Ennio Morricone ist tot

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Mehr Legende geht nicht. Wo die Namen von Filmkomponisten sonst eher ein Achselzucken hervorrufen, stach er stets hervor: Ennio Morricone. Er war ein meisterhafter Musiker, der Kinoproduktionen um Klangbilder bereicherte, die nachwirken. Am 6. Juli ist Morricone im Alter von 91 Jahren in Rom an den Folgen eines durch einen Sturz verursachten Oberschenkelhalsbruches gestorben.

Sein Name ist untrüglich mit einigen Referenzwerken verbunden: Sergio Leones „Zwei glorreiche Halunken“ (1966), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) und „Es war einmal in Amerika“ (1984), darüber hinaus „Mission“ (1986) oder auch „Cinema Paradiso“ (1988). Doch bilden diese lediglich einen Tropfen in einem sinnbildlichen Meer kreativer Leidenschaft. In Summe schuf der diplomierte Komponist den Soundtrack für mehr als 500 Filme unterschiedlicher Genres.

Was Morricone von anderen Musikschaffenden früh unterschied, war der konsequente Verzicht auf Scheuklappen. So finden sich in seinen zahlreichen Musiken für Italo-Western – ein Genre, mit dem der Maestro bis heute hauptsächlich in Verbindung gebracht wird – u. a. Soundeffekte wie das Knallen einer Peitsche, schrille Schreie oder Tierlaute. Dieser Gegensatz zum klassischen Orchester-Duktus Hollywoods machte ihn rasch außerhalb seiner italienischen Heimat bekannt.

Im Laufe der Jahre arbeitete Morricone mit einer Vielzahl namhafter Regisseure zusammen, darunter Sergio Sollima („Der Gehetzte der Sierra Madre“, / „Von Angesicht zu Angesicht“, beide 1967 / „Brutale Stadt“, 1970), Sergio Corbucci („Die Grausamen“, 1966 / „Die gefürchteten Zwei“ / „Leichen pflastern seinen Weg“, beide 1968),  Bernardo Bertolucci („Partner“, 1968 / „1900“, 1976 / „La Luna“, 1979), Pier Paolo Pasolini („Teorema“, 1968 / „Decameron“, 1970 / „Die 120 Tage von Sodom“, 1975), Don Siegel („Ein Fressen für die Geier“, 1970), Dario Argento („Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“, 1970 / „Die neunschwänzige Katze“ / „Vier Fliegen auf grauem Samt“, beide 1971), John Carpenter („Das Ding aus einer anderen Welt“, 1982), Brian De Palma („The Untouchables“, 1987 / „Die Verdammten des Krieges“, 1989 / „Mission to Mars“, 2000), Roman Polanski („Frantic“, 1988) und Quentin Tarantino („Django Unchained“, 2012 / „The Hateful Eight“, 2015).

Weltweit wurden mehr als 50 Millionen Alben mit der Musik Morricones verkauft. Darüber hinaus wurde er mit zahlreichen Film- und Musik-Preisen prämiert. Nach vier Oscar-Nominierungen (u.a. für „Mission“ und „The Untouchables“) erhielt Morricone 2007 den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk. Mit seiner sechsten Nominierung erhielt er die Trophäe schließlich 2016 für „The Hateful Eight“ auf „klassischem“ Wege.

Keine Frage: Das Oeuvre des wohl bekanntesten Komponisten der Welt wird unvergessen bleiben!

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