Ender’s Game – Das große Spiel (USA 2013)

enders-game„You will have to win this war one battle at a time.“ – Mazer Rackham

Jugendbuchverfilmungen haben Konjunktur. Dass es dabei abseits der erforderlichen Portion Abenteuer und Romantik auch ambivalent zugehen kann, beweist „Die Tribute von Panem“. Ein ebenfalls eher düster gefärbter Vertreter ist „Ender’s Game“, den Gavin Hood („X-Men Origins: Wolverine“) auf Basis von Orson Scott Cards 1985 veröffentlichtem Zukunftsentwurf „Das große Spiel“ realisierte. So richtig Teenie-gerecht ist der Stoff allerdings nicht. Denn der entscheidende Präventionskrieg der Menschen gegen eine insektoide Alien-Rasse soll aufgrund ihrer rascheren Auffassungsgabe von Kindern dirigiert werden. Und deren psychisches Traktat ist den erwachsenen Militärs herzlich egal.

An deren Spitze steht „Indiana Jones“ Harrison Ford, der als Colonel Graff für die harte Ausbildung der jungen Rekruten verantwortlich ist. Er sucht den perfekten Strategen, um den Jahrzehnte zuvor nur knapp besiegten Aggressoren aus den Tiefen des Weltraums in einem vernichtenden Erstschlag den Garaus zu machen. Im jungen Ender Wiggin (Asa Butterfield, „Hugo Cabret“) glaubt er den Heilsbringer gefunden zu haben. Denn der ist ein kühler Stratege, der, um zukünftige Konflikte zu ersticken, auch mal auf einen ihn drangsalierenden Kadetten eintritt, wenn dieser bereits am Boden liegt. Graff bereitet ihn durch Isolation auf die Einsamkeit eines Befehlshabers vor. Die von Schwester Valentine (Abigail Breslin, „Little Miss Sunshine“) vorgelebte Empathie kann er jedoch nicht vollends ausblenden.

Die politische Dimension der Geschichte, die der auch produzierende Urheber Cards mit Blick auf den Kalten Krieg einflocht, vernachlässigt Drehbuchautor und Regisseur Hood beinahe gänzlich. Die sichtbare Raffung der vielschichtigen Vorlage äußert sich vor allem in bruchstückhaft verklebten Schlüsselszenen. Auch bleiben für die moralische Kontrastierung relevante Nebenfiguren – allen voran Viola Davis („The Help“) als im Buch nicht vorkommende Psychologin Gwen Anderson – nur unbedeutendes Beiwerk. Wichtiger scheinen da schon soldatische Mitstreiter wie die junge Petra (Hailee Steinfeld, „True Grit“), wobei auf eine Teenie-Romanze diesmal verzichtet wird.

So steigt Ender in der Hierarchie immer weiter auf, bis er auf einem Außenposten im Feindgebiet mit Kriegs-Legende Mazer Rackham (diesmal mit Maori-Gesichtstätowierung und Aussie-Akzent: Ben Kingsley, „Iron Man 3“) realistische Kriegssimulationen am Computer übt. Mit für ihn erschreckender finaler Einsicht. Die fragmentarisch ausgedünnte Dystopie wird durch bildgewaltige Effekt- und Schlachtszenarien aufgewertet. Trotz der gängigen Blockbuster-Verpackung entfaltet das bisweilen bedrückende Science-Fiction-Opus vorrangig als hintergründige Allegorie auf das destruktive Wesen des Menschen Wirkung. Doch auch wenn die Jungdarsteller überzeugen und der humanistische Ausklang manch pathetischen Unterton entkräftet, ein in sich rundes Werk ist „Ender’s Game“ letztlich nicht geworden.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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