Erlöse uns von dem Bösen (USA 2014)

erloese-uns-von-dem-boesenHorrorfilme werden gern mit dem Texttafelzusatz „Basierend auf wahren Begebenheiten“ geschmückt. Denn nichts ist furchterregender als die Realität. Außer natürlich, sie wird nach typischer Bauart Hollywoods ausgebreitet. Dann weicht der Wahrheitsgehalt vorhersehbaren Inszenierungskniffen, die als einzig erschreckendes Moment die Ansammlung bewährter Klischees übrig lassen. So auch bei „Erlöse uns von dem Bösen“, einem Mystery-Thriller mit okkulten Anstreichern und dämonischen Heimsuchungen. Weil Anleihen bei „Der Exorzist“ aber nicht genügen, werden auch „Poltergeist“ und – auf visuell ästhetischer Ebene – „Sieben“ bemüht. Nur eigene Ideen machen sich in der Produktion von Jerry Bruckheimer („Fluch der Karibik“) rar. Da kann auch der reale Hintergrund wenig ausrichten.

Der beruft sich auf Berichte des ehemaligen New Yorker Polizisten Ralph Sarchie. Gespielt wird er von Eric Bana („Die Frau des Zeitreisenden“), der sich redlich müht und trotzdem nur Spielball eines Skriptes bleibt, das viel Zeit für den erzählerischen Unterbau aufbringt und letztlich doch nur auf klassische Geisterbahneffekte setzt. Im Prolog erfolgt der Blick ins Kriegsgebiet. US-Soldaten stoßen bei der Jagd auf Extremisten auf einen Höhleneingang, aus dem Nebel aufsteigt. Unter der Erde finden sie in Stein gemeißelte Inschriften, Totenschädel und eine unsichtbare Macht. Das ergreift Besitz vom Soldaten Santino (Sean Harris, „Die Borgias“) und gelangt so in die USA. Sarchie muss sich diese später im Film via Videoaufzeichnungen vorgeführte und eingangs lediglich angedeutete Erkenntnis hart erarbeiten. Wer glaubt schon an Gespenster?

Der Alltag des aufrechten Polizisten besteht u.a. aus Kinderleichen in Mülltonnen. Erlebnisse wie diese will er von Frau Jen (Olivia Munn, „Magic Mike“) und der gemeinsamen Tochter fernhalten. Doch das kommende Grauen wird ihn nicht allein an seine Grenzen führen, sondern auch seine Familie bedrohen. Nachdem er Jimmy (Chris Coy, „Hostel 3“), einen Kriegskameraden Santinos wegen häuslicher Gewalt angezählt hat, sucht er im nächtlichen Zoo nach einer Frau, die ihr Kind im Wahn in ein Tiergehege geworfen hat. Über sie stößt er auf den besessenen Veteranen, der die Beschwörungsformel des Bösen an die Wände verschiedener Wohnungen pinselt und das Grauen seinen Lauf nehmen lässt. Unterstützung findet Sarchie im Geistlichen Mendoza (Édgar Ramírez, „Carlos – Der Schakal“), der ihn zwingt, sein Gewissen von allen Sünden zu reinigen, um den Kampf gegen den Dämon aufnehmen zu können.

„Sinister“-Regisseur Scott Derrickson baut den Schrecken schleichend auf und investiert gerade anfangs viel Zeit in Figuren und Setting. Dem angedeuteten Authentizitätscharakter hilft das aber nur bedingt weiter, weil die Erzählung abgehackt wirkt und sich über mal wirksame, meist jedoch absehbare Schockmomente der finalen Konfrontation zwischen Sarchie/Mendoza und dem bösen Geist entgegenhangelt. Darstellerisch sticht Sean Harris hervor, der den Besessenen Ex-Soldaten und teuflischen Maler gerade im Schlussakt mit bemerkenswerter Intensität verkörpert. Allerdings wertet auch das den finalen Exorzismus im polizeilichen Verhörzimmer nur bedingt auf. Das Potenzial wirkt insgesamt verschenkt, weil der Spagat zwischen interpretatorischem Wahrheitsgehalt und Horrorkonfektion einfach zu selten funktionieren will. Dann doch lieber bei den zitierten Originalen bleiben.

Wertung: (5 / 10)

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