Far Cry (CDN/D 2008)

far-cryKein Entkommen, kein Erbarmen. Dr. Uwe Boll ist ein Jäger, der gnadenlos über seine Beute herfällt. Für gewöhnlich trifft es populäre Videospiele, deren Konsistenz er zu schmerzhaften Filmwerken aufbereitet. Das jüngste Opfer des Schlock-Meisters ist „Far Cry“, ein moderner Klassiker unter den Ego-Shootern, dessen Adaption von Fans mit Argwohn verfolgt wurde. Nicht nur wegen Boll, sondern allein aufgrund des Potentials der Vorlage. Um es kurz zu machen, auch dieses wird vollends verschwendet, wenn Til Schweiger („Der rote Baron“) als Ein-Mann-Armee Jack Carver gegen Monster und Militaristen zu Felde zieht.

Schweiger als Actionheld – das ist schon ein harter Brocken. Und dann auch noch unter Boll. Nicht zu vergessen der Nebencast, in dem sich Udo Kier („Blade“) mal wieder unter Wert verschleudert und Ralf Möller („Pathfinder“) das Vorbild der „steierischen Eiche“ gewohntermaßen zu wörtlich nimmt. Kier ist Dr. Krieger, ein Mad Scientist nach bekannter Vorgabe, der auf einem entlegenen Eiland Versuchsreihen mit Soldaten durchführt, an deren Ende genetisch manipulierte und zu allem Überfluss kugelsichere Kampfmaschinen stehen. Denen sieht sich Ex-Elitefighter Carver gegenüber, als er, nunmehr Charterkapitän, Journalistin Valerie (Emmanuelle Vaugier, „Saw II“) zu besagter Insel schippert.

Die Grundlage zu der brandheißen Story kommt von ihrem Onkel (Möller), der eigentlich die Laboranlage bewachen sollte, Kriegers Handhabung aber als ethisch verwerflich befand. Dem guten – und reichlich egozentrisch veranlagten – Jack ist das schnuppe. Er greift Valerie erst unter die adretten Arme, als sein Kahn in die Luft gejagt wird. Fortan hagelt es Beulen und blaue Bohnen, wobei er, Spezialausbildung sei Dank, in alle Richtungen feuern darf und doch stets jeden Gegner erlegt. Bei der Action will es Boll zudem besonders hip, weshalb die Kamera auch bis zur Konfusion durchgeschüttelt wird.

Dazu werden die Tropen in Kanadas Wälder verlegt und die Gen-Krieger der Einfachheit halber weiß angestrichen, was den trashigen Charme mehrt. Doch „Far Cry“ ist einfach sinnentleerte Action-Gülle unter völligem Verzicht auf Handlung, Atmosphäre und (innere) Logik. Dennoch, und da liegt das bewundernswerte Plus des Films, muss man Boll einen verhältnismäßig beachtlichen Unterhaltungswert anrechnen. Zwar ergibt sich dieser ausschließlich aus unfreiwilliger Komik, an der Schweiger ebenso seinen Anteil erhält wie der füllige Sidekick Chris Coppola („Postal“), allerdings ist das angesichts dümmlicher Dialoge und schwachsinniger Ballereien immer noch mehr wert als „Alone in the Dark“ und „BloodRayne“ zusammen. Und das ist immerhin auch schon was wert.

Wertung: (3 / 10)

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