Django und Sartana, die tödlichen Zwei (I 1969)

django-und-sartana-die-toedlichen-zweiEin Jahr vor dem offiziellen Aufeinandertreffen der Italo-Western-Größen Django und Sartana in „Django und Sartana kommen“ (1970) knüpfte der deutsche Verleih ähnliche Bande in „Django und Sartana, die tödlichen Zwei“. In Wahrheit hießen die Helden in Sergio Garrones („Django und die Bande der Bluthunde“) Film jedoch Johnny Brandon und Everett Murdock. Brandon-, bzw. Django-Darsteller Antonio De Teffé (1929-2004) verkörperte im originalen „Sartana” (1966) den Bruder der seinerzeit noch als Schurke eingeführten Titelfigur. Durch seine Mitwirkung in zahlreichen Genrewerken, darunter „Es geht um deinen Kopf, Amigo!“ (1967) und „Django spricht das Nachtgebet“ (1968), erlangte er einschlägige Bekanntheit und zählt bis heute zu den Aushängeschildern der europäischen Pferdeoper.

Gleiches gilt für Filmpartner William Berger (1928-1993). Der gebürtige Österreicher hielt dem Genre bis zum späten Abschluss „Django’s Rückkehr“ (1987) die Treue und spielte unter anderem in „Heute ich… morgen Du!“ (1968) und „Sing mir das Lied der Rache“ (1973). Hier ist er der (Gewalt-)Prediger Sartana/Murdock. Wie Django ist er Kopfgeldjäger, wortkarg und käuflich. Aus Profitgier gilt es dem skrupellosen Menschenschmuggler Fargo (Riccardo Garrone, „Bete, Amigo“) das Handwerk zu legen. Dieser lässt gleich zu Beginn das Leben zahlreicher mexikanischer Flüchtlinge beenden, indem die ihnen als Versteck dienlichen Planwagen in eine Schlucht befördert werden. Solches Verhalten kann selbst im Spaghetti-Western nicht toleriert werden, weshalb ihm das titelgebende Duo bald mit bleihaltigen Argumenten ins Handwerk pfuscht.

Der routinierte Italo-Western lässt es zynisch angehen und lädt schon früh zum munteren Scheibenschießen ein. Weil das Militär den Handlungen Fargos mit eingeschränkter Handlungsbefugnis gegenübersteht, mischen Django und Sartana bald das Grenzgebiet auf. Als schmuckes Gimmick darf William Berger ein siebenläufiges Gewehr mit in den Kampf tragen. Der ist auf Dauer etwas ermüdend, da dem regen Komparsenverschleiß kaum schlüssige Handlungsfolge, geschweige denn Charakterzeichnung gegenübersteht. Im Gegenzug aber kommt keine Langeweile auf, nimmt das schießfreudige Gespann doch kaum den Finger vom Abzug. Geschwätzige Schützenhilfe leistet Genre-Veteran Mario Brega (1923-1994), der unter anderem in Sergio Leones „Dollar“-Trilogie mitwirkte. „Django und Sartana, die tödlichen Zwei“ wirkt mitunter arg ideenlos und gegen Ende gar wirr konstruiert, bedient aber gesunden Durchschnitt ohne zur Last zur fallen.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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