Elizabethtown (USA 2005)

elizabethtown„Es geht mir gut.“ – Drew Baylor

Mit einigen wenigen Filmen hat sich Cameron Crowe in die Regie-Elite Hollywoods katapultiert. Angefangen bei „Jerry Maguire“, bei dem Crowe das Sportgeschehen beleuchtete oder aber vor allem mit „Almost Famous“, bei dem er eigene Erfahrungen verarbeitete. Sein Hang zur Melodramatik steht auch bei seinem neuesten Werk „Elizabethtown“ im Vordergrund, bei dem wieder einmal die perfekte Mischung aus Schauspielern, gefühlvollen Bildern und Musik zu begeistern weiß.

Der junge wie aufstrebende Drew Baylor (Orlando Bloom) hat auf den ersten Blick so ziemlich alles, was man sich wünschen kann: Erfolg im Beruf und ein gutes Aussehen. Doch mit einem Schlag scheint sich sein glanzvolles Leben wie nichts aufzulösen. Seine neueste Sportschuhkreation wird bereits vor dem Erscheinen von der Presse zerrissen, der finanzielle Schaden beläuft sich – knapp aufgerundet – auf eine Milliarde Dollar. Da kann auch sein noch so freundlicher Chef Phil (Alec Baldwin) keine gute Miene zum bösen Spiel machen. Drew ist seinen Job los.

Inmitten seiner selbstzerstörerischen Trauer über sein nun verpfuschtes Leben platzt ein Anruf seiner Schwester Heather (Judy Greer), die ihm weinend vom plötzlichen Tod ihres Vaters erzählt. Als ältester Spross muss Drew sich nun nach Kentucky begeben, um den Leichnam seines Vaters bei dessen Familie abzuholen. Denn seine Mutter Hollie (Susan Sarandon) fühlt sich dem nicht gewachsen. Auf seinem Flug lernt er die aufgeweckte Stewardess Claire (Kirsten Dunst) kennen, die ihren einzigen Fluggast inmitten seiner Trauer zu unterhalten versucht. Vor Ort trifft Drew auf die Familie seines Vaters, die er jahrelang nicht gesehen hat und die in ihm fast vergessene Gefühle weckt.

„Elizabethtown“ ist ein typischer Cameron Crowe-Film geworden, bei dem eine Geschichte erzählt wird, die vor Gefühlen, aber auch vor Trauer nicht halt macht. Genau diese Mischung liegt ihm, wohl niemand anders kann melodramatische Geschichten derzeit in Hollywood so gut erzählen wie Crowe. Dabei sind es aber im Grunde weniger die Geschichten, sondern vielmehr die Figuren seiner Filme, die seine Werke zu etwas Besonderem machen. War es die Wandlung von Tom Cruise in „Jerry Maguire“ oder das Erwachsenwerden von Patrick Fugit in „Almost Famous“, so ist es hier die Art „Auferstehung“ von Orlando Bloom. Dieser hat angesichts seines tiefen Karrierefalls mit seinem Leben bereits abgeschlossen, doch ausgerechnet der Tod seines Vaters und das damit verbundene Umfeld lassen ihn neuen Lebensmut schöpfen bzw. seine große Liebe finden.

Ob Orlando Bloom („Königreich der Himmel“) nun ein guter Schauspieler ist, sei einfach mal dahingestellt. Objektiv betrachtet wohl weniger, doch verleiht er seinem Charakter im Rahmen seiner Möglichkeiten Farbe. Wenn allerdings eine solch charismatische Person wie Kirsten Dunst („The Virgin Suicides“) mit ihm auf der Leinwand zu sehen ist, verblasst sein Stern schnell. Mit ihr kann Bloom nie mithalten, allein ihre Ausstrahlung ist allem, was er zu bieten hat, überlegen. Dunst ist so etwas wie der Lichtblick im Film, an dem sich letztlich auch Bloom wieder aus seinem Tief ziehen kann. Susan Sarandon („Seite an Seite“) verkörpert ihre Figur mit der gewohnten Sensibilität und Souveränität, an ihr zeigt sich eindeutig, dass Crowe seine Rollen bis ins letzte Detail plant und sorgfältig auswählt. Alec Baldwin („Miami Blues“) hat einen überzeugenden Kurzauftritt, ebenso wie Judy Greer („30 über Nacht“) oder Jessica Biel („Stealth“).

Die musikalische Untermalung hat für Crowe immer eine besondere Bedeutung, schrieb er doch früher selbst einmal für das Rolling Stone-Magazin. Auch in „Elizabethtown“ vereinen sich Bilder und Musik wieder in unvergleichlicher Manier. Zu jeder noch so traurigen wie amüsanten Szene findet er den passenden Soundtrack, ein Talent was neben ihm wohl sonst niemand so beherrscht. Zwar weist der Film in der Mitte einige kleinere Hänger auf, doch gerade das begeisternde Schlussviertel entschädigt dafür umso mehr. „Elizabethtown“ ist ein gefühlvoller Blick ins alltägliche Leben, voller Wehmut, Trauer und Heiterkeit. Nie übertrieben, sondern ehrlich, einfach ein typischer Cameron Crowe.

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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