Feast III: The Happy Finish (USA 2009)

feast-3-the-happy-finish„Maybe Part 4 will have all answers and more. But if not, don’t fuckin’ blame me!” – The Mariachi Dude

Die Monster sind wieder los. Oder immer noch. Eingeweihte wissen gewiss, dass John Gulager, Regisseur der „Feast“-Reihe, die beiden Sequels zu seinem kleinen Underground-Hit an einem Stück abgedreht hat. Nach dem qualvollen Sichten des angeblichen Abschluss der Monster-Saga stellt sich aber wieder einmal die existenzielle Frage nach dem „Warum“. Warum nur tue ich mir immer wieder solchen Schwachsinn an? Natürlich bin ich mir meiner Funktion als filmisches Frühwarnsystem für die ahnungslose Masse da draußen bewusst. Und ein Stück weit bricht auch diese masochistische Ader wieder durch. Aber warum Gott, warum?!

Nachdem „Feast II – Sloppy Seconds“ abrupt endete, knüpft die zweite Fortsetzung nahtlos an die erste an. Na ja, so ganz entspricht das nicht der Wahrheit, da zu Beginn nochmal die letzten Minuten des zweiten Teils aufgerollt werden. Irgendwie muss man die 76 Minuten Laufzeit ja vollkriegen. Dafür bekommen wir den dramatischen Überlebenskampf (hier bitte einmal Sitcom-Gelächter einfügen) aus anderen Kameraperspektiven präsentiert. Die für die Reihe obligatorische Charaktervorstellung, sprich eingeblendete „witzige“ Infos über die Knallköppe vom Dienst und ihre noch geschätzte Lebenserwartung, die mit innovativen Namen wie Slasher oder Honey Pie glänzen, darf natürlich auch nicht fehlen.

Die Fabel um den mythischen Kampf Gut gegen Böse nimmt diesmal kosmische Züge an! Wenn das jetzt jemand auf Anhieb geglaubt hat, sollte er seinen Geisteszustand schleunigst beim Psychodoc überprüfen lassen. Denn an der Metzelfront ist natürlich alles beim Alten. Unter den menschlichen Protagonisten befindet sich weiterhin kein einziger, der kaum einmal als sympathisch durchgehen würde. Und kosmisch ist hier nur ihr grenzenloser Dilettantismus. Natürlich dreht sich alles ums nackte Überleben – besonders Tit Girl (der Name ist Programm) kann davon ein Lied singen –, was sich mangels Ideenreichtum und trotz der kurzen Laufzeit wie Kaugummi zieht.

Es geht von einer Räumlichkeit in die nächste, unter die Erde in die Kanalisation, dann wieder rauf zur Oberfläche, dann wieder runter – und es will kein Ende nehmen. Die Szenen unter Tage sind ein Ärgernis schlechthin, da sie zum einem so epileptisch geschnitten sind, dass mal wieder nicht zu erkennen ist, wer wo was wie und weshalb tut. Zum anderen scheint die überambitionierte Filmcrew ihr Beleuchtungs-Equipment an der Oberfläche vergessen zu haben, da das hektische Treiben von vollendeter Dunkelheit umhüllt wird, was den Filmspaß (Oxymoron!) alles andere als vereinfacht.

Die gähnende inhaltliche Abstinenz soll mal wieder mit abstrusen Einfällen kaschiert werden. Da hätten wir zum einen die Szene, in der das Monster einer Person den Kopf abreißt, diesen runterschluckt und in der nächsten Sekunde wieder in Nahaufnahme defäktiert. Ein anderer Zeitgenosse wird von einer der Kreaturen durch ein Loch in der Wand anal penetriert, um in sekundenschnelle einen dicken Bauch zu bekommen, der daraufhin effektvoll explodiert, um den Weg für einen Mensch-Monster-Hybrid frei zu machen. Ein Zombie-ähnlicher Freak (dazu gleich mehr) reibt sich einen abgetrennten Penis an die Wange, auf einen alten Mann wird solange eingeschlagen, bis er seinen Darm entleert und einer Frau wird vaginal das Gekröse rausgerissen. Sigmund Freud hätte einen Heidenspaß an diesem Film.

Einige Novitäten gibt es tatsächlich zu vermelden. Der eben genannte Zombie-Freak und seine Sitte ist für die bisherige „Feast“-Mythologie genauso mysteriös wie der aus dem Nichts auftauchende „Prophet“, der die Monster telepathisch kontrollieren kann. Zwei neue Figuren, die als große Helden eingeführt werden – der ballernde Shitkicker und der Martial-Arts beherrschende Jean-Claude Seagal – werden wie andere Heldenfiguren in den Teilen zuvor schon nach kurzer Screentime zu Monsterfutter verarbeitet. Als absolut dämlich muss man die Idee bezeichnen, die Figur des Greg Swank, die von Tom Gulager, dem Bruder des Regisseurs gespielt wird, weiterhin mit den anderen Unsympathen gegen die Monstren antreten zu lassen, obwohl diesem eine stabile Eisenstange aus dem Schädel ragt, die er bereits im zweiten Teil spendiert bekam.

Das zweite „Feast“-Sequel, eigentlich der langgezogene Schluss des zweiten Films, krankt an denselben Symptomen wie die Vorgänger. Antipathieträger metzeln sich durch eine nicht vorhandene Geschichte und verspritzen in absurd-haarsträubenden Situationen alle möglichen Körpersäfte. Dem Vorwurf, aus solchen und ähnlichen Ideen ließe sich nicht allzu viel machen, können unter anderem Robert Rodriguez und sein in die Annalen des Horrorfilms eingegangener „From Dusk Till Dawn“ widersprechen. Die „Feast“-Reihe, die sich anno 2010 nun als Trilogie bezeichnen darf, ist nach einem nur gering besseren ersten Teil ein Opfer des Miese-Sequels-Fluchs geworden. So wie der zunächst letzte Teil endet, ist zumindest ein vierter Teil nicht ausgeschlossen.

