Domino (USA/F 2005)

dominoBased on true events – sort of…

Die besten und unglaublichsten Geschichten schreibt meist das Leben selbst. Die Geschichte von Domino Harvey ist eine solche. Geboren als Tochter des Schauspielers Laurence Harvey („Botschafter der Angst“) und des Models Sophia Wynn, kehrt der rebellische Spross dem Leben in Glanz und Glamour nach kurzem Tritt in die mütterlichen Fußstapfen den Rücken. Wenig später steigt sie zur bekanntesten Kopfgeldjägerin Amerikas auf. Der Ruf des Filmgeschäfts erreichte Domino bereits Mitte der Neunziger. Doch erst das Drehbuch von „Donnie Darko“-Regisseur Richard Kelly ermöglichte es Tony Scott („Der Staatsfeind Nr. 1“), sein Wunschprojekt nach langer Vorbereitungszeit Realität werden zu lassen.

In diesem vermischt sich Fakt mit Fiktion, wenn Domino (Keira Knightley, „Fluch der Karibik“) im Verhör durch Bundesagentin Miles (Lucy Liu, „3 Engel für Charlie“) ihr Leben Revue passieren lässt. Auf ihrem Weg an die Spitze der Bounty Hunter findet sie im ehemaligen Kriminellen Ed Mosbey (Mickey Rourke, „Sin City“) einen Mentor. Zusammen mit Choco (Edgar Ramirez, „Punto y raya“) und Alf (Rizwan Abassi, „Hamlet“) ergibt das ihre Ersatzfamilie. Im Auftrag von Kautionshändler Claremont (Delroy Lindo, „Schnappt Shorty“) geht das Gespann auf Verbrecherjagd. Doch ihr jüngster Job lässt sie mitten in die Schusslinie des organisierten Verbrechens geraten.

Ohne große Hast strickt Tony Scott seine Mär um Menschen in der Grauzone des Gesetzes. In mosaikartigen Rückblenden entsteht ein bemüht tiefsinniges, doch meist oberflächliches Portrait einer extraordinären Frau. Deren konsequenten Hang zur Andersartigkeit stilisiert Scott über mehr als zwei Stunden Laufzeit zum Aushängeschild gesellschaftlicher Rebellion. Trotz fragiler Schattierungen ist seine Domino Harvey ein Engel der Coolness, eine resolute Amazone, die bei der Riskierung von Kopf und Kragen auch schon mal einen Striptease vor schwer armierten Gangmitgliedern hinlegt – oder beidhändig aus Maschinengewehren feuert.

Das postmoderne Thriller-Drama ist bis in kleine Nebenrollen vortrefflich besetzt. Christopher Walken („Sleepy Hollow“) brilliert als TV-Produzent, der die Kopfgeldjäger zu Stars eines Reality-Formates erhebt. Dessen gestresste Assistentin wird gespielt von Mena Suvari („American Beauty“). Als gelungene Persiflage auf Affektivität und Popularität spielen sich die einstigen „Beverly Hills 90210“-Stars Ian Ziering und Brian Austin Green selbst. Des weiteren chargieren Dabney Coleman („Moonlight Mile“), Stanley Kamel („Monk“) und Jacqueline Bisset („Wilde Orchidee“).

„Domino“ hätte Tony Scotts bester Film seit „True Romance“ (1993) werden können. Richard Kellys Skript vereint einen zwar unnötig verschachtelten, doch im Grunde stimmigen Erzählrhythmus mit starken Charakteren und lässt auch schwarzen Humor nicht zu kurz kommen. Doch die selbstverliebte Inszenierung tobt sich in der Ästhetik eines Videoclips aus und überstrapaziert den frommen Wunsch nach stilistischer Vielfalt bis zur optischen Reizüberflutung. So krankt auch dieser Streifen an denselben Symptomen wie Scotts letzter Film „Mann unter Feuer: Die Handlung wird zum Träger inszenatorischen Egozentrismus. Auf der Strecke bleibt bald der Zuschauer, der sich am Ende fühlt, wie die Protagonisten nach ihrem unfreiwilligen Meskalintrip.

Wertung: (5 / 10)

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