Equilibrium – Killer of Emotions (USA 2002)

equilibriumDüstere Zukunftsutopien sind nicht erst seit dem kommerziellen Siegeszug der finsteren „Matrix“ gefragter Stoff in Literatur und Film. Im Zuge dieses immer wieder aufflammenden Interesses an der Knechtung der Menschheit durch die grausame Obrigkeit (in Zeiten von 9/11 und George W. Bush aktueller denn je) zeigte sich auch Miramax-Tochter und Dimension Films bemüht, auf den Zug aufzuspringen. Das in unseren Breiten aufgrund des katastrophalen Abschneidens an den US-Kinokassen direkt in Verleih und Verkauf ausgewertete Ergebnis trägt den Titel „Equilibrium“ und markiert nach „One Man‘s Justice“ die zweite Regiearbeit des Deutschen Kurt Wimmer in Hollywood.

In nicht allzu fernen Tagen ist die Menschheit durch einen dritten Weltkrieg nahezu dezimiert. Um die Wurzeln allen Übels beim Schopfe zu packen und Hass und Gewalt endgültig auszumerzen, hat sich das um geistige Gleichschaltung bemühende totalitäre System die Auslöschung der Individualität zugunsten einheitlicher Konformität auf die Fahne geschrieben. Aus diesem Grunde gelten alle emotionserzeugenden Konsum- und Kulturgüter als gesellschaftsfeindlich und ordnungsstörend, täglich erforderliche Dosen flüssiger Medikamente sorgen für die notwendige Gefügigkeit.

Als Exekutivorgan dienlich erweisen sich die sogenannten Kleriker, Scharfrichter, Vollstrecker und kampferprobte Ein-Mann-Armee in einer Person. Der unerbittliche Kleriker John Preston (Christian Bale) zählt zur Elite der schier unbesiegbaren Bestrafungsorgane. Doch als der seine Dosis absetzt und sich von der schieren Emotionsflut überwältigen lässt, stellt er die Richtigkeit der staatlichen Ideologie in Frage und gerät als Sinnesstraftäter selbst auf die Abschussliste. Allerdings lässt man ihn gewähren, um die im Untergrund aktive Rebellion lokalisieren und auslöschen zu können.

Gehüllt in eine stimmige Atmosphäre und gekleidet in eine sehenswerte optische Aufmachung, offenbart „Equilibrium“ seine größten Schwächen in der banalen Nonfunktionalität des scheinbar perfekten Systems. Doch inhaltlicher Schwachheiten und einiger im Mittelteil auftretender Längen zum Trotze weiß Kurt Wimmers Kassengift auf formaler Ebene durchaus zu gefallen. Immerhin sorgen bereits die ansprechende Besetzung und einige ausgefeilte Actionszenarien für unterhaltsame 96 Minuten. Weiteres Potential verschenkt der Film jedoch durch die allzu auf konsequente Ernsthaftigkeit bedachte Inszenierung. Zudem scheinen Wimmer im Schlussdrittel sichtlich die Inspirationen ausgegangen zu sein, denn je näher der Film seinem Finale entgegenholpert, desto mehr Klischees und Ungereimtheiten bedient er.

Der ordentlich zu Werke gehenden Darstellerriege bleibt derweil kaum Versagen vorzuwerfen. Christian Bale („American Psycho“), Taye Diggs („Chicago“), Sean Bean („Der Herr der Ringe – Die Gefährten“), Emily Watson („Gosford Park“), Sean Pertwee („Soldier”) und William Fichtner („Black Hawk Down“) zeigen sich immerhin um charakterliche Tiefe und Ausdrucksstärke bemüht. Somit bleibt „Equilibrium“ ein ansehnlicher Sci-Fi-Thriller, der jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und gegen Ende arg verquast und uninspiriert erscheint. Trotzdem bietet der von Jan de Bont („Speed“) Produzierte Film solide Unterhaltung und wird wohl zumindest als Verleihpremiere sein durchaus verdientes Publikum finden.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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