Drei Halunken erster Klasse (I/E/F 1975)

drei-halunken-erster-klasse„Auch das ist wieder so ‘ne Geschichte aus’m Spaghetti-Western, die uns keiner glauben wird.“ – Stetson muss es wissen

Eli Wallach („The Good, the Bad and the Ugly“), Giuliano Gemma („Der Tod ritt dienstags“), Tomas Milian („Der Gehetzte der Sierra Madre“): Drei Namen, die die Herzen eingefleischter Italo-Western-Freunde höher schlagen lassen. Gemeinsam vor der Kamera standen sie in der Persiflage „Drei Halunken erster Klasse“, die „Django“-Regisseur Sergio Corbucci mit zahlreichen Anspielungen und Verweisen auf das Sujet der europäischen Pferdeoper spickte. Das zeigt bereits der Auftakt, eine mit Titeln einschlägiger Genre-Klassiker verzierte Wuttirade („Er ist Ringo, er ist Django, ist er nicht zum Kotzen euer Vater?“) aus Frauenmunde.

„Ach entschuldige Sheriff, ich muss dir so auf die Kimme rücken. Ich bin nicht andersrum, aber der Zosse ist ein bisschen kurz geraten für’n Zweisitzer.“ – Stetson
„Ja, aber dafür ist es ein Cabrio.“ – Gideon

Sie kritisiert lauthals („So was wie du gehört mit Pferdeäpfeln erschlagen.“) den Arbeitsethos ihres Gatten, dem gefürchteten Sheriff Gideon (Wallach). Der verteidigt Recht und Ordnung, ohne je eine Gegenleistung (oder ein ordentliches Gehalt) verlangt zu haben. So viel Selbstlosigkeit imponiert dem Schweizer (Gemma), auch als Stetson bekannt, der sich erst per Anhalter mitnehmen lässt und den nicht ahnenden Gideon kurz darauf ausraubt. Die Flucht wird bald mit dem Zug fortgesetzt, in dem sich ein japanischer Schwertkämpfer nebst Zwergpony und tumbem Diener (in seiner Maskerade kaum zu erkennen: Milian) findet. Der, namentlich Sakura, wär doch so gern selbst ein Samurai.

„Hier gedeihen die Gesetzlosen wie die Fliegenpilze im Nähkörbchen.“ – Wieder Stetson

Dumm nur, dass, als er mit dem Schwert des volltrunkenen Gebieters gerade den toughen Helden markiert, eine Gruppe (falscher) Indianer anrückt, den entwaffneten Samurai tötet und das Pony kidnappt. Weil dies als Herrschaftszeugnis des Kaisers von unschätzbarem Wert ist, heuert der japanische Konsul den verdienten Gideon zur Wiederbeschaffung an. Das Lösegeld von 1 Millionen Dollar erregt aber auch die Aufmerksamkeit von Gauner Stetson, der dem Sheriff und Sakura, der seine Ehre um jeden Preis wieder herstellen will, fortan an den Fersen klebt.

„Ciao und jodeln sie mal, hier gibt’s ein gutes Echo.“ – Und noch mal Stetson

Die Not schweißt die grundverschiedenen Männer zusammen, schließlich hetzen ihnen die Drahtzieher der Entführung den ehemaligen Südstaatenoffizier Donovan (Manuel de Blas, „Der Teufel kennt kein Halleluja“) nach. Die so turbulente wie zusammenhanglos erzählte Western-Komödie, bei der Tausendsassa Gemma auch mal einen Sarg durch die Wüste ziehen darf, dringt am Ende sogar noch in politische Dimensionen vor, wenn das Wohl eines betrogenen Indianerstammes gegen die Gier des weißen Mannes verteidigt werden muss. Die spielfreudigen Darsteller wiegen die teils gnadenlose Albernheit auf und dank Corbuccis versierter Inszenierung kann diese späte Verulke durchaus Spaß machen.

Wertung: (5 / 10)

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