Dreamer – Ein Traum wird wahr (USA 2005)

dreamer-ein-traum-wird-wahrJohn Gatins hat einen Hang zum Theatralischen. Als Drehbuchautor von so schmalzigen Streifen wie „Coach Carter“ hat er schon ein ums andere mal unter Beweis gestellt, dass Pathos doch auch etwas Schönes ist. Jetzt hat er mit „Dreamer“ das erste Mal Regie geführt. Soviel kann gesagt werden: John Gatins bleibt sich treu. Die Frage ist, ob das so gut ist.

Ben Crane (Kurt Russell, „Die Klapperschlange“) war einst ein stolzer Mann. Auf einem Gestüt besaß er Pferde, die er wie seine Kinder liebte und Tag und Nacht pflegte. Doch mit dem Hof ging es bergab und jetzt arbeitet er für den schrecklich unsensiblen Stallbesitzer Palmer (David Morse, „The Green Mile“), bei dem nicht mehr der edle Vierbeiner zählt, sondern nur der schnöde Mammon. Als sich das Pferd Sonya bei einem Rennen das Bein bricht, verhindert Ben, dass das Tier sofort getötet wird, da Bens Tochter Cale (Dakota Fanning, „Krieg der Welten”) mit dabei ist. Daraufhin wird er von Palmer gefeuert, darf jedoch das Pferd behalten. Langsam aber sicher wird Sonya gesund gepflegt. Als sie wieder fit ist, hat Cale eine Idee: Sonya soll wieder Rennen laufen.

Es ist nicht nötig, das Ende des Films zu verraten. Der einzige Zweifel am Ausgang dieses Schmachtfetzen kann dadurch aufkommen, dass der geneigte Zuschauer sich fragt, ob es wirklich noch einen Regisseur gibt, der sich traut, so ein plattes Stück Zelluloid abzuliefern. Dummerweise gibt es ihn. Doch das vor Kitsch nur so triefende Drehbuch ist nicht das einzige Problem des Filmchens. Kurt Russell hat offensichtlich überhaupt keine Lust, irgendetwas von seinem Talent in die Rolle des mürrischen, aber doch goldherzigen Ben Crane zu legen. Dakota Fanning setzt hier zwar neue Maßstäbe im enttäuscht gucken und dann wegrennen, ist aber ansonsten auch nur schwer erträglich. Und um die Besetzung völlig der Skurrilität preiszugeben, spielt Veteran Kris Kristofferon („Blade“) auch noch den Vater Ben Cranes, der den Großteil seiner Leinwandpräsenz mit wissenden Blicken in die undefinierte Ferne verbringt.

Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, hat Gatins neben der akut unterbeschäftigten Elizabeth Shue („Leaving Las Vegas”) noch zwei ethnische Sidekicks eingebaut, gespielt von Freddy Rodriguez („Six Feet Under“) und Luis Guzman („Traffic“). Es ist wirklich unwürdig, was für lächerliche Charaktere hier gezeichnet wurden – Hauptsache guter, harmloser Familienspaß wird geliefert. Wen interessieren da schon Klischees? Nein, hier stimmt wirklich sehr, sehr wenig. Geradezu aggressiv machen die in penetrant goldenes Licht getauchten Aufnahmen von Feldern, die sanft im Winde wiegen. An Kitsch ist „Dreamer“ in den letzten Jahren von wenig übertroffen worden – und das ist wahrlich der einzige Superlativ, den dieser Film für sich beanspruchen kann. Was hier unter Familienunterhaltung verstanden wird, ist ein einfach nur stumpfer Film, der jedem Übersiebenjährigen und Nichtwendyleser ziemlich schnell auf den Geist gehen dürfte.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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