Ex Machina (GB 2015)

ex-machina„No matter how rich you get, shit goes wrong. You can’t insulate yourself from it. I used to think it was death and taxes you couldn’t avoid, but it’s actually death and shit.“ – Nathan

Als Schriftsteller und Drehbuchautor hat sich Alex Garland einen Namen gemacht. Sein Debütroman „The Beach“ (1996), prominent verfilmt mit Leonardo DiCaprio, wurde von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert. Nach seinem zweiten Buch „The Tesseract“ paktierte er mit Regisseur Danny Boyle und schrieb die Skripte zu „28 Days Later“ (2002) und „Sunshine“ (2005). Auch die Vorlagen zu „Alles, was wir geben mussten“ (2010) und „Dredd“ (2012) gehen auf sein Konto. Beim Science-Fiction-Thriller „Ex Machina“ wagte sich Garland erstmals auf den Regiestuhl. Dabei herausgekommen ist eine der klügsten Näherungen an das Thema künstliche Intelligenz, die das zeitgenössische Kino bislang hervorgebracht hat.

Dabei scheint es zunächst, als verhalte es sich mit diesem wie mit den meisten Werken Garlands, bei denen ein restlos packender Auftakt gen Ende in die Beliebigkeit driftet. Doch diesmal bekommt er nicht nur die erzählerische Kurve (der Lohn war eine Oscar-Nominierung für sein Drehbuch), sondern versieht dies faszinierende, unterschwellig mit philosophischen Denkanstößen aufgeladene Opus überdies mit einem bemerkenswerten Nachhall. Die Geschichte folgt dem jungen Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson, „Alles eine Frage der Zeit“), der beim Online-Suchmaschinen-Marktführer Bluebook angestellt ist. Dessen Gründer ist der exzentrische Milliardär Nathan (Oscar Isaac, „Inside Llewyn Davis“), der von der Öffentlichkeit abgeschottet neuen Projekten nachgeht.

Über ein internes Losverfahren erhält Caleb die Möglichkeit, Nathan in seinem abgelegenen Domizil zu besuchen und Einblicke in seine jüngste Schöpfung zu erhalten. Das weitgehend unterirdisch angelegte und durch Kameras rundum überwachte Anwesen liegt verborgen in der Natur und ist einzig per Helikopter zu erreichen. Die Überraschungen finden für Caleb damit aber längst kein Ende. Denn nach der Unterzeichnung einer Verschwiegenheitsklausel wird ihm Ava (Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander, „The Danish Girl“) vorgestellt, ein weiblicher Android, mit dem Nathan den Prototypen einer individuell denkenden Computerintelligenz geschaffen hat. In einer Reihe von Gesprächen soll Caleb ergründen, wie menschlich Ava wirklich ist.

In den wenigen unbeobachteten Momenten warnt sie ihn jedoch vor Nathan und bittet ihn, sie zu retten, bevor ihr Bewusstsein und damit zugleich ihre Identität gelöscht wird. Das partiell skrupellose und entgrenzte Wesen seines Gastgebers lassen Nathan tatsächlich schrittweise an dessen Integrität zweifeln. Nur drängt sich Caleb bald die Frage auf, wer das eigentliche Testobjekt bei dieser Versuchsanordnung darstellt. Dabei verknüpft Alex Garland visuell beeindruckend – die Effekte wurden insbesondere ob der großartigen, physisch weitteils angedeutet menschlichen Erscheinung Avas mit einem Oscar ausgezeichnet – kühl technisierte Sets und undurchsichtige Dialogszenen mit Anklang an Alan Turing, J. Robert Oppenheimer und Ludwig Wittgenstein.

Die kammerspielartige Inszenierung hält die unterschwellige Spannung konstant aufrecht und lässt die Hauptfiguren in ruhigen Bildern über die Beschaffenheit von Menschlichkeit und Weiblichkeit diskutieren. Zwar drohen Garland auch diesmal streckenweise die Zügel zu entgleiten, wenn sich vereinzelt Längen und eine gewisse Kalkulierbarkeit einschleichen, das intensive Finale und die damit verbundene Diskussionsgrundlage machen „Ex Machina“ aber zu einem kunstvoll ausgebreiteten und obendrein sehenswert gespielten Schauerstück über den Irrglauben menschlicher Kontrolle und das ethische Dilemma des unbändigen technologischen Fortschritts. Dem modernen Kino drückt Garland damit mehr denn je seinen eigentümlichen Stempel auf.

Wertung: (7,5 / 10)

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