Face to Face – Three Chords and a Half Truth (2013, Rise Records)

facetofacethreeIrgendwie war dies 2008 von Anfang an eine andere Reunion. Zwar standen zuerst wie so häufig nur ein paar Auftritte im Fokus, doch das erste Album „Laugh Now, Laugh Later“ nach der Wiedervereinigung zeigte den dahinter steckenden Ernst. Zwar konnte das Album die hohen Erwartungen nicht in Gänze erfüllen, es war aber eben auch kein unmotivierter Schnellschuss, sondern führte den musikalischen Weg der Band einfach weiter. Genau dies ist nun auch bei „Three Chords and a Half Truth” der Fall. Aufgenommen in Eigenregie und im heimischen Studio haben auch die neuen Songs kaum etwas mit den alten Klassikern der Mid-90’s gemein. Trotzdem aber klingen sie immer noch und unverkennbar wie FACE TO FACE.

War der Vorgänger nach der Auszeit vielleicht noch etwas unentschlossen, klingt das neue Album klarer und deutlicher. Das Tempo bewegt sich wieder ausschließlich in Midtempo-Regionen. Aber die Auswüchse sind nun unterschiedlicher. Ihre Vorlieben für 70’s Punkrock – vor allem THE CLASH – kommen immer wieder zum Vorschein. Allerdings lassen sie auch in diesen Momenten ihren eigenen Stil nicht außen vor und paaren dies mit unglaublich eingängigen Refrains und Chören („123 Drop”, „First Step, Misstep”). Ein bisschen SOCIAL DISTORTION scheinen bei „Right As Rain” durch und auch „Welcome Back to Nothing” mit dezentem Orgeleinsatz klingt deutlich rockiger. Gewohnt melodisch und knackig gibt sich die Band bei „Bright Lights Go Down“.

Aber trotzdem, die richtig großen Hits mögen sich nach dem ersten Lauf nicht aufdrängen. Die erste Hälfte des Albums klingt sehr launig, während die zweite dagegen etwas abflacht. Allerdings ändert sich dies schnell, wenn man sich auf die Platte einlässt und nicht nur die Veränderung zu 1994 im Kopf hat. Aber eine Skate-Punkband vom Reißbrett waren FACE TO FACE ohnehin noch nie, was auch die letzten Alben vor dem vorzeitigen Split belegen. Das großartig gesungene, sehr hymnische „Paper Tiger With Teeth“ entwickelt sich schnell zu einem der Höhepunkte des Albums und auch das ruhigere und ein bisschen verspielte „Marked Man“ oder „Across State Lines” wachsen schneller als man glaubt.

„Three Chords and a Half Truth“ hat gewiss mehr zu bieten als der Vorgänger. Ohne diesen zu sehr schmälern zu wollen. Aber mit ihrem achten Studiowerk ist der Band ein facettenreiches und vor allem sehr melodisches (Punk-)Rockalbum mit Herz und Charme gelungen, welches sich hervorragend in ihre Vita einreiht. Zudem bekommt man hier noch eine der besten und charismatischsten Stimmen des Genres zu hören. Wer will hier also ernsthaft meckern!?

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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