Fear Dot Com (USA/GB/D/LUX 2002)

fear-dot-comAlle Jahre wieder beglückt uns das Kino mit einer neuen morbiden Thriller-Ausgeburt auf den übergroßen Spuren von David Finchers Meisterwerk „Sieben”. Das ist zur Standardvorlage einer erschreckend gewaltigen Fülle an meist plump abgekupferten Nachahmern (z.B. „Der Knochenjäger”, „Ressurrection”) verkommen. Immer häufiger, bedingt durch en Erfolg von M. Night Shyamalans subtilem Schocker „The sixth sense”, werden derartige Plots mit dem Genre des Horrors gepaart (siehe „The Cell”), was nur selten zur Qualitätssteigerung ihrer Suspense-Bestrebungen beträgti. Jüngstes Beispiel bildet William Malones „Fear Dot Com”, der selbst vor Versatzstücken des J-Horrors nicht Halt macht.

Eine Reihe mysteriöser Todesfälle erschüttert New York. Da der zuständige Ermittler Mike Reilly (Stephen Dorff, „So Fucking What”) die Befürchtung eines Virus hegt, zieht er Terry Huston (Natasha McElhone, „Solaris”) zurate, eine Beauftragte des Gesundheitsministeriums. Doch schon bald stoßen die beiden auf eine sonderbare und erschreckende Gemeinsamheit der Opfer: 48 Stunden vor ihrem Tode besuchten alle Verstorbenen die schaurige Internetseite FearDotCom. Um dem düsteren Geheimnis auf die Spur zu gelangen, loggt sich Reilly selbst auf der Website ein und erlebt als Folge am eigenen Leibe deren teuflische Auswirkungen.

Die amerikanisch, britisch, deutsch, luxemburgerische Co-Produktion besticht in erster und einziger Linie durch die ausgegfeilte Optik, die allerdings auch nur hinlänglich bekannte Stilmittel aufgreift und schlicht zu inkonsequent und lapidar Atmosphäre erzeugt. Die Geschichte präsentiert sich als unausgegoren und völlig unplausibel. Das Drehbuch spart kaum eine Plattheit aus und reiht in loser Folge uninspirierte Dialoge aneinander. Auch die Darsteller bleiben blass. Weder der oft gescholtene Stephen Dorff, noch Natasha McElhone vermögen ihre Figuren mit Leben zu füllen. Das Wiedersehen mit Udo Kier („Blade”), dem irgendwie stets putzigen Jeffrey Combs („Re-Animator”) und Charakterdarsteller Stephen Rea („Crying Game”) in der Rolle des Killers mit klischeebehafteter Freude an Marter und Folter können da wenig ausrichten.

Regisseur William Malone hat nach seinem mäßigen „House on Haunted Hill”-Remake erneut mit Bravour dargelegt, wie ein unheilsschwangerer Horror-Thriller der nonfunktionellen Art auszusehen hat. Trotz einer Fülle an Spezialeffekten und einigen mitunter gelungenen Sequenzen, bei denen das Set entweder in Düsternis, Wasser oder Blut versinkt, lässt den Zuschauer das feilgebotene Geschehen jedoch ebenso kalt wie Leben und Ableben der transparenten Figuren. Somit ist Malones Geisterbahnfahrt vom verhaltenen Beginn bis hin zum völlig verhunzten Finale über knapp 95 leidlich unterhaltsame Minuten dahindümpelnder Stumpfsinn. Doch führt auch diese immerhin 40 Millionen Dollar schwere Produktion, die in den USA gerade mal ein Drittel ihrer Kosten wieder einzuspielen vermochte, eindeutig vor Augen, dass deutsche Finanziers mit ihrem Geld lieber vermehrt nationalen Projekten auf die Beine helfen sollten. Schließlich kann gefilmter Müll wie dieser auch von anderer Leute Erspartem in die Kinos gerotzt werden.

Wertung: (3 / 10)

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