Draculas Hexenjagd (GB 1971)

draculas-hexenjagdGute Mädchen kommen in den Himmel, böse sucht der lüsterne Blutsauger heim. So oder so ähnlich will es die naive Gruselwelt der britischen Hammer-Studios, wo über Jahrzehnte Vampire und andere Spukgestalten ihr Unwesen trieben. Ein später Beitrag ist „Twins of Evil“, dessen deutscher Titel „Draculas Hexenjagd“ wohl eher dem Bestreben geschuldet blieb, an die großen Publikumserfolge des Genres anknüpfen zu wollen. Doch mit dem berühmten Fangzahn hat John Houghs („Tanz der Totenköpfe“) Horror-Mär wenig gemein. Vielmehr spielt der dritte Film der inoffiziellen „Karnstein“-Reihe auf die bereits 1871 entstandene Romanfigur „Carmilla“ an.

Eine puritanische Bruderschaft unter Führung des unbarmherzigen Frömmlers Gustav Weis (Genre-Star Peter Cushing, „Dracula und seine Bräute“) stellt des Nachts jungen Damen nach, um sie als Hexen zu verbrennen. Gegen den Einfluss des Grafen Karnstein (Damien Thomas, „Shogun“) ist er jedoch machtlos, schließlich steht der unter königlichem Protektorat. Als Weis’ Nichten, die Zwillinge Frieda und Maria (die ersten im Playboy abgelichteten Zwillingsschwestern: Madeleine und Mary Collinson), zu Besuch kommen, lässt sich die wollüstige Frieda ausgerechnet mit dem adligen Unhold ein, der zu allem Übel auch noch praktizierender Teufelsanbeter ist.

Bei einem seiner ketzerischen Rituale erweckt Karnstein Vampirin Mircalla – ein Anagramm zu Joseph Sheridans eingangs erwähntem „Carmilla“-Charakter – zu neuem Leben und wird von ihr sogleich selbst in eine blutdürstende Nachtgestalt verwandelt. In nebelverhangenen Studiosets beginnt ein Kampf um die Unschuld der Zwillinge, in den auch der sorgenvolle Schulmeister Anton (David Warbeck, „Geisterstadt der Zombies“) eingreift. Am Ende lässt der bigotte Mob in gebotener Hast beim örtlichen Schmied die Klingen schärfen (!) und stattet dem Grafen auf seinem Schloss einen klärenden Besuch ab. Die Folgen sind unzweckmäßige Gewaltspitzen, Ketchup-Blut und der erzwungene Tod manch eines Protagonisten.

Harry Robertsons („Comtesse des Grauens“) eindringlicher Score und die Präsenz des ausgemergelt wirkenden Peter Cushing, dem die Verbitterung durch den nur kurz zuvor betrauerten Tod seiner Gattin geradewegs ins Gesicht gemeißelt scheint, machen diese Kollision der beliebten Horror-Themen Vampirismus und Hexenverbrennung zum ansehnlichen Schauerstück. Blut, Nacktheit und christlicher Fanatismus muten wenig originell an und wurden von Romeros 1968 vollzogener Modernisierung des Horror-Genres auch bereits in die Nostalgie-Ecke verdrängt, der immerhin gediegene atmosphärische Unterbau macht den Spuk für Hammer-Freunde aber auch heute noch leicht goutierbar.

Wertung: (6 / 10)

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