Und jetzt komme ich nicht mehr drum herum, das Kind beim Namen zu nennen: Dieses Ende rockt! Nachdem so ziemlich alle menschlichen Kämpfer ins Gras beißen durften, schaffen es der schon im ersten Teil der Gulager-Familienreihe mitwirkende Bartender (des Regisseurs Vater Clu Gulager, „Puppet Master 5“) und Honey Pie (Jenny Wade, „Red Eye“), tatsächlich wieder lebendig an die Oberfläche. Der anscheinend verrückte alte Mann kann beim Anblick der Zerstörung, die die Monster hinterlassen haben, sich natürlich nur das Hemd herunterreißen, um dem Honigkuchen theatralisch mitzuteilen: „We have to repopulate the world! Let‘s fuck!“ Just in diesem Moment wird die hübsche Blondine aber von einem michaelbayesken Riesenroboter plattgetretten!

An dieser Stelle ist ein allseits beliebtes „What the fuck?!“ sicherlich angebracht. Doch wer nun denkt, das sei es schon gewesen, wird vom anscheinend nicht nur koprophilen Regisseur mit einer weiteren gelungenen Idee überrascht: Die Kamera schwenkt vom schockierten Bartender auf einen Mariachi, der das „Feast“-Lied zum besten gibt, in dem er nochmal die Handlung der drei Filme zusammenfasst, weiterhin seine Unkenntnis über die Herkunft der Monster und die eventuelle Klärung des Mysteriums in einem möglichen vierten Teil besingt. Grandios! Hätten die Macher nur schon etwa drei Filme vorher solche Kreativität bewiesen, wäre aus belanglosem, blödem und langweiligem Monster-Trash belangloser, blöder und amüsanter Mist geworden. Obwohl „Feast III“ im Großen und Ganzen sogar schlechter ist als sein direkter Vorgänger, hinterlässt er wegen des wirklich unerwartet gelungenen Finals doch einen insgesamt positiveren Eindruck.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

 

Ähnliche Beiträge

  • Die Ewoks – Karawane der Tapferen (USA 1984)

    Wer glaubt, „Rogue One“ (2016) wäre der erste „Stand Alone“-Ableger aus dem „Star Wars“-Universum gewesen, irrt. Denn die Idee, das Erfolgsrezept der Kult-Sternensaga auf andere Handlungs- und Figurenebenen auszuweiten, wurde bereits Jahrzehnte vor dem Rechtekauf durch den Disney-Konzern in die Tat umgesetzt. Wenn auch nicht für die große Leinwand, sondern initial für das US-Fernsehen. In…

  • Black Rain (USA 1989)

    „I usually get kissed before I get fucked.“ – Geht auch in der Fremde mit dem Kopf durch die Wand: Conklin Kult-Regisseur Ridley Scott verlegte die optische Erhabenheit seines Meilensteins „Blade Runner“ in die Gegenwart, als er 1989 „Black Rain“ anging. Den architektonischen Bombast, diese erdrückenden Bollwerke menschlichen Fortschrittseifers, die sein klassisches Science Fiction-Opus geprägt…

  • Con Air (USA 1997)

    „Wenn Sie nochmal mit meiner Frau reden, sagen Sie ihr, ich liebe sie, sie ist mein Kolibri.“ – Actionheld mit Gefühlen: Poe Die Bruckheimer’sche Explosionswerkstatt hatte in den mittleren 90ern eine ganze Menge zu tun. Selbst ganze Asteroiden („Armageddon“) wurden pulverisiert. Dagegen erschien ein angedrohter Gasangriff auf San Francisco („The Rock“) noch vergleichsweise harmlos. Inmitten…

  • Stone Cold – Kalt wie Stein (USA 1991)

    Footballer im Filmgeschäft: eine Verbindung, die auf qualitativer Ebene zwangsweise zum Scheitern verurteilt ist und meist auch nicht für Langlebigkeit steht. Man erinnere sich nur an den ehemaligen NFL-Profi Carl Weathers, der in den 80ern in etlichen Actionfilmen („Rocky 1-4“, „Predator“, „Action Jackson“) mitwirkte und sogar als kleiner Star gefeiert wurde. Doch bereits wenige Jahre…

  • Shoppen (D 2006)

    Der zwischenzeitlich fast übertriebene teutonische Zwang der Beziehungskomödelei ist glücklicherweise passé, man widmet sich in der heimischen Kinolandschaft wieder vermehrt den ernsteren Dingen des Lebens. Der Film „Shoppen“ von Ralf Westhoff – hier als Autor, Produzent und Regisseur aktiv – greift die Beziehung als solches auf, verbindet das Nützliche aber mit dem Notwendigen. Herausgekommen ist…

  • Zeiten ändern Dich (D 2010)

    Seine Musik gilt als homophob, frauenfeindlich und gewaltverherrlichend. Doch Bushido, der mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi heißt, avancierte ungeachtet aller Diskussionen zum Megaseller. Von Kindesbeinen an musste sich der Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers behaupten. Gegen den prügelnden Vater, die Vorurteile der Mitschüler und die Gesellschaft im Ganzen. Von deren Rand aus…