Dracula (USA 1931)

dracula-lugosiDas harte Los eines Gruselstars: Der 1882 in Lugosch (damals Österreich-Ungarn, heute Rumänien) geborene Bela Lugosi war mit Leib und Seele dem Horrorfilm verhaftet. Als er 1931 mit seiner Interpretation Draculas Kinogeschichte schrieb, konnte er bereits auf einen langjährigen Werdegang als Kino- und Theatermime verweisen. In Schwung kam seine Karriere jedoch erst, als er 1921 nach Amerika immigrierte. Ab 1927 verkörperte er bereits auf der Bühne den von Bram Stoker erdachten Vampir-Fürsten. Zu Lugosis Markenzeichen – und gleichermaßen zu seinem Vermächtnis – wurde die Rolle jedoch erst vier Jahre später.

Für die nach Murnaus „Nosferatu“ (1922) zweite Verfilmung des Stoffes hoffte Regisseur Tod Browning („Freaks“) auf die Mitwirkung von Lon Chaney sen., Vater des späteren „Wolfsmensch“ Lon Chaney jun. Jedoch erlag der populäre Horror-Darsteller (u.a. „Das Phantom der Oper“) noch vor Drehbeginn einem Kehlkopfkrebsleiden. Browning bot die Rolle schließlich Lugosi an, der zuvor zwischen dem Filmemacher und Stokers Witwe verhandelt hatte, um der geplanten Produktion (im Gegensatz zu „Nosferatu“) ihren Segen, respektive die Rechte zu sichern.

Lugosi gab sich sogar mit einer bescheidenen wöchentlichen Gage von 500 Dollar zufrieden, um von Universal-Chef Carl Laemmle jun. als Hauptdarsteller akzeptiert zu werden. Dass „Dracula“ zum finanziellen Erfolg und nicht zuletzt zu einem der großen Grusel-Klassiker der Schwarz-Weiß-Ära avancierte, verdankt der Film insbesondere seiner Performance. Lugosi verlieh der Figur des adligen Untoten neben einer gewissen Würde ein romantisches Übergewicht, was ihr ungeachtet der gespenstischen Aura gar mitleidige Nuancen verleiht. So entfernte sich Dracula unter seiner Darstellung vom Bild des unmenschlichen Monsters.

Der erste Dracula-Tonfilm basiert auf dem Bühnen-Skript von Hamilton Deane und John L. Balderston, der auch die Bücher zu „Frankenstein“ und „Die Mumie“ schrieb. Von Stokers Vorlage entfernt sich diese fürs Theater abgewandelte Interpretation in Dramaturgie und Figurenkonstellation zum Teil deutlich. In einer führerlosen Kutsche wird der Londoner Makler Renfield (Dwight Frye, „Frankenstein“) durch die Karpaten zum Schloss des Vampirs gebracht, der ihn mit sinister leuchtenden Augen in seinen Bann zieht. Per Schiff geht es schließlich nach England, wo es Dracula nach dem Blute junger Frauen gelüstet.

Dass die Stummfilm-Ära erst kurzzeitig überwunden war, merkt man den Schauspielern an den mitunter mimischen Übertreibungen deutlich an. Auch die Inszenierung gibt sich beizeiten etwas hüftsteif, vor allem in der recht konventionellen Zuspitzung der Ereignisse in London. Während nämlich Dracula im Angesicht der jungen Mina Seward (Helen Chandler) seine Fangzähne entblößt, durchschaut Wissenschaftler Van Helsing (Edward Van Sloan, „Die Mumie“) seine Absichten. Wie das am Ende ausgeht, ist bekannt. An Wirkung verloren hat der Film aber auch nach bald 80 Jahren nicht.

Wertung: (8 / 10)

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