Fatso (N 2008)

fatsoEr ist fettleibig, ungepflegt und einsam. Wenn Rino (Nils Jørgen Kaalstadt), ein norwegischer Twentysomething, nicht gerade Anleitungen für Elektrogeräte aus dem Deutschen übersetzt, holt sich der verklemmte Pornophile in endloser Folge einen runter. Selbst eine Melone ist vor seinem sexuellen Verlangen nicht sicher. Doch so sehr der Saft in „Fatso“ auch über den Bildschirm spritzen mag, mit Teenie-Komödien des Schlages „American Pie“ hat die tragikomische Außenseitergeschichte wenig gemein.

Weil es der Vater so will, hat der Eigenbrötler die geräumige Wohnung der verstorbenen Großmutter plötzlich mit der schwedischen Untermieterin Malin (Josefin Ljungman) zu teilen. Im Gegensatz zu Rino ist das junge Ding hübsch und extrovertiert. Sie plant in der Fremde den Neuanfang, mit Kellnerjob und wechselnden Bettgeschichten. Ihr ist der Wohnpartner – und erst recht sein versauter Freund Fillip (Kyrre Hellum) – auf Anhieb suspekt. Doch aus den anfänglichen Widrigkeiten und scheinbar unvereinbaren Gegensätzen entsteht bald eine Freundschaft.

Die Abruptheit dieses Wandels versucht Regisseur und Co-Autor Arild Fröhlich gar nicht erst zu überspielen. Rino darf aus seinem Schneckenhaus hervorkommen und – sehr zu Fillips Leidwesen – selbst Malins Freunde von seiner wiederentdeckten positiven Ausstrahlung überzeugen. Für einen Moment scheint es, als könne auch er zu den Normalos gehören. Obwohl er sich zur Mitbewohnerin hingezogen fühlt, lässt er sich auf einen katastrophalen Verkupplungsversuch ein. Der Frust sitzt tief und presst ihn zurück in jene abstoßende Form, die die Gesellschaft für ihn reserviert zu haben scheint.

Dramaturgisch lebt „Fatso“, ähnlich „Fleisch ist mein Gemüse“, von der traurigen Peinlichkeit des Augenblicks. Das Selbstbild illustriert und überspitzt Rino in seinen an Robert Crumb erinnernden Comicstrips, die Fröhlich zu Trickfilmsequenzen verdichtet und bei aller Übertreibung die Verwundbarkeit seiner Hauptfigur offenbaren. Die schlussendliche Entwicklung dieser bisweilen surreal anmutenden Dramödie ist absehbar, in ihrer Herleitung aber durchaus glaubhaft und schauspielerisch durchweg überzeugend vermittelt. Sofern man denn statt der unpassenden deutschen Synchronfassung auf den norwegischen Originalton zurückgreifen mag.

Wertung: (7 / 10)

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