Don’t Go in the House – Das Haus der lebenden Leichen (USA 1980)

dont-go-in-the-house„In a steel room built for revenge they die burning… in chains.” – Tagline zu „Don’t Go in the House”

Vor nicht allzu langer Zeit lebte die Menschheit in einer anderen Welt, die so viel anders war, als die unsrige es heutzutage ist. Alles war schrill, oft absurd, manchmal gewagt, denn – man schrieb die glorreichen 80er Jahre (hier bitte einen Donnerschlag einfügen!). So viele Absonderlichkeiten, sei es in der Mode, in der Musik oder in der Coiffeurwissenschaft, hat kein anderes Jahrzehnt der neueren menschlichen Historie hervorgebracht. Und so ward es in der Kinematographie auch nicht anders gewesen. Viele abstrus-dreckige, abartige und nonkonforme Horrorfilme haben zu jener Zeit ihre Geburtsstunde zu verzeichnen. Wissenswertes am Rande – auf einer ominösen Insel im atlantischen Ozean, wo alle auf der falschen Fahrbahn ihre Vehikel kutschieren und Unmengen an Tee mit Milch güllen, haben solche Werke die liebevolle Bezeichnung „Video Nasty“ erhalten. Filme wie „Don’t Go Near the Park”. Oder „Don’t Go in the Woods”. „Don’t Look in the Basement” auch. Und nicht zu vergessen „Don’t Go in the House“.

Hinter dem ermahnenden Titel verbirgt sich ein nihilistisch-sleaziger Meta-Thriller um den bemitleidenswerten Donald Kohler (Dan Grimaldi, „The Sopranos“), der in einem tödlichen Dreieck von Hassliebe zu seiner Mutter, zum Feuer und zu anderen Frauen gefangen ist. In seinen Kinderjahren erfuhr er von seiner Mamuschka nicht unbedingt die Art von Fürsorge, die darauf schließen könnte, aus Donald würde ein geistig klares Individuum heranwachsen können. Oder sollte sich das Bearbeiten der kleinen Kinderarme über einem brennenden Herd jemals als pädagogisch wertvoll heraus gestellt haben? Oder die Tatsache, sein Kind D-O-N-A-L-D zu nennen? Weshalb Mrs. Kohler (Ruth Dardick) in ihrem Sohn einen solch ungezogenen und derart infam zu bestrafenden Jungen sieht, bleibt ihr Geheimnis. Nichtsdestotrotz bleibt Donald (wer müsste nicht ständig an Ihr wisst schon wen denken!) aber bis ins Mannesalter in ihrer Nähe, sprich er wohnt noch bei ihr im großen Haus.

Als eines Tages die Pumpe der hingebenden alten Lady nicht mehr will, fällt Donald der Himmel auf den Kopf. Er ist über den Verlust bestürzt, auf der anderen Seite aber auch anscheinend glücklich, endlich das tun zu können, was ihm ein Leben lang, als der alte Drachen noch lebte, verwehrt blieb. Was mit harmlosem kindlichem Toben auf der Couch und mit laut aufgedrehter Musik beginnt, endet mit vielen, auf schmerzlichste Art und Weise, Ableben junger Frauen. Denn Donald hört plötzlich verzehrte Synthi-Stimmen (wir sind schließlich nicht umsonst in den frühen 80ern!), mal von seiner toten Mama, die er in bester Norman Bates-Manier in ihrem Zimmer aufbewahrt, mal aus dem Äther, die ihn zu unvorstellbar bösen Taten drängen. Es dauert nicht lange und schon hängt die erste Frau nackt in Dons Stahlraum an Ketten, um von ihm mit einem Flammenwerfer umgeformt zu werden.

Joseph Ellisons Schocker hat es nicht leicht gehabt. Als übler, mysoginer Drecksfilm verhunzt, von Sittenwächtern verdammt, von Genreliebhabern in die „Kann man gesehen haben, muss man aber nicht“-Ecke gedrängt. Doch hat das alles so tatsächlich seine Richtigkeit? Zum größten Teil kann diese Frage mit einem klaren „Yep“ beantwortet werden. Auf der einen Seite behandelt der „Psycho meets Maniac“-Rip-Off ein Thema, das zu Recht nicht unbedingt als heiter bezeichnet werden kann. Zumindest dürfte sich jeder, der über einen gesunden Menschenverstand verfügt, beim Junge-Frauen-Grillen-Contest nicht allzu wohl fühlen. Auf der anderen Seite lädt die billig gehaltene Inszenierung des Films zum Schmunzeln ein, seien es die Dialoge oder die mimischen und gestischen (Un-)Fähigkeiten der Darsteller. In Kombination mit absurden Drehbucheinfällen, kann der so oft missverstandene Billigfilmliebhaber einfach nur jauchzen.

