Düstere Legenden (USA/F 1998)

duestere-legendenMit Wes Cravens „Scream“ erlebte der Schlitzerfilm seine Renaissance. Wie es das Geschäft so will, folgten in den nächsten Jahren unzählige Ableger des weltweiten Erfolges. Nur die wenigsten konnten überzeugen. Vor allem deswegen, weil ihnen die Ironie des Vorreiters fehlte, aber auch, weil man lediglich die gängigen Klischees bediente, mit denen das „Original“ noch so treffend spielte. Der Begriff „treffend” mag bei Jamie Blanks „Düstere Legenden“ nicht ganz passend erscheinen, aber trotzdem ist das aus heutiger Sicht recht prominent besetzte Schlitzerfilmchen (u.a. Tara Reid, Joshua Jackson) ein noch zumindest halbwegs unterhaltsamer Beitrag.

Zugebenermaßen wühlt der Film schon recht ordentlich und ungeniert in der Klischeekiste. Vor allem was die unterschiedlichen Figuren angeht. Vom freakigen Tankwart, dem düsteren Hausmeister bis hin zur Lolita ist alles vertreten, was irgendwie nach Schema F anmutet. Alicia Witt („88 Minutes“) alias Natalie kommt da fast noch am besten weg. An ihrem College unterrichtet Robert Englund („A Nightmare on Elm Street“) in Sachen düsterer Legenden bzw. Schauergeschichten. Warum genau dieses Fach auf dem Lehrplan steht, tut nichts zur Sache. Kurze Zeit später schon verschwinden die ersten von Natalies Mitschülern. Unterstützung bei der Killer-Hatz findet sie in dem Nachwuchs-Reporter Paul (Jared Leto). Doch erst spät bemerkt sie, dass der Mörder eigentlich hinter ihr her ist.

Totgetrampelt war das Genre mit Erscheinen von „Düstere Legenden“ noch nicht. Allerdings muss man Regisseur Jamie Blanks – der vor wenigen Jahren noch mit „Storm Warning“ einen erstaunlich guten und harten Beitrag ablieferte – schon vorwerfen, dass bereits sein Frühwerk kaum inhaltliche Akzente setzen konnte. Dabei hätte man aus dem Grundgerüst, die Morde vor dem Hintergrund von Mythen und Legenden stattfinden zu lassen, deutlich mehr herausholen können. Denn die unterschiedlichen Morde werden nicht entsprechend hervorgehoben oder in das Gesamtgefüge kohärent eingefügt. Die Geschichte, deren Entwicklung und Auflösung wirkt so vorhersehbar wie hanebüchen. Nach Schema F lichten sich die Reihen der jungen Darsteller, die in ihrem Tun und Handeln mehr als nur eine Scheuklappe aufhaben.

Es gibt gewiss schlimmere Vertreter dieses Genres, wie die folgenden Jahre eindeutig belegen sollten. Hier stimmt zumindest das Tempo und die Vielzahl bekannter Gesichter entschädigt angesichts des immerwährenden inhaltlichen Schwachsinns für diverse Schläge vor die Stirn. Das macht den Film dann gleich doch mal etwas unterhaltsamer. Wohl aber nicht gruseliger, was wohl eher die Absicht war. Jedwedes logische Verständnis sollte man allerdings im Vorfeld während der nicht mal anderthalb Stunden auf Reisen schicken.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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