Duell – Enemy at the Gates (D/GB/IRL/USA 2001)

duell-enemy-at-the-gatesIn „Enemy at the Gates“ reduziert Jean-Jacques Annaud („Der Name der Rose”) die verheerende Kesselschlacht von Stalingrad auf ein Männerduell nach Western-Manier. Das aber ist bei weitem nicht das einzige Manko eines aufwendigen Kriegs-Epos, das durch eine ganze Reihe grober Fehlentscheidungen nur aufgrund seiner brachialen Schusswechsel in Erinnerung bleibt. Für ein Projekt mit Antikriegs-Botschaft gleicht das einer Bankrotterklärung.

Zwar liegt der Fehler, mehr noch die Lächerlichkeit, im Detail, als großes Ganzes aber scheitert das auf wahren Begebenheiten beruhende Drama mit selten erlebtem Bombast. Der Zweikampf wird von Scharfschützen ausgetragen, die sich im beeindruckend angehäuften und wirklich apokalyptische Stimmung erzeugenden Trümmerfeld, das einst eine blühende Stadt an der Wolga war, nach allen Regeln der Schießkunst beharken. Der eine ist Vassili Zaitsev, ein russisches Landei mit Adleraugen und dem sehnlichen Wunsch, nach der Soldatenlaufbahn Fabrikarbeiter zu werden.

Der andere ist Major König, ein adretter Deutscher von aristokratischer Noblesse. An dieser doch recht plump geratenen Gegenüberstellung zeigt sich die Ideologie des Klassenkampfes. Auf der einen Seite die im Prunk aufgehenden Nazis, bei denen Befehlshaber Paulus generalstabsmäßig einen mit einsamem Unterstand versehenen Panzerparkplatz besetzt, auf der anderen die simplen, nach sozialer Gleichheit strebenden Stalinisten in zerbombten Gebäuden. Gespielt werden sie von einer namhaften, in weiten Teilen jedoch hoffnungslos fehlbesetzten Darstellerriege (darunter u.a. „Hellboy” Ron Perlman), die schon allein dadurch scheitert, auf russischer Seite fast durchweg mit akzentreichen Briten bestückt zu sein.

Jude Law („Gattaca“) ist Vassili, Joseph Fiennes („Shakespeare in Love“) der seine Schießkünste für propagandistische Zwecke ausschlachtende Schreibtischtäter Danilov. Neben dem Duell mit König, gespielt von Ed Harris („Pollock“), verdichtet sich auch ein Interessenskonflikt mit dem Genossen, bei dem es um die Liebe von Tania (Rachel Weisz, „Sunshine“) geht. Diese Dreiecksbeziehung wirkt dramaturgisch derart klischeehaft, dass daneben selbst die Auseinandersetzung mit dem Deutschen, aufgezogen nach allen Regeln vordergründiger Spannungserzeugung, ins Hintertreffen gerät.

Den Anspruch mehren soll die Grausamkeit. In Zügen werden russische Soldaten gen Stalingrad verfrachtet und unter unmenschlichen Bedingungen zur Schlachtbank geführt. Wer nicht gehorcht, wird erschossen. Die subjektive, zunehmend auf Einzelpersonen fokussierte Sicht aber macht die Kriegsgräuel zur Privatfehde, von deren Ausgang auch Sieg oder Niederlage der jeweiligen Partei abhängt. Bisweilen nimmt das groteske Formen an, auch weil sich Bob Hoskins („Nixon“) mit falscher Nase und Zahnreihe durch die Präsenz des Menschenfeinds Khrushchev chargiert. So bleibt am Ende doch nur der Eindruck eines überteuerten Actionfilms, bei dem nicht nur die ins Visier genommenen Soldaten große Löcher im Kopf haben.

Wertung: (4 / 10)

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