Family Guy präsentiert: Blue Harvest (USA 2008)

familyguyblueharvestParodien auf „Star Wars“ gibt es viele. Doch nur wenige erblicken mit dem Segen von Urheber George Lucas das Licht des Fernsehschirms. „Family Guy präsentiert: Blue Harvest“ genießt dies Privileg und bekam gleich noch die Nutzungsrechte des Soundtracks dazu. Filmnerds geraten schon beim Titel in Verzückung, bezeichnet „Blue Harvest“ doch den während der Dreharbeiten benutzten Decknamen von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Die knapp 50-minütige Sonderepisode, in den USA als Auftakt der sechsten Staffel ausgestrahlt, richtet sich an eingefleischte Fans beider Lager. Denn so eng sich die Macher der anarchischen Trickfilmreihe auch an die klassische Vorlage halten, das Serienspezial bleibt unverkennbar auf Seth MacFarlanes dysfunktionale Kleinstadtfamilie Griffin zugeschnitten.

Chaos-Vater Peter erzählt, als ein Stromausfall den Fernseher lahm legt, zum Zeitvertreib „A New Hope“, die vierte Episode der Sternensaga. Nur werden die bekannten Rollen von den Charakteren der Serie vereinnahmt. Peter tritt als Draufgänger Han Solo in Erscheinung, der sprechende Familienhund Brian als dessen Sidekick Chewbacca, Mutter Lois übernimmt den Part von Prinzessin Leia und Sohn Chris gibt einen übergewichtigen Luke Skywalker. Der sexbesessene Nachbar Quagmire verwandelt sich in C3PO – und hat auf Tatooine Verkehr mit einem Nadeldrucker –, Familienfreund Cleveland leiht R2D2 Stimme und Haarteil. Darth Vader wird (natürlich) vom zweijährigen Baby Stewie interpretiert, fügt sich dessen Bestreben der Weltherrschaft doch prächtig in die (verkleinerte) Rüstung des dunklen Lords.

Mit viel Liebe zum Detail werden ganze Einstellungen des Originals kopiert, Ungereimtheiten aufgedeckt und Klischees durch den Kakao gezogen. Zum Einsatz kommen nahezu alle relevanten „Family Guy“-Charaktere, wobei der greise schwule Pädophile Herbert als Obi Wan Kenobi selbstredend dem jungen Skywalker nachstellt. Griffin-Tochter Meg, nicht nur innerhalb der Serie die unbeliebteste Figur, hat als Monster in der Mülldeponie des Todessterns nur einen wortlosen – deshalb aber nicht weniger brillanten – Kurzauftritt. Auch der verdiente TV-„Batman“ Adam West, sich selbst sprechender Bürgermeister der Serienstadt Quahog, ist mit von der Partie und steht als Offizier Tarkin dem Schurken Vader zur Seite.

Die Detailverliebtheit der Macher scheint keine Grenzen zu kennen. Sie äußert sich auch im Bonusmaterial der DVD, wo „Family Guy“-Schöpfer MacFarlane George Lucas interviewt und alle Beteiligten im Making Of die Zeit ihres Lebens verkünden. Ihre fast kindliche Begeisterungsfähigkeit wirkt ansteckend. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Sonderepisode, in der auch Anspielungen auf andere Filme nicht zu kurz kommen: Ob „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, „Breakfast Club“ oder „Die schrillen Vier auf Achse“, auch im „Star Wars“-Universum wird nicht mit Querverweisen gegeizt. Judd Nelson, Chevy Chase und Beverly D´Angelo treten dafür im (weit besseren) Original als Gastsprecher in Erscheinung.

Am Rande kommt selbstverständlich auch Roger, das Alien aus MacFarlanes Nachfolgeprojekt „American Dad!“, zu Ehren eines Cameos. „Blue Harvest“ lohnt aufgrund seiner Fülle an integrierten Kleinigkeiten unbedingt zur wiederholten Rezeption, ist das gesamte Ausmaß dieser Werkschöpfung im anhaltenden Gelächter doch unmöglich auf Anhieb zu erfassen. Der Ton bleibt gewohnt respektlos, der Umgang mit der Vorlage stets ehrerbietend. So ist die durchweg absurde wir ungemein liebevoll gestaltete Hommage an das größte Franchise der Kinogeschichte ein echtes Highlight der seit 1999 laufenden – und währenddessen für drei Jahre abgesetzten – Trickfilmserie. Für „Star Wars“-Fans und „Family Guy“-Anhänger somit gleichermaßen Pflichtprogramm.

Wertung: (8 / 10)

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