So etwa, wenn Donny-Boy nicht mehr weiß, wie er mit der zugegeben abstrusen Situation umgehen soll und instinktiv zu welcher Autorität rennt, um sich lindernden Rat zu holen? Nein, nicht zum Psychiater, wie jeder, auch in den 80ern, normale Psychotiker. Denn in solchen Fällen kann natürlich nur Vater Geritty helfen, ein brummiger katholischer Priester. Zitat Donald: „Sie haben doch die Antworten auf alle Fragen in ihren Büchern!“ Na dann Prost! Es geht aber noch besser. Als auch Bobby, so etwas wie ein Kamerad des Grillmeisters Donald, Zeuge seiner destruktiven Kräfte wird, leuchtet ihm auf der Stelle ein, dass er alleine seinem Kumpan nicht aus der Misere verhelfen kann. Und wer könnte ihm da eine rettende Hand reichen? Die Polizei, auch in den 80ern dein Freund und Helfer? Die Ghostbusters? Batman und Robin? Ihr ahnt es bereits, da könne kommen was wolle, aber es gibt nur einen, der mit dem drohenden Unheil fertig werden kann: Vater Geritty. Da können Pater Merrin, der Kleriker John Preston oder Reverend Jesse Custer allesamt einpacken!

Im kohler‘schen Gruselhaus kommt es dann zum feurigen (wie hätte es hier anders sein können?) Showdown, der leicht skurril daher kommt, da alle grässlich verbrannten Opfer Donalds, die er ebenso im Zimmer seiner Mutter in hässlichen Kleidern verpackt für die Ewigkeit aufbewahren wollte, plötzlich quick lebendig zu sein scheinen, so auch seine verwesende Mutter, die den gestörten Pyromanen mit in den (erneuten) Flammentod reißt. Diese kurze Sequenz dürfte übrigens den irreführenden deutschen Titel „Das Haus der lebenden Leichen“ erklären, auch wenn es nicht schwer fällt, den Schluss „nur“ als eine endgültige Vision des Wahnsinns zu interpretieren, die Donald früher oder später so oder so hätte ereilen müssen. Oft hört man den Vorwurf, dieses zum Gesamtwerk unpassende Finale hätte Ellison bei William Lustigs „Maniac“ abgekupfert. Allerdings ist „Don’t Go in the House“ ein paar Monate vor Lustigs Zensorenliebling herausgekommen.

„Pyromaniac“, wie der Film in Frankreich heißt, ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Aufgrund der herben Thematik keineswegs als Partyfilm geeignet und von den Machern sicherlich auch so nicht intendiert, aufgrund der fehlenden Innovation hinter und vor der Kamera aber auch nicht als Genre-Größe zu titulieren. Ansätze sind vorhanden, so etwa die Tatsache, dass Donald sich eigentlich an seiner Mutter rächt, indem er die anderen Frauen tötet. Und es ist gewiss kein Zufall, dass er dies mit Feuer tut, war er doch in seiner Kindheit von seiner satanischen Mutter ebenfalls mit diesem Element misshandelt worden. Doch dieser Ausgangspunkt scheint nur kaum bemerkbar über der Geschichte zu hängen, näher wird darauf leider nicht eingegangen, was schade ist, auch wenn man sich ins Gedächtnis rufen muss, dass Joseph Ellison eben kein Alfred Hitchcock und Dan Grimaldi kein Anthony Perkins ist.

Und so bleibt auch dieser filmische Beitrag des Filmemachers Ellison, der sechs Jahre später noch ein Drama namens „Joey“ drehen sollte/durfte, nur ein Relikt der mythischen 80er Jahre, der von Liebhabern ähnlich angelegter Filme wenigstens einmal gesehen werden sollte. Für die Normalos da draußen heißt es aber: „Don’t Watch this Movie“.

Wertung: (4 / 10)

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