Factotum (USA/F/D/S/N 2005)

factotumCharles Bukowski war zu Lebzeiten Mythos, Idol und Gegensatz des amerikanischen Traums in einer Person. Der Schriftsteller lebte sein Leben auch in seinen Romanen und Gedichten, die stets autobiografische Züge von Bukowski beinhalteten. Der Filmemacher Bent Hamer verfilmte mit „Factotum“ einen Roman Bukowskis, bei dem der erfolglose Schriftsteller Hank Chinaski mitsamt seinem kümmerlichen Leben im Mittelpunkt steht und wie ein Querschnitt aus dem Leben von Bukowksi anmutet.

Hank Chinaski (Matt Dillon) lebt abseits der Gesellschaft, körperlich zwar anwesend, doch innerlich in seiner eigenen Welt gefangen. Eine feste Bleibe hat er nicht, vielmehr ist er eine Art Streuner, der von Punkt zu Punkt in seinem Leben taumelt. Sein Hang zum Alkohol steht ihm dabei im Weg, seine Jobs wechselt er aus genau diesem Grund regelmäßig. So etwas wie Kontinuität scheint erst mit Jan (Lili Taylor) in sein Leben zu kommen, mit der er beinahe eine richtige Beziehung aufbauen kann. Doch die traute Zweisamkeit wird schnell dadurch erschüttert, als Hank mit einem Kollegen Glück beim Glücksspiel hat und so mehr Geld in der Tasche hat. Es kommt wie es letztlich kommen musste, Hank verliert wieder einmal seinen Job und sein kurzes Glück liegt wieder hinter ihm.

„Factotum“ ist so etwas wie der leise Abgesang auf Heldentum. Wer an dem Leben von Hank Chinaski etwas finden kann, hat scheinbar seines schon hinter sich. Die nihilistische Darstellung und Beschreibung eines Verlierers – der jedoch auch nichts anderes sein möchte – erzählt Regisseur Bent Hamer in vornehmlich ruhigen Bildern. Sein Film lebt zudem nicht von großen Dialogen und intensiv geführten Gesprächen, vielmehr reicht ein beleibter Matt Dillon („L.A. Crash“, „Die Outsider“) aus, dem Film die nötige Tiefe und Dramatik zu verleihen. Seine Figur findet das Leben nicht sonderlich schön, will am Zustand aber auch gar nichts ändern, man gefällt sich als Niemand. Lediglich im Rauschzustand ist das Leben halbwegs zu ertragen, die Leidenschaft zu Schreiben ist zudem das Einzige, was dieser regelmäßig und mit Anstand tut.

Matt Dillon überzeugt auf ganzer Linie, behäbig stapft er durch sein Leben, rauchend, trinkend und perspektivlos. Sicherlich um zwanzig Kilo reicher, liefert er die vielleicht beste Darstellung seiner Karriere ab. „Factotum“ erzählt primär einen Abschnitt aus dem Leben Dillon´s, hat aber in Form von Lili Taylor („Das Geisterschloß“, „High Fidelity“) auch eine Art weibliches Pendant zu bieten. Höhepunkt der trauten Zweisamkeit ist die Trennung nach dem morgendlichen Aufstehen, wobei beide erst einmal ihren Mageninhalt entleeren, um direkt jedoch das nächste Bier zu öffnen. Der Film beschönigt nichts, will aber auch nicht so den Alkoholverfall darstellen wie es bspw. „Leaving Las Vegas“ tat.

Bent Hamer gelingt ein intensiver wie hervorragend gespielter Film, der mit minimalistischen Ansätzen eine große Wirkung erzielt. „Factotum“ ist melancholisch, traurig und witzig, quasi wie das richtige Leben. Oder zumindest ansatzweise wie aus dem Blickwinkel eines Charles Bukowski.

Wertung: (8 / 10)

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