Es war Mord – Tod im Garten (2018, Sounds of Subterrania)

Lange haben ES WAR MORD nicht gebraucht, um sich als feste Größe im deutschen Punk-Untergrund zu etablieren. Dabei setzen die fünf Berliner, deren musikalische Vita u. a. DIE SKEPTIKER und VORKRIEGSJUGEND umfasst, vorrangig auf ungeschönte Klänge. Wohlfühl-Texte und melodisches Ohrstreicheln sucht man hier vergebens. Das war so beim Debütalbum „Unter Kannibalen“ (2017) und setzt sich auf der Nachfolge-EP „Tod im Garten“ nahtlos fort.

Dabei vermitteln Songs wie „Maler ohne Bilder“, „Ringcenter“ oder „20 Meter“ den Eindruck, als würden ES WAR MORD diesmal geradliniger vorgehen – mit weicheren Zwischentönen, echten Refrains und überschaubareren Konturen. Doch das ist ein Trugschluss, der von kantigen, mitunter pfeilschnellen und textlich komplex verwobenen Beiträgen des Kalibers „Tod im Garten“, „Denen“, „Reagenzglas“ oder „Die Empörten“ ohne Umschweife kenntlich gemacht wird. Gerade deshalb stehen der Sieben-Track-EP – wie bereits bei „Unter Kannibalen“ – die kontrastierenden, leichter zugänglichen Nuancen mehr als gut ins dreckverkrustete Antlitz.

Über allem schwebt wiederum die atmosphärische Schwarzfärbung. Die führt musikalisch zu einer wuchtigen Melange aus SLIME und FLIEHENDE STÜRME, bei der kritische Kante und bedrückende Stimmung Hand in Hand gehen. Doch sollte genau das mehr Ansporn als Abschreckung sein. Denn mit „Tod im Garten“ zementieren die Hauptstädter den starken Eindruck ihres Erstlings mit beeindruckender Konstanz. Wem das nicht reicht: Die auf 666 Exemplare limitierte 10“-Vinyl-Version hält als Punker-Gimmick einen Rücken-Aufnäher parat. Grabschmuck kann manchmal so modisch sein.

Wertung: (7,5 / 10)

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