mit „Der weiße Hai“ so richtig auf Touren. Spielbergs Killerfisch steht für eine neue Dimension des Öko-Terrors. Zuvor waren es riesenhafte Monstrositäten („King Kong“) oder Allegorien auf die Gefahren des Atomzeitalters („Formicula“). Plötzlich aber brauchte die Natur keinen spezifischen Auslöser mehr, um die Menschheit daran zu erinnern, dass die Ausbeutung der Erde…